Mit Einheits-Krawatte gegen Euro-Stärke

- Boca Raton - Einigkeit demonstrierten die G7-Finanzminister und Notenbankchefs auf Brust und Papier: mit identischen Krawatten mit den Währungszeichen für Dollar, Euro, Yen und Britischem Pfund präsentierten sie sich bei ihrem Treffen in Florida zum Gruppenbild. Aber auch beim heißen Thema Wechselkurse rangen sich die Vertreter der wichtigsten Währungen zu einem ungewöhnlich klaren Signal durch. Zu starke Währungsschwankungen seien unerwünscht, erklärten sie.

<P>Für die Europäer heißt das: Die Talfahrt des Dollar darf nicht ungehindert weitergehen. Mit der Ankündigung, die Devisenmärkte genau zu beobachten und nötigenfalls "zu kooperieren", griffen die Minister zwar auf eine Standardformel zurück. Der Hinweis gilt als Warnung an Devisenhändler, dass die großen Industrieländer außerordentlichen Wechselkursschwankungen nicht unbedingt tatenlos zusehen. Die Finanzwelt wartet nun mit Spannung, wie die Devisenmärkte heute reagieren.</P><P>Unisono weigerten sich die Finanzminister, der Formulierung irgendwelche Interpretationen hinzuzufügen. "Weitere Erklärungen machen die Sache nur weniger klar", meinte Bundesfinanzminister Hans Eichel, der sich ansonsten hoch zufrieden zeigte. Die Minister stehen jedes Mal vor dem gleichen Dilemma. Die Erwartungen sind immens, und die Interpretation ihrer Worte kann die Märkte ins Chaos stürzen. Deshalb ist eigentlich immer Verbalakrobatik gefragt, um nicht mit allzu klaren Worten Position zu beziehen. Doch vage Formulierungen sind auch ein Risiko, wie das vorherige Treffen im September in Dubai zeigte.</P><P>Damals sprachen sie sich für "flexiblere Wechselkurse" aus - gemünzt war dies auf die asiatischen Länder, denen die USA vorwerfen, ihre Währungen niedrig zu halten, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Doch Devisenhändler zogen andere Schlüsse: "Flexiblere Wechselkurse" interpretierten sie als stillschweigende Vereinbarung, den Dollar weiter fallen zu lassen. Prompt brach der Dollar-Kurs nach dem Treffen ein, bis heute um fast zehn Prozent.</P>

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