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Energie sparen: So heizen Sie richtig mit Holz

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Von: Sebastian Hölzle

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Wie kann man Haus und Wohnung noch im Sommer winterfest machen? Im vierten Teil der Serie zeigen wir, dass man durch den richtigen Umgang mit Holz beim Heizen Geld sparen kann.

München – Angesichts hoher Gas- und Ölpreise ist die Nachfrage nach Brennholz enorm gestiegen – entsprechend hat sich auch Holz drastisch verteuert. Was viele Holzofenbesitzer nicht ahnen: Sie verschwenden unnötig Energie. „Bei Holzöfen sind zwei Dinge entscheidend: Zum einen kommt es auf den Brennstoff an und zum anderen auf das Gerät, das den Brennstoff verbrennt“, sagt Dietmar Sewald, Inhaber eines Ofenbaubetriebs in Beyharting im Landkreis Rosenheim. Sewald ist zudem Obermeister der Innung des Kachelofen- und Luftheizungsbauerhandwerks München-Oberbayern – und weiß bestens, welche Fehler typischerweise im Haushalt gemacht werden.

Energie wird vergeudet beim Verbrennen von feuchtem Holz

Nur trockenes Holz verbrennen: „Ist das Holz frisch vom Baum, liegt der Wasseranteil bei 40 bis 60 Prozent“, sagt Sewald. „Dieses Wasser muss durch die Verbrennung verdunstet werden. Verbrenne ich feuchtes Holz, habe ich dadurch Energie vergeudet, die ich eigentlich durch die Verbrennung für die Wärmeerzeugung gehabt hätte.“ Deshalb sei es wichtig, dass nur Holz verbrannt wird, das gut gelagert und trocken ist. „Wir beobachten immer wieder, dass Kunden mit Holz heizen, das überhaupt nicht abgedeckt wurde“, sagt Sewald. „Manchmal kaufen die Kunden das Holz auch einfach kurzfristig im Herbst und verheizen es, ohne es zu trocknen.“ Das sei auch jetzt, angesichts der aktuellen Energieknappheit, auf gar keinen Fall zu empfehlen.

Richtige Lagerung im Freien: Nicht immer haben Hausbesitzer die Möglichkeit, das Holz überdacht zu lagern. „Bei einer Lagerung im Freien reicht im Grunde eine Plane, die den Holzhaufen an den Seiten 20 bis 30 Zentimeter überdeckt. An den Seiten darf das Holz Wind und Wetter etwas ausgesetzt sein.“ Noch besser sei eine feste Abdeckung. Entscheidend sei, dass der Kern des Holzes trockne. Aber wie lange sollte das Holz trocknen? Als Faustregel gelte ein Jahr, sagt Sewald. „Aber noch besser ist es, das Holz zwei Jahre zu lagern, sofern man die Lagerkapazitäten hat.“ Wer den Platz nicht habe, könne alternativ auch etwas mehr als einen Jahresvorrat lagern. „Dann habe ich mit Beginn der Heizperiode noch etwas Holz aus dem Vorjahr übrig, das ich zuerst verheizen kann, erst im Winter starte ich dann mit dem neueren Holz.“

Holzfeuchtemessgeräte gibt es bereits ab 20 Euro

Messgeräte für die Holzfeuchte: Wer genau wissen will, ob das Holz ausreichend trocken ist, dem empfiehlt Sewald den Kauf eines Messgerätes. Denn für Laien sei das oft nur schwer zu erkennen. Holzfeuchtemessgeräte gebe es im Handel bereits ab 20 Euro. „Man sticht ins Holz und weiß danach, wie hoch der Wasseranteil im Holz ist.“ Verwenden könne man das Holz ab einem Wert von etwas unter 20 Prozent. „Am besten ist das Holz, wenn die Holzfeuchte bei 15 oder darunter liegt“, sagt Sewald.

Fichte wird oft unterschätzt: Welches Holz bietet für wenig Geld die beste Energieausbeute? „Grundsätzlich können alle Hölzer verheizt werden – stückiges, naturbelassenes Holz. Das ist für fast alle Öfen geeignet. Der Preis spiegelt in der Regel den Heizwert wider.“ Bei Laubhölzern wie Buche, Esche oder Birke koste der Raummeter etwas mehr, im Gegensatz zur günstigeren Fichte hätten sie auch eine höhere Rohdichte. Was viele aber nicht wissen: „Fichte hat pro Kilogramm sogar geringfügig mehr Brennwert als Buche, nur benötigt man bei der Lagerung der Fichte etwas mehr Platz.“ Buche würde oft gekauft, da im Kamin das Flammbild etwas ansehnlicher sei. Geht es aber nur um die Energie, gilt: „Man soll sich nicht scheuen, eine Fichte zu kaufen“, sagt Sewald.

