Einzelhandel schiebt den "Sommerblues"

Wiesbaden - Der deutsche Einzelhandel schiebt wegen stagnierender Geschäfte den "Sommerblues". Der bereinigte Umsatz sank im Juli nach am Montag in Wiesbaden veröffentlichten vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes nominal um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Auf der Basis unveränderter Preise (real) wäre der Umsatz sogar um 1,5 Prozent zurückgegangen. "Der August war nicht besser. Da herrschte der Sommerblues", erklärte dazu der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz der vorläufigen Statistik zufolge zwar nominal um 2,2 Prozent. Bei gleichbleibenden Preisen wären hingegen 0,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres umgesetzt worden. "Wir dümpeln um die Null-Linie herum. Es fehlt der richtige Impuls, damit die Konsumenten die Bremse lösen", sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einzig wirksames Mittel seien Steuersenkungen, nachdem sich der Staat auf Kosten seiner Bürger saniert habe.

Die Menschen griffen verstärkt zu billigeren Waren und kauften häufiger bei Discountern ein, schilderte Pellengahr. Der Handel habe nicht von der steigenden Beschäftigung in dem zu erwartenden Maß profitiert, weil steigende Energiepreise und hohe Inflationsraten die Menschen beunruhigten.

Es handele sich aber um eine Überreaktion: "Unter dem Strich haben die Menschen mehr. Deswegen steigt zum Beispiel auch die Sparquote." Für das restliche Jahr und für 2009 sei aber mit langsamer steigenden Preisen zu rechnen, so dass die Händler nicht alle Hoffnungen fahren ließen. Auch das Weihnachtsgeschäft sei positiv zu sehen, da ein gewisser Nachholbedarf bei den Menschen bestehe.

Nominal war der Umsatz im Juli gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr um 3,1 Prozent gestiegen, zu unveränderten Preisen hingegen stagnierte das Geschäft. Das Plus sei schon durch den zusätzlichen Verkaufstag im Juli 2008 zu erklären, meinte der HDE-Verantwortliche.

Besonders der Handel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren musste reale Umsatzverluste hinnehmen, hatte aber mit Ausnahmen der Fachgeschäfte wegen der höheren Preise mehr Geld in den Kassen. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen hingegen die Umsätze binnen Jahresfrist auf der ganzen Linie. Die Händler hatten nach der Statistik 3,9 Prozent mehr Umsatz. Bei unveränderten Preisen hätte die Steigerung noch 2,0 Prozent betragen.

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