E-Mail in Gefahr: Wettlauf gegen den virtuellen Werbe-Müll

- Gewinnbotschaften, Angebote für Billig-Kredite und Liebesgrüße von Unbekannten - die Flut an unerwünschten E-Mails wächst stetig. Rund 500 Millionen so genannte Spam-Mails (englisch: Dosenfleisch) landen jede Woche in den virtuellen Postfächern der Deutschen. Die Werbe-Botschaften blockieren Leitungen und belegen wertvollen Speicherplatz. Die deutsche Internet-Industrie sagt der lästigen Post jetzt den Kampf an.

<P>"Es gilt, das Kommunikationsmedium E-Mail zu retten", sagt Sven Karge vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) und verantwortlich für die neue Anti-Spam-Arbeitsgruppe. Ziel ist, mit den Service-Anbietern im Internet ein gemeinsames Vorgehen festzulegen. Nimmt die Werbeflut Überhand, wird niemand mehr E-Mails verschicken. Bereits heute "liegt der Anteil der unerwünschten Werbung bei über 50 % aller E-Mails überhaupt", sagt eco-Geschäftsführer Harald Summa.</P><P>Der Werbe-Müll ist allerdings nicht nur nervig, sondern auch oft gefährlich: Die meisten Spam-Mails enthalten Links zu teueren Sexseiten oder einen so genannten 0190-Dialer, der sich selbstständig installiert und über den der Empfänger dann zu völlig überhöhten Gebühren im Internet surft.</P><P>In einer Yahoo-Untersuchung räumte die Mehrheit der E-Mail-Nutzer ein, sich immer wieder durch Werbe-Mails täuschen zu lassen. Viele fühlten sich auch hilflos gegenüber der Werbeflut. Denn die Absender der Massensendungen verschleiern ihre wahre Identität. Indem sie die Mails über mehrere Zwischenstationen schicken, sind sie quasi nicht aufzuspüren.</P><P>Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich die unliebsame Post vom Hals zu halten: "Rund 90 % der Spam-Mails lassen sich mit technischen Filtern blocken", schätzt Karge. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von schwarzen Listen bekannter Spam-Versender, deren Werbe-Post erst gar nicht ins Netz gelassen wird, bis hin zu Filtern, die unerwünschte Mails anhand von Stichwörtern aussortieren.</P><P>Es ist jedoch äußerst schwierig zu entscheiden, was gewünschte oder ungewünschte Post ist. Denn hinter der Betreffzeile "Herzlichen Glückwunsch" können sich ominöse Botschaften ebenso wie persönliche Geburtstagsgrüße verstecken. "Einen 100-prozentigen Schutz wird es nie geben", so Karge. Um das Problem zu minimieren, verschieben einige E-Mail-Dienste verdächtige Nachrichten in ein eigenes Postfach. "Der Nutzer entscheidet dann, ob er sie löscht oder speichert."</P><P>Doch die Arbeitsgruppe will nicht nur bei den Nutzern ansetzen. Auch die Betreiber von Netzinfrastrukturen sollen ihre Systeme besser überwachen. Immer noch stehen viele Mailserver ungesichert im Netz und können leicht von Spam-Versendern missbraucht werden.</P><P>Gleichzeitig fordert eco eine Verschärfung der Gesetze, ohne sich allerdings allzu viel davon zu erwarten. Die meisten Spam-Mails stammen aus den USA - nationale Gesetze können dagegen wenig ausrichten. "Bereits jetzt ist das Versenden von E-Mail-Werbung eine unzulässige Belästigung", erklärt Marie-Luise Dittmar, Sprecherin im Bundesverbraucherministerium. Zwar würden im Zuge der Reform des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb die Regelungen noch verschärft. Das Problem sei jedoch nicht die fehlende Rechtsgrundlage, sondern "eine klagefähige Adresse", so Dittmar.</P><P>Trotz Gegenmaßnahmen rechnet Karge zunächst mit steigenden Spam-Zahlen. Schließlich würden auch die Versender der Werbebotschaften ihre Methoden weiterentwickeln. "Es ist ein ständiger Wettlauf - wie bei Computerviren."<BR><BR></P>

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