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Wer großzügig spendet, kann auch beim Finanzamt mit Großzügigkeit rechnen.

Tipps zum Jahreswechsel – Teil 2

Endspurt zum Geldsparen

Das Jahresende naht. Zeit also, Dinge anzugehen, die noch heuer erledigt werden sollten, um Nachteile zu vermeiden und Vorteile zu sichern.

Resturlaub

Wer seinen Jahresurlaub 2008 noch nicht (voll) genommen hat, der sollte sich sputen: Urlaubsjahr ist das Kalenderjahr. Mit dem Arbeitgeber kann zwar eine Übertragung in das Jahr 2009 vereinbart werden. Doch muss er darauf nur unter Bedingungen eingehen, etwa weil sein Arbeitnehmer wegen einer Krankheit seinen Erholungsurlaub nicht nehmen konnte oder weil der Chef wegen unverhoffter Aufträge eine Urlaubssperre verhängt hatte. Im Grundsatz müsste also der Urlaub bis spätestens Ende Dezember 2008 genommen sein. (Im öffentlichen Dienst sowie in manchen Tarifverträgen gelten allerdings günstigere Regelungen.)

Riester-Rente

Rentenpflichtversicherte oder Ehepartner einer/eines Rentenpflichtversicherten können über eine private Rentenversicherung, einen Fonds- oder Banksparplan beziehungsweise eine betriebliche Altersvorsorge sowie neuerdings einen Bausparvertrag „riestern“. Entsprechendes gilt für Beamte. Sobald Sie für das Jahr 2008 vier Prozent Ihrer Vorjahresbezüge auf einen solchen Vertrag eingezahlt haben, steht Ihnen die maximale staatliche Zulage von 154 Euro plus für jedes Kind 185 Euro zu (für ab 2008 geborene Kinder je 300 Euro). Unter 25-Jährige bekommen einen 250 Euro-Startbonus. Die Höchsteinzahlung beträgt 2100 Euro. Das Finanzamt prüft im Jahresausgleich, ob die Berücksichtigung der Beiträge als Sonderausgabe eine höhere Vergünstigung bringt als die Staatszulagen.

Rürup-Rente

Vor allem Selbstständige und gut verdienende Arbeitnehmer können „rürupen“: in Form einer privaten Rentenversicherung. Die höchste steuerliche Vergünstigung für 2008 stellt sich bei einer Einzahlung in Höhe von 20 000 Euro ein (für Ehepaare: 40 000 Euro). 66 Prozent davon (beim Höchstsatz also 13 200 Euro für einen Single) können dann vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Natürlich kann auch jeder andere – niedrigere – Euro-Betrag eingezahlt werden; mit entsprechend niedrigerer Förderung.

Spenden

Großzügigkeit gegenüber Notleidenden oder gemeinnützig Tätigen honoriert der Fiskus seit dem vergangenen Jahr ebenfalls großzügig: Bis zu 20 Prozent vom Gesamtbetrag der Einkünfte können das steuerpflichtige Einkommen reduzieren. Von 60 000 Euro Jahreseinkommen kann also das steuerpflichtige Einkommen auf 48 000 Euro gedrückt werden – entsprechende Spendierfreude unterstellt. Wer noch tiefer in die Spendentasche gegriffen hat, der kann den überschießenden Betrag noch mit den nächsten Steuererklärungen geltend machen.

Empfänger der Spenden können der Lieblingssportverein ebenso sein wie Kirchen oder die Deutsche Krebshilfe, aber auch Wohlfahrtsorganisationen und Universitäten. Wichtig: Ohne Vorlage beweiskräftiger Belege – Spendenbescheinigungen der Begünstigten – zeigen sich die Finanzämter im Regelfall stur. Bei Beträgen bis zu 200 Euro sind die Finanzbeamten aber generell nicht kleinlich: Es reichen im Regelfall die Überweisungsträger.

