+
Paketzusteller der DHL.

Ende nach acht Jahren

Endgültiges Aus: Beliebter Online-Marktplatz schließt

  • schließen

Der hart umkämpfte Markt war dann wohl doch nicht so lukrativ wie erwartet. Nach acht Jahren macht nun eine beliebte Online-Plattform dicht.

Bonn - 2010, gerade als die E-Commerce-Branche vor ihrem Aufstieg und auf ihrem Siegeszug in Deutschland war, witterte die DHL die große Chance für das noch größere Geschäft und eröffnete den Online-Marktplatz „Mein Paket“. Nachvollziehbar, denn man wollte den Verkäufern und den Kunden ein perfektes Gesamtpaket liefern. Anders als bei der Konkurrenz wollte man seine Expertise für Lagerung und Logistik nutzen und sich so am Markt etablieren. Fünf Jahre später folgte dann die Umbenennung in „AllYouNeed“. Da die Konkurrenz mit Global Playern wie Amazon, ebay und Co. aber übermächtig ist, hat die DHL nun eingesehen, dass man nicht Betreiber eines eigenen Marktplatzes sein müsse. 

Späte Einsicht - Fokus nun auf Kerngeschäft

In einem Interview mit dem Bonner General-Anzeiger äußert sich der DHL-Paket-Chef Achim Dünnwald zu den Schwierigkeiten auf diesem Markt und sagt: „Es gibt eine große Hürde, die wir ehrlicherweise auch bei allyouneed.com haben. Sie brauchen viele Transaktionen in diesem Geschäft und dafür müssen Sie viel Werbung machen.“ Zu teuer und zu unlukrativ also um weiter bestehen zu können. In Zukunft wolle man sich nun wieder auf das Kerngeschäft der DHL, nämlich das Zustellen von Paketen und deren Logistik fokussieren und lieber die Finger von Alleingängen wie bei „AllYouNeed“ lassen. „Wir werden solche Angebote künftig nur noch zusammen mit Partnern – die wir auch suchen – machen. Der Partner kümmert sich dann vollständig um den Onlinemarktplatz, während wir die Logistik machen,“ so der Paket-Chef weiter. Nach acht Jahren Hoffnung, Aufbäumen und Umstrukturierung eine recht späte Einsicht.

Lesen Sie auch: DHL-Bote befüllt Packstation - seine Vorgehensweise macht wirklich sprachlos

Normale Abwicklung bis zum Schluss

Laut dem t3n-Magazin wolle man in den kommenden Wochen und Monaten nun die Händler und Logistiker über das genaue Vorgehen der Plattformschließung informieren. Der Betrieb solle, bis zum endgültigen Aus Ende 2018, normal weiterlaufen. Zuletzt verkauften auf allyouneed.com etwa 3000 Händler ihre Waren. Über fünf Millionen Konsumenten sollen über die Seite Waren bestellt haben.

In Zukunft nur noch Kooperationen und keine Alleingänge

Einen kleinen Trost kann die DHL dennoch aus dem Online-Marktplatz „AllYouNeed“ ziehen. Für das Unternehmen war es nicht nur ein reines Verlustgeschäft, da sich die DHL nun in allen Bereichen des E-Commerce Expertise aneignen konnte und die kleinen und großen Probleme und Herausforderungen dieses Geschäfts kennt. Dieses Wissen will man in Zukunft für sich nutzen können. „Wir haben alle Erfahrungen gesammelt, die wir benötigen, wenn wir zukünftig für solche Kooperationen zwischen Einzelhandel und E-Commerce logistische Lösungen anbieten sollen,“ schaut Achim Dünnwald zuversichtlich in die Zukunft.

Lesen Sie auch: Falsche DHL-Boten überfallen Familie in der eigenen Wohnung

mgo

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Deutsche Bahn und EVG setzen Tarifverhandlungen nach Streik fort - „sind bemüht“
Nach dem Warnstreik erst einmal Entspannung: Die Gewerkschaft EVG und die Bahn verhandeln wieder. Doch die Lokführer erklären ihre Tarifverhandlungen für gescheitert.
Deutsche Bahn und EVG setzen Tarifverhandlungen nach Streik fort - „sind bemüht“
Ukraine-Konflikt: EU fällt Entscheidung über Wirtschaftssanktionen gegen Russland
Lässt sich Russland von Sanktionen der EU beeindrucken? Die jüngsten Ereignisse an der Meerenge von Kertsch deuten nicht darauf hin. Die EU-Staaten wollen allerdings …
Ukraine-Konflikt: EU fällt Entscheidung über Wirtschaftssanktionen gegen Russland
Moderate Einbußen im Dax nach EZB-Beschlüssen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag relativ kalt gelassen.
Moderate Einbußen im Dax nach EZB-Beschlüssen
Bahn-Tarifkonflikt schwelt weiter
Nicht nur am Bahnsteig, auch bei Tarifverhandlungen der Bahn gilt: Manchmal dauert es. Seit Tagen wird verhandelt - das birgt Unsicherheit für alle, die Reisepläne haben.
Bahn-Tarifkonflikt schwelt weiter

Kommentare