Ende der Gemütlichkeit: Allianz will zurück in die erste Liga

- München - Michael Diekmann hat das Ende der Gemütlichkeit bei der Münchner Allianz eingeläutet. Die Zeiten, als die Konzernteile unter dem kuscheligen Holding-Dach ihre Geldwünsche anmeldeten und befriedigt bekamen, sollen endgültig vorbei sein.

<P>Die kühle Konstruktion des neuen Vorstandschefs: Die Holding versteht sich heute als Kapitalmarkt, die Töchter stehen im Wettbewerb um Kapital und nur die besten bekommen auch welches.</P><P>"Das hat den positiven Effekt, dass den profitabelsten Gesellschaften am meisten Mittel zur Verfügung stehen", sagt Diekmann und will nur Ausnahmen gelten lassen, wenn es gilt Zukunftsmärkte wie Indien oder China aufzuschließen. Ein harter Kurs, doch der Allianzchef hat ehrgeizige Ziele: Schon im nächsten Jahr will er wieder in der ersten Liga unter den internationalen Finanzkonzernen mitspielen. </P><P>Noch freilich ist die Allianz von ihren Renditezielen weit entfernt. Aber sie hat immerhin den Weg zurück in die Gewinnzone gefunden. Nach einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 steht nun wieder ein Gewinn von 1,6 Milliarden Euro in den Büchern. Ganz erfreulich ist die Bilanz freilich nicht. </P><P>Zum einen liegt ein Buchgewinn von 2,8 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Beiersdorf-Pakets auf der Waagschale, die andererseits von der Tochter Dresdner Bank nach unten gedrückt wird: 840 Millionen Euro hat das Frankfurter Geldhaus den Mutterkonzern 2003 gekostet und auch in diesem Jahr werden zwischen 150 und 180 Millionen Euro für die Sanierung fällig. Doch Diekmann hält fest am Konzept des integrierten Finanzdienstleisters. </P><P>Versicherungsleute von der Allianz hätten vergangenes Jahr bereits Fonds für 702 Millionen Euro verkauft, umgekehrt Bankleute von der Dresdner 176 000 Versicherungen. Langfristig werde die Allfinanz-Strategie aufgehen, meint Diekmann, der den Marktanteil der Dresdner auf 10 Prozent verdoppeln will. 25 Milliarden Euro hatte die Allianz einst für die Dresdner Bank bezahlt, neun Milliarden wurden laut Allianzvorstand Helmut Perlet über zwei Jahre abgeschrieben, so dass das Geldhaus noch mit 16 Milliarden in den Allianz-Büchern steht.</P><P>Relativ geräuschlos verkauft hat der Allianz-Konzern außer dem Beiersdorf-Paket noch so allerlei: Zum Beispiel Anteile am früheren Schwesterkonzern Münchener Rück. Noch vor drei Jahren habe man zusammen mit der Dresdner rund 30 Prozent am Nachbar-Unternehmen gehalten, heute seien es unter 10 Prozent, erklärt Vorstand Paul Achleitner. Nachdem die großen Beteiligungsbrocken weitgehend abgebaut sind, habe man jetzt wieder ein Portfolio, das sich aktiv managen lässt, um auch auf der Kapitalseite flexibel reagieren zu können.</P><P>Für das laufende Jahr rechnet die Allianz mit einer Verbesserung im operativen Geschäft, auch die Bank soll etwas besser abschneiden. Das war den Anlegern offenbar zu wenig, die Allianz-Aktie verlor zwischenzeitlich 4,30 Prozent auf 88,62 Euro.<BR></P>

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