Einzelhandel: Nach drei Jahren im Minus geht es jetzt wieder bergauf

- München - Nach drei Jahren mit schrumpfenden Umsätzen geht es dem bayerischen Einzelhandel erstmals wieder besser. Bis Ende September haben die Einzelhändler in Bayern real 2,6 Prozent mehr Waren umgesetzt als im Vorjahr. Jetzt richten sich alle Hoffnungen auf das Weihnachtsgeschäft.

"Der Abwärtstrend im Einzelhandel ist eindeutig gestoppt, wir haben die Talsohle erreicht", sagte Erich Vorwohlt, Präsident des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE) in München. Von niedrigem Niveau aus gehe es jetzt bergauf, fügte er hinzu, ohne eine Prognose für das ganze Jahr zu wagen. Große Hoffnungen richten sich auf das Weihnachtsgeschäft in den nächsten fünf Wochen. In dieser Zeit machen viele Branchen ein Viertel ihres Umsatzes, die Spielwarenbranche gar bis zu 40 Prozent. In Bayern summieren sich die Weihnachtsumsätze auf 13 Milliarden Euro. "Der Zeitpunkt, in dem die Kosten geringer sind als die Marge, liegt bei vielen Geschäften erst kurz vor Weihnachten", sagte Vorwohlt. In diesen Wochen entscheide sich, ob viele Mittelständler überleben werden oder nicht. Es gebe große Unterschiede in der Branche. Während Discounter in der Vergangenheit stark zulegten, machten viele kleine Händler Verluste.

Zwei große Gefahren sehen die Händler auf sich zukommen. "Konsumhemmer" Nummer eins seien höhere Steuern und Abgaben. Obwohl genügend Geld vorhanden sei - das zeige die Sparquote -, habe das Gerede von "Grausamkeiten" und schmerzhaften Einsparungen sofort zur Kaufzurückhaltung der Kunden geführt. Die Versprechungen der großen Parteien vor der Wahl seien zur Makulatur geworden. "Wird nur Negatives herausgestellt, ohne auf die dadurch zu erwartende Wirtschaftsbelebung hinzuweisen, dann werden wir kein gutes Weihnachtsgeschäft bekommen", warnte Vorwohlt.

Neben den Auswirkungen des Koalitionsvertrages sehen die Einzelhändler in dem andauernden Tarifkonflikt ein weiteres Risiko für den Jahresendspurt. Die von der Gewerkschaft Verdi geforderten vier Prozent mehr Lohn und Gehalt seien "weltfremd" und "vollkommen indiskutabel".

LBE-Hauptgeschäftsführer Martin Aigner schob nach: Man wolle nicht wieder Belastungen durch höhere Tarifabschlüsse mit weiterem Personalabbau auffangen.

Damit der Konsum steige, müssten die Abgaben runter und nicht die Löhne rauf. "Ein Problem, das mehr als ärgerlich ist, sind die zu geringen Nettolöhne und die zu hohen Bruttolöhne", sagte der Einzelhandelspräsident.

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