Elektroschrott: Gratis-Entsorgung wird für die Bürger doppelt teuer

- München - Kostenlos soll die Abgabe von Elektroschrott für die Bürger werden. So steht es im Elektro- und Elektronikgerätegesetz, kurz ElektroG, das ab 24. März alle Verbraucher betrifft. Doch es zeichnet sich ab, dass die Bürger nicht nur die Zeche zahlen werden. Auch Sortierung und Lauferei wird auf die Verbraucher abgewälzt.

Schon heute erlebt mancher, der etwa einen neuen Kühlschrank geliefert bekommt, sein blaues Wunder: Der Händler weigert sich, das Altgerät mitzunehmen. Das ElektroG gibt ihm Recht: Man muss es selbst zu einer Sammelstelle bringen.

Die dafür zuständigen Gemeinden oder Landkreise nehmen viele Elektrogeräte schon heute an und übernehmen auch die Verwertung. Diese Aufgabe müssen nun die Hersteller übernehmen. Trotzdem ist das Gesetz Anlass, an der Gebührenschraube zu drehen. Von 300 Millionen Euro Mehrkosten spricht Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes."Diese Kosten müssen dann die Gebührenzahler übernehmen." In der Praxis also: Mehr Geld für weniger Leistung.

Auch die Hersteller, deren Aufgabe die Verwertung oder Entsorgung ist, wollen nicht leer ausgehen: Von 350 bis 500 Millionen Euro Kosten sprechen ihre Verbände Bitkom und ZVEI - Millionen, die sich natürlich in den Preisen wiederfinden sollen. Dabei soll die Entsorgung nicht nur Kosten mit sich bringen. Der Verkauf noch brauchbarer Geräte (zum Beispiel ältere Computer) und die Gewinnung von Gold, Platin, Silber oder Stahl bringen auch Geld.

Doch nicht nur finanzielle Nachteile werden auf die Verbraucher abgewälzt. Diese müssen jetzt nicht mehr nur ihre alten Gefriertruhen verladen und abtransportieren. Auch Handys, Toaster und andere Kleingeräte, die bisher vielfach diskret in der Mülltonne entsorgt wurden, sind künftig bei den oft kilometerweit entfernten Sammelstellen abzugeben. Wird von der Gemeinde oder vom Landkreis bürgerfreundlicherweise ein Abholdienst organisiert, muss man dafür einen Extrapreis bezahlen.

Dabei ist es gar nicht so einfach festzustellen, was Elektronikschrott ist und was nicht. Ein Autoradio? Selbstverständlich, denkt der unbefangene Verbraucher. Falsch: Autoradios sind nach dem Gesetz Transportmittel und fallen unter die Altfahrzeug-Verordnung. Spielzeug dagegen ist Elektroschrott, wenn es zum Beispiel mit Batterien betrieben wird. Ein elektronisch brummender Teddybär wird dagegen niemals zum Elektroschrott, "weil Spielzeug "seine Primärfunktion ,Spielen’ behält, wenn es nicht elektrisch betrieben wird", schreibt das Bundesumweltministerium.

Ähnlich schwer nachvollziehbar ist es bei allem, was leuchtet: In einer Abhandlung über Beleuchtungskörper, Leuchten und Lampen wird, was jeden betrifft, als Ausnahme behandelt: Glühlampen. Ab in die Tonne. Bei Leuchtstoffröhren dagegen kommt es auf den Einsatzort an. Im Gewerbe: Elektroschrott, daheim: Müll. Wobei "haushaltsübliche Mengen" in "einem Kleinunternehmen" ebenfalls in die Tonne dürfen. Energiesparlampen dagegen - auch im Haushalt - sind "Kompaktleuchtstofflampen" und müssen, wenn sie nicht mehr brennen, - energiesparend versteht sich - zur Abgabestelle gebracht werden.

Auch die Sonne scheint nicht für alle gleich: Solaruhren, -taschenrechner oder -radios sind Elektroschrott und müssen in die Sammelstelle, die Solaranlage auf dem Dach fällt dagegen nicht unters neue Gesetz.

Immerhin dürfen CDs und CD-ROMs, die heute vielen Zeitschriften beiliegen, in die Tonne. Auch Kredit- und Telefonkarten enden trotz eingebauter Chips als Müll.

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