Elektroindustrie: Beschäftigung auf niedrigstem Stand seit 1959

- Frankfurt - Die deutsche Elektroindustrie hat ihre Wachstumsprognose deutlich von drei auf ein Prozent zurückgeschraubt. Hauptgründe dafür sind die hartnäckige Flaute im Inland, nachlassende Dynamik im Ausland und der anhaltende Preisverfall, so der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Bis Ende Mai ging die Zahl der in Deutschland Beschäftigten um weitere 7000 Mitarbeiter auf erstmals knapp unter 800 000 zurück. Weniger Menschen arbeiteten zuletzt 1959 in der zweitgrößten deutschen Industriebranche.Der Umsatz der Branche werde heuer nur leicht um ein Prozent auf knapp 165 Milliarden Euro zunehmen, sagte ZVEI-Hauptgeschäftsführer Gotthard Graß. Eine kurzfristige Trendwende sei trotz des Endes des Euro-Höhenflugs nicht in Sicht.Im Inland lagen die Aufträge von Januar bis Mai um fast zwei Prozent unter Vorjahresniveau. Belebung sei hier weder von den Investitionen noch vom Konsum zu erwarten. "Bei den Gebrauchsgütern konnte auch das erfolgreiche Geschäft mit Flachbildschirmen, digitalen Kameras oder MP3-Spielern nicht über die allgemeine Tristesse der Verbraucher, über Angstsparen und Geiz-ist-geil-Mentalität hinwegtäuschen", erklärte Graß.Etwas günstiger ist den Angabe zufolge das Bild erneut im Ausland, wo die Orders in den ersten fünf Monaten des Jahres um ein Prozent über dem hohen Vorjahresniveau lagen. Die weltweite Nachfrage nach deutscher Spitzentechnologie sei ungebrochen. Der Weltmarkt für die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie wachse nach wie vor kontinuierlich und werde sich innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln, sagte Graß. Immer mehr Unternehmen der Branche nutzten diese Chancen durch ein entsprechendes Engagement im Ausland. So seien inzwischen knapp 450 000 Mitarbeiter bei Unternehmen der deutschen Elektroindustrie im Ausland beschäftigt.Durch Initiativen zu einer investitionsorientierten Regulierung und zur Mobilisierung privaten Kapitals für diese Aufgaben will der ZVEI dazu beitragen, dass sich dieser Investitionsstau in den nächsten Jahren auflöst.

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