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Das Fußball-Fan-Fieber nutzen viele Finanzinstitute für spezielle Geldanlage-Produkte zur EM 2012. Dicke Gewinne sind für den Verbraucher in aller Regel nicht damit zu machen.

EM-Offerten wenig meisterlich

München - Eigentor statt Rendite-Volltreffer – zur Fußball-EM locken Anlageprodukte für Fans. Ob Bonuszinsen fürs Finale oder eine Schalke-Anleihe, Verbraucherschützer warnen: „Finger weg!“

Geldmeisterkonto, Zins-Bonus fürs Finale oder Sportzertifikat – pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft locken Banken und Finanzinstitute wieder mit kreativen Geldanlagen. Je besser die Nationalelf von Joachim Löw spielt, desto mehr soll angeblich die Kasse der Fans klingeln. Mal winken doppelte Zinsen beim Titelgewinn, mal 200 Euro Prämie. Wer der Nationalelf nicht viel zutraut, kann sich ein Bonus-Zertifikat auf Adidas ins Depot legen, die neue Anleihe des FC Schalke 04 kaufen oder via Zertifikat auf Turnier-Außenseiter wie Griechenland setzen. Sollten die Hellenen ihren EM-Triumph von 2004 wiederholen, liegen die Gewinnchancen bei über 5200 Prozent.

Klingt alles verlockend. Doch Aktionärs- und Verbraucherschützer raten dazu, den Ball schön flach zu halten, was die vermeintlich lukrativen Anlagen mit Fußballbezug angeht. „Vorsicht, die meisten EM-Angebote sind reines Glücksspiel, zum Vermögensaufbau völlig ungeeignet“, mahnt der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Wer auf den Finanzkick fürs eigene Konto hofft, riskiere oft den Totalverlust und schieße schnell ein Eigentor. „Da wird so mancher doppelt Pech haben: Mannschaft rausgeflogen und noch Geld verloren“, ist Tüngler überzeugt.

„Eine Investition danach auszurichten, ob die Deutschen oder andere Teams Tore schießen, macht das Konto ganz sicher nicht voller“, warnt auch Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für eingefleischte Fans sei eine EM-Finanzwette womöglich reizvoll. Dicke Gewinne seien jedoch nicht zu erzielen. „Wer garantiert Kasse macht, sind allein die Finanzinstitute“, sagt Tüngler. „Da wird mit der Euphorie Geschäft gemacht“, betont auch Max Herbst vom unabhängigen Finanzdienstleister FMH.

Hinter Offerten wie dem Geldmeister- oder EM-Fan-Konto steckt in der Regel ein simpler Mix aus Festgeld- oder Tagesgeld-Anlage und einer Wette auf ein wenig Extra-Zinsen bei gutem Abschneiden des deutschen Teams.

Ein Beispiel: Beim EM-Angebot der Volksbank Reutlingen legt der Fan sein Geld für stolze 18 Monate fest. Garantiert wird zunächst eine Grundverzinsung von 0,75 Prozent pro Jahr. Kommt Deutschland ins Halbfinale, gibt es einen Zinsbonus von 0,40 Prozent obendrauf, fürs Finale 0,60 Prozent, für den Titel ein ganzes Prozent. Das erfolgsabhängige Plus gibt es allerdings nur für magere drei Monate. Außerdem müssen die Anleger mindestens 2500 Euro investieren.

Wenig meisterlich wie viele andere EM-Offerten auch, winkt Oelmann ab: „Im Vergleich zum Marktniveau absolut unterdurchschnittlich.“ Bei normalen Angeboten sei deutlich mehr Zins zu holen – auch ohne dass die Nationalelf nur ein einziges Tor schießen muss. Wenigstens gibt es bei solchen EM-Tages- oder Festgeldanlagen kein Verlustrisiko.

Das sieht ganz anders aus, wenn der fußballbegeisterte Anleger in komplizierte Produkte investieren soll, zum Beispiel in Zertifikate mit EM-Komponente oder Fußballanleihen. „Das ist riskant bis hin zum Totalverlust“, warnt DSW-Fachmann Tüngler. Da könne es sinnvoller sein, sich eine Einzelaktie aus der Sportwirtschaft ins Depot zu legen. Da hängt der Erfolg des Investments vor allem von der Entwicklung des Unternehmens sowie der Börse ab, nicht vom EM-Geschehen auf dem Rasen. „Bei der Fuballaktie von Borussia Dortmund wäre ich auch vorsichtig, das ist hochriskant“, betont Tüngler. Gleiches gelte für ein Investment in die neue Anleihe des Fußballvereins Schalke 04, die vor der EM auf den Markt kam.

„Es ist grundsätzlich nicht ratsam, die Geldanlage mit Sportereignissen oder dem Erfolg einer Mannschaft oder eines Vereins zu koppeln“, mahnt Herbst. Das gilt auch für Sportzertifikate, die etwa über die Berliner Börse gehandelt werden. Damit können Fans auf jedes der 16 EM-Teams wetten. Das Papier auf den Top-Favoriten Spanien kostet beispielsweise 33,33 Euro. Verteidigen die Iberer ihren Titel, bekommen Anleger Mitte Juli 100 Euro zurück. So enorm die Gewinne sein können, so verheerend kann der Anleger ins Minus rutschen: Scheidet seine Elf vorzeitig aus, ist sein Geld weg.

Wer gern auf Erfolg oder Misserfolg von EM-Teams wettet, sollte das eher im Freundes- und Bekanntenkreis tun, rät Oelmann. Oder gleich im Wettbüro.

Von Berrit Gräber

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