Ende der stürmischen Zeiten

- München - Die Münchener Rück hat genug von stürmischen Zeiten. Heuer sollen die Milliardengewinne mal wieder in ruhigem Ambiente eingefahren werden, wünscht sich Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Denn das Jubiläumsjahr 2005, in dem das Unternehmen 125-jähriges Bestehen feierte, wurde durch Hurrikan "Katrina" zum Katastrophenjahr, in dem der noch größte Rückversicherer der Welt ein Umbaujahr ausrufen musste, um daraus ein Rekordjahr zu machen.

"Katrina und ihre Schwestern", wie von Bomhard sagte, waren erst katastrophal über die Menschen in Amerika hereingebrochen und wüteten dann in der Bilanz der Münchener Rück. Die Wirbelstürme kosteten den Versicherer 2,3 Milliarden Euro. Zusätzlich mussten die finanziellen Reserven der US-Tochter American Re aufgefüllt werden. Dass trotzdem der höchste Gewinn der Unternehmensgeschichte (2,743 Milliarden Euro) erzielt wurde, liegt an einer großen Ausverkaufsaktion.

Die Rück baute ihr Beteiligungs-Sortiment um. Jede Menge Dax-Aktien flogen aus dem Depot: Anteile an Allianz, Commerzbank, MAN und HypoVereinsbank wurden zu Geld gemacht. Eine glückliche Fügung, dass dies ausgerechnet im Katastrophenjahr die Milliarden in die Kasse spülte - aber auch nicht mehr, erklärte von Bomhard beharrlich. "Es gibt da keine Kausalität." Er pocht darauf, dass der Abbau der Beteiligungen streng der Strategie folgte, Risiken weiter zu streuen, und nicht zur Kosmetik des Ergebnisses diente. Denn das soll künftig Standard sein.

"Dies ist kein einmaliges Ergebnis, sondern eines, von dem wir glauben, dass man es dauerhaft erzielen kann", betonte von Bomhard. Deshalb stellte er für heuer wieder einen Gewinn zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro in Aussicht. Der Umsatz soll erneut bei 38 Milliarden Euro liegen.

"Während die Konkurrenten ihre Ergebnisse mit den Stürmen davonfliegen sahen, hat uns unsere breite Aufstellung das Ergebnis gerettet", betonte Finanzvorstand Jörg Schneider mit einem Seitenhieb auf den Konkurrenten Swiss Re, dessen Gewinn im vergangenen Jahr um 40 Prozent eingebrochen war. Die Schweizer werden voraussichtlich im Sommer die Rückversicherungssparte von General Electric übernehmen und den Münchnern so den Titel des größten Rückversicherers der Welt abjagen. Doch das macht dem Noch-Primus nichts aus, behauptete von Bomhard: "Wir haben keine Volumensziele. Es kommt aufs Ergebnis an."

Das ließ sich beim einstigen Verlustbringer Ergo, der Erstversicherungssparte, diesmal sehen. Der Gewinn vervierfachte sich hier auf 846 Millionen Euro. Für heuer erwartet der Konzern 600 bis 700 Millionen Euro Plus. Das Rückversicherungsgeschäft könnte erblühen, wenn es nach zwei schweren Wirbelsturm-Jahren wieder etwas ruhiger zuginge. "Es wäre vorschnell zu sagen, wir hatten zwei Sturmjahre, das geht jetzt ständig so weiter", erklärte von Bomhard und es klang nach einem sehnlichen Wunsch. Weil die Resultate im vergangenen Jahr - Beteiligungsverkäufe hin oder her - so hervorragend ausgefallen sind, können die Aktionäre mit einer weit höheren Ausschüttung rechnen. Die Dividende soll um über 50 Prozent auf 3,10 Euro steigen.

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