Endspurt: Was man fürs Geld noch tun sollte

München - Es sind nur noch wenige Wochen bis Jahresultimo. Zeit also, Geldangelegenheiten anzugehen, die noch 2010 erledigt werden sollten. Wer jetzt handelt, der kann Hunderte Euro sparen oder Nachteile vermeiden:

Außergewöhnliche Belastungen

Steuerzahler, die 2010 außergewöhnliche Aufwendungen hatten, etwa für einen Arzt oder ein Krankenhaus, wegen einer Scheidung oder einer Beerdigung, können einen Teil davon als außergewöhnliche Belastung vom steuerpflichtigen Einkommen herunterrechnen (siehe Tabelle). Da vom Gesamtaufwand zuvor eine „zumutbare Belastung“ abgezogen wird, lohnt es sich, solche Ausgaben zu bündeln: Je mehr „Außergewöhnliches“ in einem Kalenderjahr angefallen ist, desto eher wird die Zumutbarkeitsgrenze überschritten. Beispiel: Im Frühjahr 2011 ist eine größere Summe für einen neuen Zahnersatz zu bezahlen. Wird noch in 2010 eine Vorauszahlung darauf geleistet, so könnte die Grenze der Zumutbarkeit überwunden werden – und Steuern gespart, wenn in diesem Jahr noch andere außergewöhnliche Belastungen angefallen sind, zum Beispiel der Kauf einer Brille. Bei Bezahlung der Zahnersatzrechnung im Jahr 2011 kann es sein, dass in beiden Jahren der steuerrelevante Aufwand sich im Grenzbereich hält – mit der Folge, dass weder 2010 noch 2011 Geld dafür vom Fiskus zurückfließt.

Autounfall: Rabatt retten

Wer 2010 einen selbst verschuldeten Unfall mit geringem Schaden (bis 500 Euro) von seiner Kfz-Haftpflichtversicherung hat regulieren lassen, der kann das Geld zurückzahlen. Das rettet den Schadenfreiheitsrabatt (falls er sich verschlechtert haben sollte, was nicht bei allen Gesellschaften der Fall ist). Umgekehrt kann ein der Versicherung nicht gemeldeter Unfall noch bis Ende Dezember 2010 nachgemeldet werden. Das kann zwar eine Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt zur Folge haben – aber unterm Strich von Vorteil sein. Der Versicherer rechnet das vor.

Bausparen und VL-Sparen

Wer ein Bausparkonto und Anspruch auf die Wohnungsbauprämie hat, der sollte für 2010 den höchstmöglichen Betrag darauf einzahlen: 512/1024 Euro (alleinstehend/verheiratet). Dann gibt’s die maximale Prämie von rund 45/90 Euro. Die maßgebende Einkommensgrenze beträgt 25 600/51 200 Euro pro Jahr. Höhere Beträge – sowohl das Einkommen als auch die staatliche Arbeitnehmer-Sparzulage betreffend – gelten für vermögenswirksame Leistungen (VL) in Investmentfonds, etwa Aktienfonds. Für vermögenswirksame Leistungen steuert der Staat bis zu 43 Euro pro Jahr an Arbeitnehmer-Sparzulage zu, wenn 2010 bis zu 470 Euro zum Beispiel auf einen Bausparvertrag eingezahlt oder in einen Investmentfonds investiert worden sind. Es spielt keine Rolle, ob die 470 Euro allein vom Arbeitgeber oder auch vom Arbeitnehmer eingezahlt wurden.

Betriebsausgaben drücken Lasten

Betriebsinhaber drücken ihre steuerwirksamen Einnahmen 2010 nur mit betrieblichen Ausgaben im selben Jahr. Ausnahmen gelten für regelmäßig wiederkehrende Leistungen wie Mieten und Zinsen, die zum Jahresanfang fällig werden. Betrieblich genutzte „geringwertige Wirtschaftsgüter“ können wieder bis zu 410 Euro netto (2009 waren es nur 150 Euro) sofort abgeschrieben werden – allerdings nur, wenn sie „selbstständig“ nutzbar sind, etwa ein Drucker.

Betriebskosten rechtzeitig abrechnen

Vermieter haben die Betriebskosten für ihre Wohnungen spätestens zwölf Monate nach dem letzten Abrechnungszeitraum mit den Mietern abzurechnen. Geschieht das später, so dürfen Nachzahlungen im Regelfall nicht mehr verlangt werden. Ist der Abrechnungszeitraum das Kalenderjahr, so muss die Rechnung für 2009 bis Silvester 2010 bei den Mietern eingehen, sollen noch Nachberechnungen möglich sein. Bei späterem Eingang muss allerdings ein errechnetes Guthaben noch an den Mieter überwiesen werden.

Handwerker-Arbeit absetzbar

Aufwand für den Handwerker in den eigenen vier Wänden kann für 2010 bis zu 1200 Euro zu einer Steuerrückzahlung führen. Und zwar wird die maßgebende Summe unmittelbar von der Steuerschuld abgezogen – also nicht nur vom steuerpflichtigen Einkommen, was nur entsprechend dem persönlichen Steuersatz zu einer Steuerermäßigung geführt hätte. Maßgebend sind die Lohn-, nicht die Materialkosten. Voraussetzung für den Ansatz des höchstmöglichen Betrages sind Kosten von mindestens 6000 Euro (20 Prozent davon ergeben 1200 Euro). Finanzamts-Bedingung: Unbare Zahlung!

von wolfgang büser  

Rubriklistenbild: © dpa

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