Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten

Berlin - Die Bundesregierung feiert das Elterngeld als Erfolg. Doch viel Mütter und Väter sind enttäuscht: Der staatliche Zuschuss fällt oft knapper aus als erhofft.

Das im vergangenen Jahr eingeführte Elterngeld hat nach Ansicht der Bundesregierung die Erwartungen übertroffen. Dazu zählt vor allem die zunehmende Beteiligung der Väter an der Betreuung ihres Neugeborenen. Hatten vor Einführung des Elterngelds am 1. Januar 2007 nur 3,5 Prozent der Väter Elternzeit genommen, lag im ersten Quartal 2007 die Zahl der bewilligten Elterngeldanträge von Vätern schon bei 16 Prozent, mit steigender Tendenz. Dahinter „versteckt sich eine leise Revolution“, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Fast alle frisch gebackenen Eltern beantragten das Erziehungsgeld, über 90 Prozent fänden es hilfreich.

Doch nach Erkenntnissen der Stiftung Warentest ist nicht alles eitel Sonnenschein. Viele Väter und Mütter bekommen demnach weit weniger als 67 Prozent des Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate, anderen droht unter Umständen eine Steuernachzahlung und viele sind wegen der Bestimmungen einfach nur verwirrt.

Wir erklären, was Eltern beachten müssen:

Ermittlung der relevanten Kalendermonate

Zum relevanten Einkommen, an dem das Elterngeld ausgerichtet wird, zählen nur die letzten 12 Monate vor der Geburt des Kindes. Kommt es zum Beispiel am 31. November 2008 zur Welt, zählen die Einkommen der Monate November 2007 bis Oktober 2008 – nicht aber der November 2008.

Berechnung des relevanten Einkommens

Die Elterngeldstellen „bereinigen“ das Einkommen der Antragsteller. Alle Einmalzahlungen, wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Prämien, 13. Monatsgehalt und Abfindungen ziehen die Behörden vom Bruttoeinkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt ab. Ebenso steuerfreie Einnahmen wie Trinkgelder. Besonders ärgerlich kann das der Stiftung Warentest zufolge für Selbstständige sein: Hat etwa eine Grafikerin vor der Geburt einen Auftrag abgeschlossen, bekommt das Honorar aber erst nach der Geburt ausbezahlt, zählt es nicht zum „bereinigten“ Einkommen, wird aber nach der Geburt aufs Elterngeld angerechnet, sodass die Frau noch weniger bekommt.

Mindestbetrag und Höchstbetrag

Elterngeld bekommen alle Eltern. Auch Beamte, Selbstständige und Erwerbslose haben darauf Anspruch. Sie bekommen mindestens einen Sockelbetrag in Höhe von 300 Euro, maximal werden 1800 Euro gezahlt.

Anwendung der Geringverdienerkomponente

Beträgt das ermittelte Einkommen vor der Geburt weniger als 1000 Euro, greift die Geringverdienerkomponente, wonach die üblichen 67 Prozent einem bestimmten Schlüssel zufolge aufgestockt werden.

Ermittlung des Geschwisterbonusses

Um Eltern mit älteren Kindern (mindestens 1 Kind unter 3 Jahren oder 2 Kinder unter 6 Jahren) nicht zu benachteiligen, bekommen diese Eltern einen Geschwisterbonus in Höhe von 10 Prozent. Somit beträgt der Prozentsatz bei Familien mit älteren Kindern nicht 67 sondern 73,7 Prozent. Der Geschwisterbonus liegt bei mindestens 75 Euro. -Erwerbstätigkeit nach der Geburt Gleichzeitig Elterngeld beziehen und arbeiten geht, aber im Monats-Durchschnitt dürfen es nur 30 Wochenstunden sein.

Ermittlung des Bonusses bei Mehrlingsgeburten

Für Mehrlinge gibt es zusätzlich 300 Euro je Mehrling Extra-Elterngeld. Eine Familie mit Zwillingen kann so maximal 2100 Euro Elterngeld pro Monat bekommen.

Anrechnung anderer Leistungen

Das Elterngeld vermindert sich um die sogenannten anzurechnenden Leistungen, wie beispielsweise Mutterschaftsgeld. Ein Beispiel: Der Elterngeld-Anspruch beträgt 900 Euro. Im ersten Lebensmonat bekommt der Antragsteller 1200 Euro Mutterschaftsgeld. Das Mutterschaftsgeld wird auf das Elterngeld angerechnet. Es werden daher 0 Euro Elterngeld ausgezahlt.

Es drohen Steuernachzahlungen

Das Elterngeld selbst ist steuerfrei. Doch das Finanzamt zählt diesen Zuschuss als Lohnersatzleistung beim Familieneinkommen mit, erklärt die Stiftung Warentest. Bei Ehepaaren erhöht sich dadurch der Steuersatz des Partners, der berufstätig ist – vielen drohe daher eine Steuernachzahlung.

sba/dpa

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