EM.TV muss erstmals Schadenersatz zahlen

- München (ap) - Erstmals hat ein EM.TV-Aktionär erfolgreich eine Schadenersatzklage gegen das Unternehmen wegen falscher Ad-hoc-Mitteilungen im Jahr 2000 durchgesetzt. Wie EM.TV mitteilte, sprach das Oberlandesgericht München dem Kläger rund 10 000 Euro zu. Der Aktionär habe nachweisen können, dass er damals Aktien in entsprechendem Wert auf Grund einer falschen Ad-hoc-Mitteilung gekauft habe. Das OLG folgte damit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs, der vergangenen Juli zahlreiche anders lautende Urteile des Münchner Gerichts aufgehoben hatte.

EM.TV kündigte an, nun seinerseits den damaligen Vorstand um die Brüder Thomas und Florian Haffa in Höhe der eingeklagten Summe belangen zu wollen. Das Unternehmen betonte zugleich, der Kläger habe mit dem Urteil nur einen Teilerfolg errungen. Für ein weiteres Aktienpaket in Höhe von rund 10 000 Euro habe das OLG die Schadenersatzklage zurückgewiesen. Insgesamt sind nach Angaben des Unternehmens gegen EM.TV 165 Schadenersatzklagen eingereicht worden.

In rund 60 rechtskräftigen Urteilen sei EM.TV als Sieger hervorgegangen, etwa 15 Klagen seien zurückgezogen worden. Der Rest der Verfahren sei offen. Das Unternehmen zeigte sich gelassen, da die Rechtsprechung noch immer sehr hohe Anforderungen an einen beweiskräftigen Nachweis stelle, dass eine bestimmte Ad-hoc-Mitteilung der entscheidende Auslöser für den Aktienkauf gewesen sei.

EM.TV gehörte vor dem Absturz der Aktie zu den Börsenstars am Neuen Markt. Die Brüder Haffa wurden nach dem Zusammenbruch des Börsensegments vom Landgericht München im April 2003 wegen falscher Ad-hoc-Mitteilungen zu hohen Geldstrafen verurteilt: Thomas Haffa musste 1,2 Millionen Euro zahlen, Florian Haffa 240 000 Euro. Neben den Schadenersatzklagen gegen EM.TV, stellten Aktionäre weitere gegen die beiden Brüder direkt.

Das Oberlandesgericht München hatte nach dem EM.TV-Debakel zunächst alle Aktionärsklagen als unbegründet abgewiesen. Im Juli vergangenen Jahres hob der BGH jedoch mehr als 40 OLG-Urteile in allen wesentlichen Punkten auf und verwies die Fälle zurück.

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