Konferenz „Zukunft Schiene“

Eisenbahntunnel unter dem Bosporus

München – „Zukunft Schiene“ – unter diesem Motto diskutiert am Montag in München auf Einladung des Bundesverkehrsministeriums eine ganze Phalanx von Experten und Fachministern über internationale Bahnprojekte.

Einer der Teilnehmer, Bahnchef Rüdiger Grube, wird vielleicht neidvoll Berichte aus anderen Ländern zur Kenntnis nehmen – und eher genervt den stagnierenden Sachstand zu Stuttgart 21 oder zum Brennerbasistunnel-Zulauf referieren.

Pläne gibt es bekanntlich viele. Doch wer beobachten will, wie eine Vision Wirklichkeit wird, der sollte sich ein Projekt in der Türkei ansehen. Voraussichtlich am 29. Oktober, dem 90. Gründungstag der türkischen Republik, soll der Marmaray-Eisenbahntunnel unter dem Bosporus eröffnet werden. 13,3 Kilometer lang, bis zu 55 Metern unter der Wasseroberfläche, soll der Tunnel Halkali auf der europäischen Seite Istanbuls mit Gebze im asiatischen Teil verbinden. Schon heute gibt es Güterzüge, die von Berlin bzw. Villach bis Istanbul fahren – diese Verbindungen könnten mit dem Tunnel an Fahrt zulegen.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist vom Tatendrang der Türken beeindruckt: „Der Logistiksektor der Türkei wächst und wächst. Die türkische Regierung tut das Richtige, um die Wirtschaft zu unterstützen: Sie investiert in den Ausbau einer soliden Verkehrsinfrastruktur.“ Ramsauers türkischer Amtskollege Binali Yildirim, der zur Konferenz nach München reist, wird das gerne hören.

Gerade bei der Bahn besteht in der Türkei Nachholbedarf. Nicht einmal drei Prozent des Personen- und fünf Prozent des Güterverkehrs werden auf der Schiene abgewickelt. Die Türkei denkt aber an Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den größten Städten, etwa Istanbul und Ankara. Demnächst soll auch die marode türkische Staatsbahn TCDD restrukturiert und der Bahnsektor wie in Deutschland für private Unternehmen geöffnet werden – so wie es die EU ihren Mitgliedsstaaten vorschreibt. Das bietet, so heißt es in Ramsauers Ministerium, Chancen auch für deutsche Unternehmen – für die Hersteller von Zügen wie Siemens oder Bombardier ebenso wie für die Bahnbauindustrie und Baumaschinenhersteller wie Hochtief oder Herrenknecht.

DIRK WALTER

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