VW: Einigung im Aufsichtsrat-Streit

- Hannover/Stuttgart - Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen ist der Streit über die künftige Machtstruktur im Aufsichtsrat beigelegt. Der Vorstandschef des neuen VW-Großaktionärs Porsche, Wendelin Wiedeking, zieht mit sofortiger Wirkung in das Kontrollgremium ein. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech tritt im Frühjahr 2007 von seinem Posten ab. Bis dahin ist er gewählt.

Nachfolger soll aber nicht Wiedeking werden, sondern ein "neutraler Manager". Auf diesen Kompromiss einigten sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Wiedeking als Vertreter der beiden größten VW-Aktionäre, dem Land Niedersachsen und Porsche. Vorausgegangen waren lange und schwierige Verhandlungen.

Ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung sowie ein Porsche-Sprecher bestätigten am Freitag entsprechende MedienInformationen. In Kreisen hieß es zudem, der Vertrag von VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder solle noch vor der Hauptversammlung im Mai um fünf Jahre verlängert werden.

Wiedeking und Wulff hatten sich nach dem milliardenschweren Einstieg von Porsche bei VW lange über die Rolle des neuen Großaktionärs gestritten. Besonders die Doppelrolle von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piech ist Wulff ein Dorn im Auge. Piech kontrolliert auch den VW-Großhändler Porsche Salzburg. Ob Piech erneut als ordentliches Mitglied des VW-Aufsichtsrats kandidieren wird, ist offen.

Für Wiedeking verzichtet VW-Aufsichtsrat Lord David Simon of Highbury auf sein Mandat. Wiedeking zieht auch in das wichtige Präsidium des Gremiums ein, das von vier auf sechs Personen erweitert wird.

Das Land Niedersachsen will zudem auf der VW-Hauptversammlung am 3. Mai der Berufung von Porsche-Finanzvorstand Holger Härter in das Kontrollgremium zustimmen. Dafür legt Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wie angekündigt sein Mandat als VW-Aufsichtsrat nieder. Zum Ehrenvorsitzenden des Kontrollgremiums soll der frühere Ruhrgas-Topmanager Klaus Liesen ernannt werden.

Porsche hält bislang offiziell einen Anteil von 18,53 Prozent der VW-Stammaktien. Allerdings hat das Unternehmen bereits angedeutet, dass die Option auf weitere 3,4 Prozent gezogen werden soll. Dann besitzen die Stuttgarter rund 22 Prozent, das Land Niedersachsen 18,2 Prozent. Porsche hatte den 3,5 Milliarden Euro teuren Einstieg strategisch begründet. VW werde vor einer feindlichen Übernahme geschützt und die eigenen Investitionen in mehrere gemeinsame Projekte mit VW abgesichert.

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