EKD: Wirtschaft zeigt teilweise wenig Verantwortung

- Berlin - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat Teilen der Wirtschaft einen Mangel an gesellschaftlicher Verantwortung vorgeworfen. Besonders in Großkonzernen drehe sich das Denken scheinbar oft nur um den Aktienkurs.

Das sagte Huber der "Berliner Zeitung". Zufriedenheit von Mitarbeitern oder Kunden stünden dahinter zurück. Diese Mentalität müsse dringend beendet werden, forderte der Bischof von Berlin-Brandenburg. "Wer allein am Aktienkurs die Leistung von Managern misst, verliert an Glaubwürdigkeit." Huber kritisierte zugleich eine Maßlosigkeit bei der Bezahlung von Spitzenmanagern. "Es gibt Großkonzerne, in denen das Management Gehälter bezieht, deren Höhe jedes normale Maß übersteigt."

Das Durchschnittseinkommen in Deutschland liege bei rund 40 000 Euro im Jahr. "Wenn ein Manager 20 Millionen Euro im Jahr verdient, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit", sagte Huber. Zu Recht werde beim Abbau von Arbeitsplätzen die Frage gestellt, wie viele Jobs sich von einem solchen Gehalt sichern ließen. Es sei aber nicht fair, die Wirtschaft im Großen und Ganzen mit solchen Entwicklungen gleich zu setzen, sagte der EKD- Ratsvorsitzende. Es gebe viele Unternehmen, die sich stark für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzten.

In der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" rief der Bischof Staat und Wirtschaft zu einer aktiveren Arbeitsmarktpolitik auf. Der derzeitige Aufschwung müsse wesentlich stärker dafür genutzt werden, Arbeitsplätze zu schaffen. Huber appellierte auch hier an die Wirtschaft: "Die verbesserte Rendite sollte in Arbeitsplätze investiert und nicht nur abgeschöpft werden." Die Hoffnung, dass der normale erste Arbeitsmarkt alles regeln könne, trüge jedoch vor allem für Menschen über 50. "Deshalb sollte es neben dem ersten Arbeitsmarkt und neben dem zweiten Arbeitsmarkt mit seinen zeitlich befristeten, besonderen Arbeitsverhältnissen noch einen dritten Arbeitsmarkt geben, der insbesondere älteren Arbeitslosen einen Neubeginn ermöglicht", sagte Huber.

Nach einem Bericht der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" gibt es in der SPD Überlegungen für einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor für Langzeitarbeitslose. SPD- Generalsekretär Hubertus Heil sagte der Zeitung, es werde immer Menschen geben, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. "Für diese Menschen wollen wir sinnvolle Tätigkeiten auf einem sozialen Arbeitsmarkt schaffen anstatt ihre Arbeitslosigkeit zu finanzieren." Im Frühjahr werde es dazu konkrete Vorschläge für Projekte auf kommunaler Ebene gegen, für die der Bund auch die finanziellen Voraussetzungen schaffen müsse.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Senat bestätigt Powell als neuen Fed-Vorsitzenden
Washington (dpa) - Der US-Senat hat Jerome Powell als neuen Vorsitzenden der Notenbank Federal Reserve bestätigt. 85 Senatoren stimmten am Dienstagabend (Ortszeit) für …
US-Senat bestätigt Powell als neuen Fed-Vorsitzenden
Letzte Chance für friedliche Lösung im Metall-Tarifkonflikt
Stuttgart (dpa) - Vor der vierten Tarifverhandlungsrunde für die Metall- und Elektroindustrie im Südwesten hat die IG Metall nochmals den Druck erhöht. Mehr als 210.000 …
Letzte Chance für friedliche Lösung im Metall-Tarifkonflikt
Weltwirtschaftsforum in Davos: Trudeau kritisiert Trump
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump kritisiert und die …
Weltwirtschaftsforum in Davos: Trudeau kritisiert Trump
Carsharing-Fusion von Daimler und BMW auf der Zielgeraden
München/Stuttgart (dpa) - Daimler und BMW wollen ihre Carsharing-Töchter nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Kürze zusammenlegen. Die …
Carsharing-Fusion von Daimler und BMW auf der Zielgeraden

Kommentare