Endlich wieder Gewinn: Infineon wittert Morgenluft

- München - Infineon-Chef Ulrich Schumacher wittert Morgenluft. Nach acht Quartalen mit Milliarden-Verlusten geht im neuen Geschäftsbericht die Sonne auf: Der Münchner Halbleiter-Hersteller hat im letzten Viertel des abgelaufenen Geschäftsjahres Gewinn gemacht. Der Hoffnungsschimmer ist schwach, aber er soll bald hell erstrahlen - für die gesamte Branche. Nur der Standort Deutschland wird wohl länger im Schatten liegen.

<P>49 Millionen Euro beträgt der Konzernüberschuss von Infineon im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03. Verglichen mit Verlusten von insgesamt 2,5 Milliarden Euro aus den zwei Jahren zuvor ist das ein Klacks - aber ein hübscher. Deshalb bilanziert Schumacher "alles in allem ein erfolgreiches Jahr für Infineon". Zumindest das Wachstum sei "eine Erfolgs-Geschichte". </P><P>Der Umsatz legte 2002/03 (Stichtag: 30. September) gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent zu. Im vierten Quartal waren es sogar 37 Prozent mehr Umsatz als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und die rasante Entwicklung soll sich fortsetzen. Infineon rechnet damit, dass der Halbleitermarkt im kommenden Jahr um 18 Prozent zulegen wird. Und bisher vergrößerte sich der Konzern stets schneller als der Gesamtmarkt. Von den zehn größten Halbleiter-Produzenten legte im vergangenen Jahr keiner stärker zu.</P><P>Deshalb rechnet das Unternehmen für das neue Geschäftsjahr mit Gewinn. "Die Geschäfte laufen nach wie vor gut, wir erwarten keine negative Entwicklung", sagte Schumacher. 2004 solle die "Rückkehr auf den Wachstumspfad bringen, den diese Industrie lange vermisst hat".<BR><BR>Die Zuversicht aus dem Hause Infineon übertrug sich nicht auf die Anleger. Der Aktienkurs verlor bis zum Xetra-Schluss über sechs Prozent auf 12,82 Euro. Nach Ansicht von Analysten hatte mancher auf einen etwas größeren Gewinn im letzten Jahresviertel gehofft. "Die Nachrichten sind nicht schlecht, aber viel davon war so erwartet worden. </P><P>Das Ergebnis war großteils in die Kurse eingepreist", erklärt Reinhard Matuschka, Analyst der Bayerischen Landesbank. So reagierte die Börse wohl nach dem Prinzip: Keine gute Überraschung ist fast eine schlechte. Auch eine Untersuchung in den USA wegen möglicher Preisabsprachen bei D-Ram-Chips könnte Anleger verunsichert haben. Obwohl das Verfahren seit über einem Jahr läuft, bildete Infineon jetzt Rückstellungen von 28 Millionen Euro. "Bei so einer Untersuchung können immer auch Dinge negativ wirken, das ist heute nicht absehbar", sagte Finanzvorstand Peter Fischl.<BR><BR>Ebenso wenig Klarheit gibt es im Hinblick auf einen möglichen Abzug der Konzernzentrale aus München. "Wir arbeiten weiterhin an einer steuerlichen Optimierung", war Schumachers einziger Kommentar. Ansonsten sang er nicht gerade ein Loblied auf Deutschland. Man wolle die Zahl der Mitarbeiter hierzulande verteidigen. "Das allein ist ein hehres Ziel, wenn man sich die Rahmenbedingungen anschaut. </P><P>An anderen Orten kann man nicht nur billiger entwickeln, sondern auch schneller." Der Konzern investiert vor allem in Asien, wie Fischl sagte: "Wir bauen durchaus gezielt Personal auf, aber das wird sich überwiegend außerhalb Deutschlands abspielen."</P>

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