Einstieg bei EADS: Die Kanzlerin holt sich bei Investoren Körbe

- Berlin/Hamburg - ­ Die Bemühungen der Bundesregierung um einen Einstieg deutscher Investoren beim angeschlagenen Airbus-Mutterkonzern EADS gestalten sich offenbar schwierig: Mehrere große Banken und die Versicherungsgruppe Allianz sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel laut der "Financial Times Deutschland" einen Korb gegeben haben. Sie wollen demnach keine Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns erwerben.

Mitten in die Suche der Bundesregierung nach neuen möglichen EADS-Aktionären platzte eine weitere schlechte Nachricht für Airbus. Die Fluggesellschaft Emirates bestätigte, sie habe 20 Maschinen des Typs A340-600 im Wert von vier Milliarden US-Dollar (3,13 Milliarden Euro) abbestellt. Für morgen ist ein Spitzentreffen von Merkel mit der EADS-Spitze zur künftigen Aktionärsstruktur geplant.

Daimler-Chrysler will seinen EADS-Anteil von 22,5 auf 15 Prozent reduzieren. Deutschland pocht aber darauf, das deutsch-französische Gleichgewicht im EADS-Konzern beizubehalten. Die französische Seite ­ der Staat und die Lagardère-Gruppe ­ hält 22,5 Prozent am Flugzeugbau- und Rüstungskonzern.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete weiter, Merkel habe sich persönlich bei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für den Einstieg deutscher Finanzinvestoren eingesetzt, wenn Daimler-Chrysler wie angekündigt einen 7,5-Prozent-Anteil an EADS verkauft. Auch der Versicherungskonzern Allianz sei angesprochen worden. Einzelne Institute wollten sich zwar an der Finanzierung eines Aktienkaufs beteiligen, allerdings mit begrenztem Risiko und ohne selbst einzusteigen. Auf Anfrage wollten sich weder die Allianz noch die Deutsche Bank äußern.

Die EADS-Tochter Airbus kommt unterdessen nach den Problemen beim neuen Riesenjet A380 auch bei mittelgroßen Langstreckenjets unter Druck. Die arabische Fluggesellschaft Emirates hat 20 Maschinen vom Typ A340-600 abbestellt. Die in Dubai beheimatete Fluggesellschaft hatte zehn der mittelgroßen Langstreckenjets bestellt und sich Optionen auf zehn weitere gesichert. Zur Streichung des Auftrages hieß es bei Emirates lediglich: "Wir überprüfen laufend, ob die Zusammensetzung der Flotte und neue Bestellungen dem Bedarf auf unseren Strecken noch genügt." Die "Gulf News" berichtete, Emirates sei mit der "Effizienz" der A340-600 nicht zufrieden.

Gleichzeitig kündigte Emirates an, man werde einen kritischen Blick auf die Produktion des A380 in Toulouse werfen. Emirates hatte zuvor bereits indirekt mit der Streichung von Aufträgen gedroht. Mit 45 bestellten A380-Maschinen ist die Fluggesellschaft einer der wichtigsten Airbus-Kunden.

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