Was Eltern zahlen müssen

Zirka 120 000 Euro kostet es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, ein Kind großzuziehen. Doch auch über die Volljährigkeit hinaus sind Eltern verpflichtet, Unterhalt zu zahlen – solange sich ihre Sprösslinge noch in der Ausbildung befinden.

Das Lachen eines Kindes ist mit Geld nicht zu bezahlen – Kleidung, Spielzeug und Nahrungsmittel schon. 550 Euro müssen Eltern durchschnittlich im Monat pro Sprössling einkalkulieren, schätzt das Statistische Bundesamt. Bis der Nachwuchs volljährig ist, kommen so zirka 120 000 Euro zusammen. Doch dieser Betrag ist unter Umständen sogar noch zu niedrig angesetzt, wenn sich ein Kind beispielsweise entscheidet zu studieren. Wir fassen zusammen, wie viel und wie lange Eltern für die Ausbildung ihres Nachwuchses zahlen müssen und was es sonst noch zu beachten gibt.

Bar- und Betreuungsunterhalt

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen dem Barunterhalt auf der einen und dem Betreuungsunterhalt auf der anderen Seite. „Wenn Kinder bei Mutter und Vater leben, wird die Unterhaltspflicht dadurch erfüllt, dass die Eltern Wohnung, Kleidung, Nahrung und auch Zuwendung leisten“, erklärt Stefan Heilmann, Sprecher des Bayerischen Justizministeriums, den Betreuungsunterhalt. „Wenn mindestens ein Elternteil nicht mit dem Kind zusammenwohnt, hat das Kind Anspruch auf Barunterhalt, also Geldleistungen.“ Generell gilt, dass mit der Volljährigkeit ihres Sprösslings beide Elternteile anteilig für den Barunterhalt ihres Nachwuchses aufkommen müssen. Freie Kost und Logis stellen dann keinen Ersatz mehr für die fälligen Unterhaltszahlungen dar, wenn das mit dem Nachwuchs nicht ausdrücklich anders vereinbart wurde.

Düsseldorfer Tabelle

Auf wie viel Geld ein erwachsenes Kind Anspruch hat, darüber gibt die sogenannte Düsseldorfer Tabelle Auskunft. Sie regelt nicht nur, wie viel Barunterhalt minderjährigen Kindern im Scheidungsfall zusteht. Sie stellt auch Empfehlungen darüber aus, was erwachsene Kinder bekommen sollten, die sich noch in der Ausbildung befinden. Der Betrag hängt von der Höhe des Einkommens der Eltern ab. Verdienen diese netto zwischen 2701 und 3100 Euro, stehen dem Kind beispielsweise 586 Euro zu. Leben die volljährigen Kinder in einer eigenen Wohnung, wird in den Anmerkungen der Tabelle derzeit ein Unterhaltssatz von 640 Euro empfohlen. „Die Tabelle hat zwar keine Gesetzeskraft, dient Gerichten in ganz Deutschland aber als Entscheidungsgrundlage“, weiß Heilmann.

Dauer der Zahlungspflicht

„Die Zahlungspflicht der Eltern gilt im Normalfall für die Erstausbildung der Kinder beziehungsweise für die Regelstudienzeit“, erklärt Heilmann. Ob die Eltern mit dem Berufswunsch ihrer Kinder einverstanden sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. „Das Kind ist nicht an die Berufsvorstellungen der Eltern gebunden“, stellt der Experte klar. Natürlich gebe es aber auch Grenzen: „Der Berufswunsch darf nicht objektiv völlig unvernünftig sein, also zum Beispiel, wenn das Kind gar nicht die notwendigen geistigen oder körperlichen Voraussetzungen zur Ausübung des Berufs mitbringt.“

Eigenbedarf der Eltern

Generell sind Eltern Heilmann zufolge dazu verpflichtet, alles Zumutbare zu unternehmen, um möglichst viel Unterhalt zu leisten, damit das Kind seine Ausbildung absolvieren kann. „Aber natürlich dürfen sie einen Mindestsatz ihres Einkommens auf jeden Fall behalten, um ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können“, betont der Pressesprecher. Nach Empfehlung der Düsseldorfer Tabelle beträgt der notwendige Eigenbedarf bei nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen, deren Kinder das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, unverheiratet sind und sich noch in der allgemeinen Schulausbildung befinden, derzeit 770 Euro. Bei erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen sind es 900 Euro. „Sind die Kinder über 21 Jahre alt und befinden sie sich in einer Lehre oder in einem Studium, sind die Sätze höher“, weiß Heilmann. „Man spricht dann von einem angemessenen Eigenbedarf, der nur im Einzelfall ermittelt werden kann.“

Kindergeld und Ausbildungsgehalt

Das Kindergeld wird auf die in der Düsseldorfer Tabelle vorgeschlagenen Sätze angerechnet. Dasselbe gilt für das Gehalt, das ein Kind im Rahmen seiner Lehre verdient. Da der Gesetzgeber von einem sogenannten ausbildungsbedingten Mehrbedarf ausgeht, wird der Lohn vor seiner Anrechnung um 90 Euro gekürzt.

Rechte der Kinder im Streitfall

Lehnen die Eltern die Unterhaltszahlungen ab, können Kinder klagen. „Hierfür sind die Familiengerichte zuständig“, weiß Heilmann. „Selbst Klage erheben können Kinder allerdings erst, wenn sie erwachsen sind. Davor müssen sie sich vertreten lassen, weil sie noch nicht prozessfähig sind.“

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