Ende der Öl-Benzin-Preisspirale nicht absehbar

- Berlin/New York/Wien - Nach dem Preisschock an den Zapfsäulen bleiben die Sprit-Preise in Deutschland hoch und könnten nach Experten-Ansicht noch steigen. Die Lage am internationalen Rohölmarkt hat sich dem Antasten der strategischen Ölreserve in den USA am Donnerstag allerdings etwas entspannt. Der US-Ölpreis pendelte sich unter 69 Dollar ein.

Unterdessen verlangten Union und FDP angesichts der Maßnahmen in den USA auch in Deutschland Teile der nationalen Ölreserven zu verkaufen. Der Preis an den Zapfsäulen lag aktuell etwas unter dem von Mittwoch: Für Normalbenzin wurden 1,36 Euro, für Super 1,38 und für Diesel 1,16 Euro verlangt.

Als Folge der Verwüstungen durch den Hurrikan "Katrina" in den USA hatten die drei größten Mineralölgesellschaften Aral, Esso und Shell die Preise für Superbenzin am Mittwoch auf einen Schlag um acht Cent je Liter heraufgesetzt.

"Ich sehe keine Luft für eine Entspannung", sagte Rainer Wiek, Chefredakteur des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID, der dpa in Hamburg. Nach Wieks Einschätzung trifft die zusätzliche Verknappung durch den Hurrikan "Katrina" auf ohnehin stark strapazierte Märkte. "Eine Preisexplosion ist die logische Folge, weil die Produktenmärkte in den USA so angespannt sind", sagte Wiek. Die USA müssen schon heute jährlich rund 40 Millionen Tonnen Benzin importieren, davon rund 25 Millionen Tonnen aus Europa.

Angesichts der hohen Benzinpreise sprachen sich die Spitzen von Union und FDP dafür aus, Teile der nationalen Ölreserve zu verkaufen. "Das sollte auch in Deutschland kein Tabu sein", sagte UnionsKanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) mit Blick auf die USA am Donnerstag in Berlin. Aus Sicht von FDP-Chef Guido Westerwelle wäre der Einsatz der strategischen Ölreserve eine "kluge und sinnvolle Möglichkeit", um die Bürger wenigstens ein Stückchen zu entlasten.

Der Staat hält seit Ende der 1970er Jahre für Krisenfälle eine Mindestreserve an Sprit und Öl. Die im Erdölbevorratungsverband organisierten Mineralölfirmen sind gesetzlich verpflichtet, Vorräte für 90 Tage vorzuhalten.

In den USA wurden zudem die Vorschriften für sauberes Benzin ausgesetzt. Danach sollen beispielsweise für 14 Tage in allen Teilen der USA die Begrenzungen für den Schwefelgehalt gelockert werden. Der Hurrikan hatte die Rohölförderung des Landes zu 25 Prozent und die Raffinerienkapazitäten zu zehn Prozent lahm gelegt.

Die Mineralölwirtschaft in Deutschland hält nichts davon, die deutschen Ölreserven auf den Markt zu werfen. "Die Ölreserven in der OECD wurden aufgebaut, um einer möglichen Störung bei der Versorgung mit Rohöl zu begegnen", sagte am Donnerstag Birgit Layes vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg. Der Wirtschaftsminister könne die Reserve nur freigeben, wenn sieben Prozent Ausfall bei der Rohölversorgung zu befürchten seien.

Der US-Ölpreis pendelte am Donnerstag im asiatischen Handel deutlich unter 69 Dollar. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI wurde mit 68,79 Dollar gehandelt. Das waren 24 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vorabend in New York. In der Folge des Hurrikans "Katrina" war der Ölpreis am Dienstag mit 70,90 Dollar auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Neue Rekordhöhen erreichte nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Donnerstag in Wien der Ölpreis aus den Fördergebieten der Organisation Erdöl exportierender Länder. Am Mittwoch lag dieser im Durchschnitt bei 61,10 Dollar - im Vergleich zu 60,33 Dollar am Dienstag.

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