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Elon Musk bläst Kauf von Twitter ab - Kurznachrichtendienst will gegen ihn klagen

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Von: Christoph Gschoßmann

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Elon Musk und seine Übernahme von Twitter: Lange war es eine Hängepartie, nun stellt er klar, dass er aus dem Milliarden-Deal heraus will. Twitter kündigt eine Klage an.

München - Das Hin und Her hat wohl ein Ende: Elon Musk will Twitter doch nicht kaufen. Es ist eine dramatische Wendung in einem seit Monaten andauernden Übernahme-Krimi: Der High-Tech-Milliardär Elon Musk hat die Kaufvereinbarung mit dem Kurzbotschaftendienst platzen lassen. In einem am Freitag von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Schreiben werfen Musks Anwälte Twitter vor, gegen die im April besiegelte Übernahmevereinbarung verstoßen und „falsche und irreführende“ Angaben gemacht zu haben.

Die Online-Plattform habe dem Gründer des Elektroautobauers Tesla und reichsten Menschen der Welt nicht alle angeforderten Informationen zu Spam- oder Fake-Konten bei Twitter übergeben, schreiben die Anwälte weiter. Musk mache deswegen von seinem Recht Gebrauch, die 44 Milliarden Dollar schwere Abmachung zu „kündigen“ und das Kaufvorhaben „aufzugeben“. Musks auf 220 Milliarden Dollar geschätzter Besitz besteht hauptsächlich aus Aktien. Um Geld flüssig zu machen, trennte er sich zum Teil von Anteilsscheinen. Auch wollte er Kredite aufnehmen und andere Geldgebern ins Boot holen.

Twitter will gegen Elon Musk vor Gericht ziehen

Twitter will gegen diesen Schritt rechtlich vorgehen. Die Twitter-Führung kündigte umgehend an, vor Gericht ziehen und Musk mit juristischen Mitteln zu einem Vollzug des Kaufs zwingen zu wollen. Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor erklärte, das Unternehmen wolle „die Transaktion zu dem Preis und zu den Bedingungen, die mit Herrn Musk vereinbart wurden, abschließen“. Taylor zeigte sich „zuversichtlich“, vor Gericht zu gewinnen.

Die zwischen beiden Seiten getroffene Vereinbarung sieht eine Vertragsstrafe von bis zu einer Milliarde Dollar vor, wenn sich eine Partei zurückzieht. Es könnte sich ein langwieriger Rechtsstreit entwickeln. Musk und Twitter hatten sich im April auf eine Übernahme der Online-Plattform durch den ebenso gefeierten wie umstrittenen Unternehmer für 44 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) geeinigt. Twitter-Aktionäre sollten 54,20 Dollar pro Aktie erhalten - ein Preis, der weit über dem derzeitigen Wert liegt.

Zuletzt gab es aber Streit über die Zahl von Spam- oder Fake-Konten bei dem einflussreichen, aber um mehr Profitabilität kämpfenden Kurzbotschaftendienst. Twitter hat wiederholt beteuert, die Zahl solcher Konten liege bei unter fünf Prozent. SpaceX-Gründer Musk und sein Team halten diese Angaben aber für falsch.

Twitter und Tesla verlieren Wert an der Börse

Zuletzt hatten Beobachter gerätselt, ob Musk das Kaufvorhaben wirklich aufgeben könnte - oder nur den Preis für eine Übernahme drücken will. Seit April haben die Twitter-Aktien mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Die Aktien des von Musk gegründeten und geführten Elektroautobauers Tesla haben derweil knapp ein Viertel an Wert verloren.

Der Analyst Dan Ives schrieb nun auf Twitter, Musks Plan, den Kurzbotschaftendienst für 44 Milliarden Dollar zu kaufen, sei von Anfang an rätselhaft gewesen und habe für die Wall Street „nie viel Sinn ergeben“. Die Twitter-Kaufpläne hätten sich zudem negativ auf die Tesla-Aktien ausgewirkt. Analysten hatten befürchtet, der als Exzentriker bekannte Musk könnte sich zu sehr mit Twitter und deswegen nicht ausreichend mit Tesla beschäftigen.

Musk betonte wiederholt, es gehe ihm dabei nicht um Geld, sondern vor allem darum, die Redefreiheit auf der Plattform zu stärken. So sagte Musk, er würde den von Twitter verbannten ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder zurück auf die Plattform lassen.

„Das ist ein Katastrophenszenario für Twitter“

Jetzt werde eine Gerichtsschlacht vergleichbar mit „Game of Thrones“ folgen, schrieb Ives weiter. „Das ist ein Katastrophenszenario für Twitter und seinen Verwaltungsrat, weil das Unternehmen jetzt in einer langen Gerichtsschlacht gegen Musk kämpfen wird, um den Deal zu retten und/oder wenigstens die Auflösungsgebühr von einer Milliarde Dollar zu bekommen.“

„Musk hat eine Vereinbarung unterzeichnet und ist durch sie immer noch rechtlich gebunden“, betonte die Jura-Professorin Ann Lipton. Die Analystin Carolina Milanesi erklärte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, für Twitter wäre es jetzt „das Schlimmste“, die Übernahmevereinbarung gegen Musks Willen durchzudrücken. „Sie würden sich mit einem Besitzer wiederfinden, der das Unternehmen nicht will, und mit viel Groll.“ (cg mit afp und dpa)

Vor kurzem war eine Übernahme noch denkbar. Zuletzt drohte Elon Musk seinen möglichen Twitter-Mitarbeitern mit Entlassung - und schlug neue Funktionen vor.

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