Elon Musk: Der Tesla-Chef hält Öffentlichkeitsarbeit für überbewertet.
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Elon Musk: Der Tesla-Chef hält Öffentlichkeitsarbeit für überbewertet.

Radikaler Schnitt

Tesla: E-Auto-Pionier schafft wichtige Abteilung komplett ab – als erster Autobauer weltweit

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Öffentlichkeitsarbeit gilt bei vielen Autobauern als zentrale Aufgabe. Doch Tesla-Boss Elon Musk legt PR-technisch eine Vollbremsung hin. In der Branche sorgt das für Aufsehen.

  • Tesla-Chef Elon Musk bricht gerne mit Tabus.
  • Jetzt hat sich der Multi-Unternehmer die eigene PR-Abteilung vorgeknöpft - und sie direkt rasiert.
  • Beobachter verfolgen das Experiment mit Spannung und Grausen.

München - Wenn Elon Musk mit der Leistung seiner Mitarbeiter unzufrieden ist, greift der Multi-Unternehmer knallhart durch. Berühmt-berüchtigt ist etwa, wie Musk 2014 mit seiner Assistentin Mary Beth Brown umsprang. Als Brown nach zwölf Jahren Zusammenarbeit um eine Gehaltserhöhung bat, forderte der Tesla-Boss sie ansatzlos auf, sich zwei Wochen freizunehmen. In dieser Zeit wolle er schauen, ob er ihre Aufgaben übernehmen könne, ließ Musk seine Assistentin damals wissen. Zwei Wochen später eröffnete Musk ihr dann, dass er sie nicht mehr brauche.

Brown ist längst kein Einzelfall. Immer wieder setzte Musk Mitarbeiter über Nacht vor die Tür. Im Juni 2018 etwa feuerte der studierte Physiker binnen weniger Stunden gleich mehrere Ingenieure seines Raumfahrt-Unternehmens SpaceX, weil ihm die Hightech-Schrauber zu langsam waren.  

Jetzt hat der Bannstrahl des Multi-Unternehmers gleich eine ganze Abteilung erwischt. Musk, berichtet die US-Seite Electrek, habe kurzerhand das gesamte PR-Department des E-Autobauers aufgelöst. „Wir haben kein PR-Team mehr“, zitiert Electrek-Chef Fred Lambert einen ranghohen Tesla-Mitarbeiter. Damit wären die Kalifornier der erste Autobauer der Welt, der sich keine eigene Public-Relations-Abteilung mehr leistet.

Tesla: Abschaffung der PR-Abteilung sorgt in der Branche für Erstaunen

In der Branche sorgt der Schritt für Erstaunen. Wettbewerber wie Mercedes-Benz, BMW oder Volkswagen unterhalten ganze Hundertschaften, um gutes Wetter für ihre Marken zu machen. Die teils hochqualifizierten Kommunikatoren kümmern sich um Fahrvorstellungen, Testwagen für Autoredaktionen oder erklären die Vorzüge neuer Motoren-Generationen. Bei den Kaliforniern macht das nun keiner mehr.

Kann Tesla sich das leisten? Musk glaubt das offenbar. Immerhin hat derzeit wohl kaum ein anderer Automobil-Hersteller so viel Medienpräsenz wie der E-Autopionier. Die Entscheidung könnte auch damit zusammenhängen, dass Musk sich in der Presse zuletzt mehrfach ungerecht behandelt fühlte.

Nun behaupten böse Zungen, Tesla habe ja auch mit existierender PR-Abteilung keine Pressearbeit gemacht. Tatsächlich hat etwa der Autor dieses Berichts mehrfach Anfragen an die Pressestelle der Kalifornier gerichtet, aber bis heute weder eine Telefon-Nummer eines Ansprechpartners noch eine Antwort auf E-Mails erhalten. Auch andere Journalisten hatten sich in der Vergangenheit teils harsch über fehlende Rückmeldung auf Presse-Anfragen beklagt.

Tesla: Infos gibt es künftig vor allem über den Twitter-Kanal von Elon Musk

Künftig dürfte Teslas PR damit vor allem aus jenen Kurznachrichten bestehen, die Musk über seinen Twitter-Account verschickt. Allzu viel Hoffnung auf eine Rückmeldung sollten sich Journalisten aber nicht machen. Die Wahrscheinlichkeit, schreibt Electrek-Chef Fred Lambert, dass Musk auf eine Presse-Anfrage über Twitter antworte, liege „unter einem Prozent“.

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