Steuerfreibetrag

Übersteigen die Werbungskosten 2009 voraussichtlich mindestens (920 Euro Pauschbetrag plus wenigstens 600 Euro zusätzlich =) 1520 Euro, so kann gegebenenfalls durch Eintragung eines Freibetrages auf der Steuerkarte erreicht werden, dass der Arbeitgeber ab Januar 2009 weniger Steuern abzieht als ohne Freibetrag. Beantragt werden kann auch die volle (einfache) Entfernung für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstelle – also auch für die ersten 20 Kilometer, die nach dem Buchstaben des Gesetzes nicht mehr berücksichtigungsfähig sein sollen. Das Bundesverfassungsgericht sorgt voraussichtlich noch vor Jahresultimo für Klarheit.

Verjährung

Wer noch Schulden aus dem Jahr 2005 zu begleichen hat, etwa für den Kauf eines Fernsehgerätes, der kann darauf hoffen, dass sein Gläubiger die Frist, die am 31. Dezember 2008 abläuft, verstreichen lässt. Andererseits muss sich derjenige, der noch Geld zu bekommen hat, beeilen, will er seinen Anspruch noch durchsetzen. Dafür genügt weder eine telefonische Erinnerung noch eine schriftliche Mahnung. Maßgebend sind allein ein gerichtlicher Mahnbescheid (der noch vor Neujahr 2009 zugestellt wird) oder direkt eine Klage. Mit einem solchen „Titel“ kann dann noch 30 Jahre lang die Forderung geltend gemacht werden.

Werbungskosten

Arbeitnehmern, die im Jahr 2008 – etwa mit der Pauschale von 30 Cent für jeden Entfernungskilometer für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstelle – bereits bei 920 Euro angelangt sind, hilft jeder Euro, der zusätzlich für Werbungskosten ausgegeben wird, Steuern sparen. Das können zum Beispiel Fachbücher sein (Achtung: Das Finanzamt verlangt die Angabe des Titels auf der Quittung!) oder neue Möbel für das häusliche Arbeitszimmer (dessen steuerliche Anerkennung zwar ab 2007 weitgehend abgeschafft wurde, was aber nicht für benötigte Arbeitsmittel gilt, sondern nur für die auf das Arbeitszimmer entfallenden Mietkosten) oder eine berufliche Fortbildungsveranstaltung. Außerdem: Nicht vergessen werden sollten die Gewerkschaftsbeiträge.

Zahnersatz

Gesetzlich Krankenversicherte können ihren Grundanspruch auf einen Zuschuss zum Zahnersatz um bis zu 30 Prozent steigern, wenn sie regelmäßig wenigstens einmal pro Jahr „rein vorsorglich“ den Zahnarzt aufsuchen. Der Grundanspruch beträgt 50 Prozent des sogenannten Festbetrages, den Zahnärzte und Krankenkassen für die jeweilige Leistung des Zahnarztes sowie des Dentallabors ausgehandelt haben. Dieser am Festbetrag orientierte Zuschuss steigt im Jahr 2009 um 10 Punkte, also um 20 Prozent, auf 60 Prozent, wenn mindestens seit 2004 bis einschließlich 2008 einmal der Zahnarzt aufgesucht wurde. 15 Punkte plus (= 30 % tatsächlich) mehr gibt es, wenn der regelmäßige Zahnarztbesuch seit 1999 lückenlos nachgewiesen werden kann. Und das auch für das Jahr 2008. Ein 2009 angefertigter Zahnersatz, für den ein Festbetrag von 6000 Euro existiert, kann also als Kassenzuschuss 3000 Euro, 3600 Euro oder 3900 Euro einbringen – je nach Intensität der Zahnarztbesuche. Wichtig: Sollte nur in einem Jahr der Doktor nicht konsultiert worden sein, so beginnen die fünf beziehungsweise zehn Jahre neu zu laufen.

Wolfgang Büser

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