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Einkaufen im Internet: Saturn und Co. gehen ins Netz

Düsseldorf - Lange hat der Handelskonzern Metro das Internet einfach ignoriert.  Bei Media Markt und Saturn suchte man bislang vergeblich nach einem Online-Shop. Das soll sich jetzt ändern.

Bei der Verbrauchermarktkette real finden sie lediglich Links zu einigen Partnerunternehmen, die Blumen, Reisen oder Gourmetfleisch anbieten. Und auch bei der Großhandelskette Metro Cash & Carry ist E-Commerce noch ein Fremdwort. Lediglich die Warenhauskette Kaufhof ist schon weiter. “Wir sind sehr spät dran beim Thema E-Commerce“, räumte Konzernchef Eckhard Cordes am Mittwoch bei der Präsentation der Jahresbilanz 2009 in Düsseldorf ein. Doch das soll sich nach dem Willen des Managers jetzt ändern.

Sämtliche Vertriebslinien der Metro sollen künftig Cordes zufolge auch im Internet aktiv sein und so zusätzliches Wachstum erzielen. Vorreiter sollen Media Markt und Saturn sein. Schon in wenigen Wochen werden die Elektronikmarktketten ihre ersten Online-Shops öffnen, zunächst allerdings nur in den Niederlanden und Österreich. Doch könnte, wenn bei den Pilotprojekten alles gutgeht, noch in diesem Jahr auch Deutschland folgen.

Es ist ein großer Schritt für die Metro, denn bisher überwogen bei dem Konzern offensichtlich die Befürchtungen, durch E-Commerce-Angebote den Erfolg der florierenden Elektronikmärkten zu untergraben. Doch lässt das stürmische Wachstum des Internethandels dem Unternehmen nun wohl keine Wahl mehr. Auch die anderen Konzerntöchter sollen bald den Schritt ins Internet wagen.

Die SB-Warenhauskette real plant nach Angaben des Managers einen Online-Shop für ihr Nicht-Lebensmittel-Sortiment. Sogar die Metro-Großhandelsmärkte machen inzwischen erste Gehversuche im Web. So können im französischen Rodez bei Toulouse Kunden ihre Ware online bestellen und rund um die Uhr fertig abgepackt im Markt abholen. Kaufhof soll sein Online-Angebot weiter ausbauen.

Die Internet-Offensive ist Bestandteil eines Maßnahmenpakets mit dem der Handelsriese nach den Umsatz- und Ergebniseinbußen im Krisenjahr 2009 wieder auf Wachstumskurs gehen will.

Zweiter wichtiger Bestandteil sind ehrgeizige Expansionspläne in Wachstumsmärkten wie China und Russland. Dafür gibt sich der Konzern sogar eine neue Struktur. Die Großhandelsparte Cash & Carry wird in zwei Geschäftseinheiten aufgeteilt. Eine soll Europa betreuen, die zweite sich ganz auf die Wachstumsmärkte wie Asien oder Russland und die dort anderen Ansprüche konzentrieren. Im Fernen Osten und in Russland sieht Cordes in Zukunft das größte Wachstumspotenzial für den Düsseldorfer Konzern.

Die Großhandelstochter Cash & Carry werde fast nur noch dort neue Märkte eröffnen, sagte er. Auch Media Markt plant eine stürmische Expansion in China. Mittelfristig strebt der Konzern auf diese Weise ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 6 Prozent und ein Ergebniswachstum von mehr als 10 Prozent an. Im Krisenjahr 2009 hatte auch der Düsseldorfer Handelsriese unter der weltweiten Wirtschaftskrise gelitten.

Das betriebliche Ergebnis (Ebit) des Konzerns vor Sonderfaktoren sank um 8,9 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro. Das Periodenergebnis verringerte sich um 6,9 Prozent auf 519 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 3,6 Prozent auf 65,6 Milliarden Euro zurück. Auch 2010 werde kein einfaches Jahr, betonte der Manager. Dennoch will der Konzern auf den Wachstumspfad zurückkehren. Der Umsatz und das betriebliche Ergebnis vor Sonderfaktoren sollen wieder steigen. Bei konjunkturellem Rückenwind könne sogar annähernd das betriebliche Ergebnis des Vorkrisenjahres 2008 erreicht werden, meinte Cordes.

apn

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