Kaminofen
Wer seinen Ofen richtig anschürt, kann bares Geld sparen – denn auch Holz ist wegen der Energiekrise teurer geworden. © picture alliance/dpa/Silas Stein

Energie-Experte rät, das Holz von oben anzuzünden

Anzünder statt Papier und Reisig: Hier sieht Ofenbauer Sewald die größten Probleme: „Jeder heizt seinen Ofen so, wie er es schon immer gemacht hat“, beklagt Sewald. „Viele haben sich nie damit beschäftigt, was der eigene Ofen eigentlich fordert.“ Ein typischer Fehler: „Viele nutzen zum Einheizen immer noch Papier oder Reisig. Verwenden Sie Anzünder, die sind dafür bestimmt, lassen Sie Papier weg.“ Und da jeder Ofen anders sei, rät er allen Ofenbesitzern, sich einmal dringend die Bedienungsanleitung des Herstellers durchzulesen. „Wenn in der Bedienungsanleitung etwa steht, dass man den Holzscheit oben anzünden soll, sollte man das auch so machen.“ Auch sollte man prüfen, ob der Ofen für Kohle geeignet sei oder nicht.

Norbert Endres, Energie-Experte der Verbraucherzentrale Bayern, rät generell dazu, das Holz von oben anzuzünden: „Führt man sich die neusten Empfehlungen für das richtige Anschüren einmal zu Gemüte, hat das mit den alten Bilderbüchern nicht mehr viel zu tun“, sagt er. „Alles, was schwer ist, nach unten, und das leichte Material nach oben. Oben anzünden, dann kann sich die Flamme von oben nach unten vergleichsweise emissionsarm durchfressen.“ Das vermeide, dass sich die Flamme von unten durch das harte schwere Holz durchkokeln müsse und so übermäßig viel Feinstaub und Ruß erzeugt werde.

Luftregler bei Rotglut schließen: „Wenn wir Kunden besuchen, sehen wir am kalten Ofen immer, wie die Luftzufuhr zuletzt eingestellt war: Und in den meisten Fällen ist die Luftzufuhr halb offen statt geschlossen“, sagt Sewald. „Diesen Fehler erleben wir tagtäglich.“ Und der kostet die Verbraucher unbemerkt viel Geld: Zum einen wird bei der Verbrennung die Energie nicht optimal genutzt. „Und wenn der Ofen aus ist, entweicht weiterhin die warme Raumluft über den Kamin nach oben, das ist eine irrsinnige Verschwendung an Energie.“ Sewalds Tipp: „Den Luftschieber beim Anheizen öffnen, erst in der Hochphase der Verbrennung etwas zurückregeln und ihn erst bei der Rotglut schließen.“ Noch besser sei eine computergesteuerte Luftzufuhr – für eine Nachrüstung sei von Preisen ab etwa 800 Euro auszugehen, hinzu kämen Kosten für die Montage.

Ein sauberer Ofen spart Energie

Ruß regelmäßig entfernen: „Ruß wirkt wärmedämmend“, sagt Sewald. „Ist der Ofen sauber, habe ich einen effizienteren Ofen.“ Einmal im Jahr solle man selbst kontrollieren, ob sich zu viel Ruß angesammelt habe. „Das Entrußen kann man oft auch selbst machen, ansonsten einfach den Handwerker bestellen“, empfiehlt der Ofenbauer.

Briketts nicht in Zeitungspapier wickeln: Oft halten sich alte Heizmethoden noch über Jahrzehnte. Beliebt ist etwa, Kohlebriketts abends in Zeitungspapier einzuwickeln, damit sie morgens noch glühen. Sewald warnt vor solchen angeblichen Tricks: „Wenn in der Bedienungsanleitung diese Heizmethode nicht explizit drinsteht, sollte man das besser nicht machen.“

Teil 1 der Serie: Heizen und Warmwasser: So drehen Sie jetzt Ihre Kosten runter!

Teil 2 der Serie: „In etwa 90 Prozent der Fälle ist die Heizkurve viel zu hoch eingestellt“ – so sparen Sie im Keller bares Geld

Teil 3 der Serie: Stromfresser im Griff: Experte erklärt, wie Sie mit wenig Aufwand viel sparen können

Teil 4 der Serie: Energie sparen: So heizen Sie richtig mit Holz

Teil 5 der Serie: Gas, Wärmepumpe, Pellets oder Solar: Welche Heizmethode am günstigsten ist

Teil 6 der Serie: Vorsorge für den Energie-Ernstfall: Kerzen, Taschenlampen, Campingkocher – Die wichtigsten Vorräte

Im letzten Teil der Serie geht es um die richtige Vorbereitung für Katastrophen wie einen Stromausfall. Weitere Informationen zum Thema Brennholz und zur richtigen Lagerung stellt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hier bereit.

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