Electricit de France übernimmt British Energy

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Paris (dpa) - Der französische Staatskonzern EDF wird mit dem Kauf des Atomstrom-Spezialisten British Energy zum größten Stromanbieter Großbritanniens. Außerdem baut EDF seine Position als weltgrößter Anbieter von Strom aus Atomkraftwerken aus.

British Energy (BE) habe das leicht auf 12,5 Milliarden Pfund (15,7 Mrd Euro) erhöhte Angebot akzeptiert, sagte EDF-Chef Pierre Gadonneix am Mittwoch in Paris. Jetzt werde EDF Milliarden in den Bau von vier sogenannten Europäischen Druckwasserreaktoren an zwei Standorten in England investieren. "Das Vereinigte Königreich ist ein Schlüsselmarkt für EDF mit einem Riesenbedarf an neuen Kernkraftwerken."

EDF bietet 7,74 Pfund je BE-Aktie, neun Pence mehr als bisher. Der britische Staat wird EDF seinen 35,2-Prozent-Anteil an British Energy gegen bar verkaufen. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown sprach von einem "bedeutenden Schritt, eine neue Generation von Atomkraftwerken zu bauen". Der Investmentfonds Invesco, der 15 Prozent an British Energy hielt und die Übernahme bislang blockierte, bot EDF nun ebenfalls seine Anteil an.

Damit sind die Franzosen nach einem jahrelangen Übernahmepoker, in dem zwischenzeitlich auch RWE und Iberdrola mitgeboten hatten, am Ziel. Die Börse feierte den Übernahmeerfolg. Die EDF-Aktie stieg zum Mittag um 3,51 Prozent auf 51,92 Euro.

Wegen des hohen Kapitalbedarfs will EDF den britischen Gaskonzern Centrica mit 25 Prozent an British Energy und am Bau der vier neuen Kraftwerke beteiligen. Die Aufnahme weiterer Partner sei möglich, sagte Gadonneix. Der sogenannte Europäische Druckwasserreaktor (EPR) wurde vom französischen Atomtechnikkonzern Areva gemeinsam mit Siemens entwickelt. Die ersten beiden Reaktoren sind in Finnland sowie Frankreich im Bau. In Großbritannien drückt Gadonneix aufs Tempo. "Für die ersten zwei Reaktoren sind bereits Teile bestellt", sagte er. Ende 2017 solle der erste EPR mit 1600 Megawatt Leistung ans Netz gehen.

"Großbritannien wird das Land Europas sein, das sich am meisten in der Entwicklung der Kernkraft engagiert." "Sie haben keine Wahl." Die Hälfte der Atom- und Kohlekraftwerke müsse ersetzt werden, das Nordseegas werde knapp und London wolle den CO2-Ausstoß drastisch verringern. "Großbritannien muss daher seinen AKW-Park mindestens verdoppeln", betonte Gadonneix. EDF werde außerdem Milliarden in die Atomkraft der Schlüsselländer USA, China und Südafrika investieren. Bis 2020 werde EDF weltweit mehr als zehn EPR errichten.

British Energy betreibt acht relativ alte Atomkraftwerke mit einer Leistung von 9500 Megawatt sowie mehrere konventionelle Kraftwerke. Damit ist BE der größte Stromproduzent Großbritanniens. EDF ist bisher mit EDF Energy zweitgrößter Stromverkäufer in Großbritannien und viertgrößter Produzent. Mit der BE-Übernahme steigt EDF klaren Marktführer auf. BE bietet den Franzosen dabei den großen Vorteil, Standorte für künftige AKW zu besitzen.

Allerdings nähern sich die Kraftwerke von British Energy dem Ende ihrer Laufzeit. Ohne den Neubau der EPR mit 60 Jahren Laufzeit würde der Marktanteil von BE binnen 15 Jahren von 19 auf 6 Prozent fallen. Den Abbau der alten Kraftwerke übernimmt die britische Regierung. 2002 drohte BE wegen fallender Strompreise bereits die Pleite, so dass der Staat einspringen musste.

British Energy kam im Geschäftsjahr 2007/08 (31. März) auf 2,81 Milliarden Pfund (3,6 Mrd Euro) Umsatz und einen Betriebsgewinn von 507 Millionen Pfund. Der Konzern hat 6000 Mitarbeiter. EDF hat in Frankreich fast ein Strommonopol und gehört in Deutschland (mit EnBW), Italien (Edison) und Belgien zu den Branchengrößten. 2007 kam EDF auf 59,6 Milliarden Euro Umsatz und 4,7 Milliarden Euro Überschuss. Der Konzern hat 159 000 Mitarbeiter und 38,5 Millionen Kunden.

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