Elektrogeräte: Wo es auch auf Gebrauchtes Garantie gibt

- Griesstätt - Wilhelm Stotzem hat es geschafft. Vor eineinhalb Jahren hat er seine Ich-AG gegründet, mittlerweile kann er seine fünfköpfige Familie vom Verkauf gebrauchter Haushaltsgeräte mit Garantie, von Trödel und Antiquitäten ernähren. Zwar hätte er im nächsten Jahr grundsätzlich noch einen Anspruch auf den Existenzgründerzuschuss, weil er knapp unter der Bemessungsgrenze von 25 000 Euro Jahresverdienst liegt, aber den Antrag will er nicht mehr stellen. "Ich brauche die Unterstützung nicht mehr", sagt der 41-Jährige. Zudem sei es günstiger, eine private Rentenversicherung abzuschließen.

Dass sein Konzept so erfolgreich sein würde, vermutet man nicht, wenn man den Ausstellungsraum - eine umgebaute Scheune in einem Seitenflügel des Klosters Altenhohenau bei Griesstätt - betritt. Denn er liegt idyllisch, aber abgeschieden. Dass Stotzem trotzdem zwischen 30 und 50 Elektrogeräte pro Monat verkauft, liegt an einer sehr gut durchdachten Strategie. "Ich habe selbst öfter gebrauchte Geräte gekauft und mich geärgert, dass man keine Garantie darauf bekommt", erzählt er. Und genau das war seine Geschäftsidee: Gebrauchte Elektrogeräte, von ihm kontrolliert und mit einjähriger Garantie versehen.<BR><BR>Da kommt ihm sein Maschinenbaustudium natürlich gelegen, außerdem hat er schon in einem Elektroladen mitgearbeitet. Um die Kosten möglichst gering zu halten, fing Stotzem ganz klein an, im Auto-Unterstand vor seiner Wohnungstür. Die Geräte stammen aus Haushaltsauflösungen, die meisten sind kostenlos. Er verteilte Zettel und schaltete von Anfang an jede Woche ein Zeitungsinserat. "Das sprach sich ziemlich schnell herum", sagt er.<BR><BR>Bald wurde der Unterstand zu klein und er mietete kostengünstig die Scheune an. Damals hatte sie weder Fenster noch eine Tür. "Das habe ich alles selbst gebaut." Mittlerweile stehen um die 130 Elektrogeräte in seinem Ausstellungsraum, manche davon sogar fast neu. Alle hat er genauestens inspiziert und für betriebsbereit erklärt. Beispielsweise bietet er einen fast neuen Elektroherd mit Ceranfeld für 120 Euro an. "Der hat sicher zwischen 500 und 600 Euro gekostet", sagt er. Dass man bei ihm ein Schnäppchen machen kann, hat sich offensichtlich weit verbreitet, denn seine Kunden kommen sogar aus München - es sind auch sehr gut situierte dabei. "Sie suchen meist ein Gerät für ihr Ferienhäuschen."<BR><BR>Wilhelm Stotzem denkt aber auch an die, die sehr wenig Geld haben und arbeitet mit dem Sozialamt in Rosenheim zusammen. "Die städtischen Mitarbeiter schicken ihre Kunden zu mir und ich lasse 15 Prozent auf den Kaufpreis nach." Auch mit der Caritas und dem Diakonischen Werk in Rosenheim steht er in Verbindung.<BR><BR>So gut alles läuft, der geschäftstüchtige Familienvater hat schon neue Pläne. "Der Kuhstall nebenan soll nächstes Jahr aufgelöst werden, den möchte ich dazumieten, dann kann ich noch mehr Geräte ausstellen." Außerdem möchte er einen Mitarbeiter einstellen. Und er hätte viel mehr Platz für das, woran er noch mehr Spaß hat als an seinen Elektrogeräten: Den Trödel und die Antiquitäten, die er bei Haushaltsauflösungen findet und ankauft. Für die wünscht er sich adäquaten Raum, zurzeit lagern sie gestapelt in einer Ecke und kommen nicht so richtig zur Geltung.<BR><BR>Bei all dem Erfolg, wie steht er zur Ich-AG? "Ich kann sie jedem empfehlen, der meint, dass er es schafft." Man müsse sich aber schon auf unregelmäßige und viele Arbeitsstunden gefasst machen. Gut findet er, dass die Anträge neuerdings einer Prüfung auf ihre Wirtschaftlichkeit unterzogen werden. "So kann man zum einen Missbrauch vermeiden, zum anderen aber auch, dass Leute, die all ihre Hoffnungen an das Projekt geknüpft haben, auf die Nase fallen." Und er hätte noch eine Bitte an die Politiker: "Jetzt, wo die Anträge geprüft werden, könnten den Gründern doch ein paar tausend Euro zinsloser Kredit eingeräumt werden."<BR><BR>

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