Im Einzelhandel wird nach Streiks wieder verhandelt

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Düsseldorf (dpa) - In den längsten Tarifkonflikt des deutschen Einzelhandels seit Jahrzehnten kommt nach monatelangem Stillstand Bewegung.

Im Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen, den die Arbeitgeber als Pilotbezirk für die Branche mit ihren 2,7 Millionen Beschäftigten betrachten, sind neue Verhandlungen für den kommenden Mittwoch vereinbart. Damit kehren die Tarifparteien nach längerer Unterbrechung erstmals wieder an den Verhandlungstisch zurück.

ver.di hatte mit einer Reihe von Streiks im umsatzstarken Weihnachts- und Ostergeschäft den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Eine Reihe von Großunternehmen zahlt seinen Mitarbeitern nach Gewerkschaftsangaben im Vorgriff auf eine Einigung bereits drei Prozent mehr Geld.

Am Donnerstag hatten bundesweit wieder mehrere hundert Angestellte gestreikt. So hatten laut Gewerkschaft ver.di 250 Beschäftigte der Praktiker-Baumärkte und Schlecker-Drogerien in Südhessen die Arbeit niedergelegt. In Berlin demonstrierten mehrere hundert Angestellte und Gewerkschafter am Vormittag vor einer Filiale der Modekette H & M. In Sachsen-Anhalt streikten etwa 100 Mitarbeiter in Supermärkten mehrerer Städte, sagte ein ver.di-Sprecher.

Der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, sagte im WDR, man werde noch mal auf ver.di zugehen und "ganz dringlich appellieren, diese Lohn- und Tarifrunde endlich zu beenden". Der Streik sei "überflüssig wie ein Kropf", sagte Pellengahr. "Aber wir haben es im Weihnachtsgeschäft gemerkt: man kann den Weihnachtsmann nicht bestreiken, noch viel weniger wird's gelingen, den Osterhasen zu bestreiken."

"Wir erwarten von den Arbeitgebern ein neues Angebot", sagte die Verhandlungsführerin von ver.di NRW, Lieselotte Hinz, am Donnerstag in Düsseldorf. Grundlage für die neuen Gespräche sollte nach Ansicht der Gewerkschaft das Angebot von Rewe sein, drei Prozent mehr Geld zu zahlen. Geforderte Abstriche bei den Samstags-Zuschlägen stellten für die Gewerkschaft aber nach wie vor ein Problem dar. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes Nordrhein-Westfalen laufen die Abstimmungen im Arbeitgeberlager noch. "Ich gehe davon aus, dass wir die geeigneten Maßnahmen ergreifen werden, um in den Verhandlungen weiterzukommen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Peter Achten.

Der Tarifkonflikt im Einzelhandel schwelt bereits seit rund einem Jahr. Die Arbeitgeber hatten im Sommer 2007 Einkommensverbesserungen von 1,7 Prozent bei gleichzeitiger Änderung der Zuschlagsregelung angeboten. Die Spätöffnungszuschläge sollten um zwei Stunden nach hinten verschoben werden. ver.di lehnte das Arbeitgeberangebot als nicht akzeptabel ab. In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft Nordrhein-Westfalen mit seinen 420 000 Einzelhandelsbeschäftigten nicht mehr als Pilotbezirk betrachtet, weil eine Einigung hier schwierig erschien. In NRW haben eine Reihe von Handelsunternehmen wie Metro, Karstadt und Tengelmann ihren Sitz. Rewe war mit dem Angebot von drei Prozent mehr Geld bereits im vergangenen Dezember vorgeprescht.

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