+
Mit der Übernahme des insolventen Windkraftunternehmens Prokon will EnBW in Richtung Erneuerbare Energien neu ausrichten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv

EnBW: Prokon-Kauf wäre Riesenschritt hin zur Energiewende

Ein Kauf der insolventen Windfirma Prokon wäre für die EnBW ein Riesenschritt auf dem Weg zur Energiewende. Konzernchef Mastiaux rührt kräftig die Werbetrommel und hofft, dass ihm die Gläubiger nicht doch noch in die Suppe spucken.

Karlsruhe (dpa) - Der Energieversorger EnBW will die insolvente Windenergie-Firma Prokon übernehmen und damit seine Ziele bei der Energiewende schneller erreichen oder sogar übertreffen.

Der Ausbau Erneuerbarer Energien würde dadurch erheblich beschleunigt, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux. "Wir ziehen damit den Hochlauf unserer geplanten Investitionen deutlich nach vorne", ergänzte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Der Karlsruher Konzern und Prokon mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) hätten zusätzlich zu ihren schon gebauten Anlagen Windprojekte mit einer Leistung von zusammen rund 5000 Megawatt in der Pipeline, betonte Mastiaux. Möglichst viele davon sollten realisiert werden.

In Erneuerbare Energien will EnBW bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro stecken und damit pro Jahr ein operatives Ergebnis von rund 700 Millionen Euro erwirtschaften - etwa dreimal soviel wie derzeit.

Mastiaux warb intensiv für die rund 500 Millionen Euro teure Offerte an die Prokon-Gläubiger und Inhaber von Genussscheinen. Mit einem Kauf werde die Windenergie-Firma auf eine gesunde Kapitalbasis gestellt: "Wir haben den strategischen Willen und die Kapitalkraft", sagte der EnBW-Chef. "Die Stärken der beiden Unternehmen ergänzen sich perfekt." Gemeinsam könne so ein "neuer, äußerst wettbewerbsfähiger Anbieter im europäischen Windmarkt entstehen". EnBW betreibt an Land derzeit Windkraftanlagen mit einer Leistung von 200 Megawatt; Prokon besitzt Anlagen mit mehr als 500 Megawatt Leistung.

Den Prokon-Beschäftigten werde dabei eine Perspektive mit guten Wachstumsmöglichkeiten geboten, sagte Mastiaux weiter. Alle rund 300 Mitarbeiter des Kerngeschäfts würden übernommen. Die Randaktivitäten von Prokon wie Holzverarbeitung oder Biomasse seien aber nicht Teil des angestrebten Deals und würden von der Insolvenzverwaltung in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. "Für uns ist nur die Windkraft interessant." Die mittelständische, schlagkräftige Struktur von Prokon solle erhalten bleiben.

Ob Prokon unter eigenem Namen bestehen bleiben oder vollständig in der EnBW als Marke aufgehen würde, ließ Mastiaux offen. "Dafür ist es viel zu früh", sagte er. Erst eine Gläubigerversammlung Anfang Juli stimmt darüber ab, ob das Itzehoer Unternehmen in eine Genossenschaft mit vielen Anteilseignern umgewandelt oder gänzlich veräußert wird.

Der drittgrößte deutsche Energieversorger hatte seine Kaufabsichten am Dienstag offiziell bestätigt und mitgeteilt, ein verbindliches Angebot für sämtliche Prokon-Anteile eingereicht zu haben. Das Geld soll bar an die Gläubiger und die Inhaber von Genussscheinen fließen. Das Angebot wird noch am Mittwoch notariell beurkundet und ist nicht verhandelbar.

Prokon zu Insolvenzverfahren

Mitteilung Capital Stage

Mitteilung des Insolvenzverwalters

website Prokon

Übersicht der Prokon-Windparks

Windenergie der EnBW

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Audi-Chef Stadler bleibt vorerst im Gefängnis
Audi-Chef Rupert Stadler hat Beschwerde gegen die Untersuchungshaft eingelegt. Vorerst vergebens - denn das Amtsgericht München leitete die Beschwerde gleich einmal …
Audi-Chef Stadler bleibt vorerst im Gefängnis
Innogy fügt sich: Einigung mit RWE und Eon bei Zerschlagung
Wut und Enttäuschung herrschten beim Energieversorger Innogy, als die Pläne für die Zerschlagung des noch jungen Konzerns bekannt wurden. Eine Vereinbarung von Eon und …
Innogy fügt sich: Einigung mit RWE und Eon bei Zerschlagung
Wohlstand in Deutschland liegt nur auf Niveau der Neunziger
Seit den Neunzigerjahren wächst die Wirtschaft deutlich schneller als das Wohlfahrtsniveau in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Der …
Wohlstand in Deutschland liegt nur auf Niveau der Neunziger
Trump droht der EU nach deren Rekord-Strafe gegen Google
Der US-Präsident legt in seinen anti-europäischen Außerungen nach: Donald Trump hat die Rekordstrafe für Google kritisiert und Maßnahmen gegen die EU angedroht.
Trump droht der EU nach deren Rekord-Strafe gegen Google

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.