Energieausweis: Billig-Pass nur bis 30. September

München - Bisher haben Immobilienbesitzer die Wahl, ob sie einen teuren oder einen billigen Energieausweis wollen. Ab 1. Oktober ist teuer für viele Pflicht.

Seit 1. Juli gibt es den Energieausweis in Deutschland. Jetzt läuft eine erste Übergangsfrist ab: Am 30. September endet die Wahlfreiheit für Millionen private Hausbesitzer. Nur noch bis Monatsende können sich Immobilienbesitzer frei entscheiden zwischen dem teuren Bedarfsausweis und dem deutlich günstigeren Verbrauchsausweis - unabhängig davon, wie alt das Anwesen ist. Wer sich noch rechtzeitig kümmert, kann Geld sparen.

Insbesondere Besitzer älterer Häuser sollten die Wahlfreiheit noch vor dem 1. Oktober ausnutzen, rät der Eigentümerverband Haus und Grund. Vorsorge sei aber auch für Besitzer neuer und großer Anwesen empfehlenswert.

Den Energiepass gibt es in zwei Varianten: Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis. Beide sind zehn Jahre gültig. Die Kosten können steuerlich abgesetzt werden.

Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis wird anhand des Energiebedarfs der letzten drei Jahre ausgestellt. Vermieter können diesen etwa über die Heizungsablese-Firma berechnen lassen. Kostenpunkt: Etwa 30 Euro. Allerdings sagen die Daten nur etwas über das Heizverhalten des Vormieters, aber nichts über den energetischen Zustand des Gebäudes. Verbraucherschützer und Mieterverbände halten den Verbrauchsausweis für unzureichend. Vorsicht sollte man bei Billigversionen aus dem Internet walten lassen, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Viele seien mangelhaft und damit nichts wert.

Bedarfsausweis

Der Bedarfsausweis ist deutlich aussagekräftiger, aber auch teurer mit bis zu 300 Euro und mehr, je nach Anwesen und Aufwand. Dieser Pass darf nur von einem Fachmann ausgestellt werden, etwa einem Architekten, Ingenieur oder Energieberater. Dessen Berechnungen sollen detailliert offenlegen, wie es um die Heizanlage steht, um Dämmung, Wärmeverluste über Dach und Fenster, wie viel Energie das Haus verschlingt und was verbessert werden könnte. Bei der Expertensuche helfen unter anderem die Verbraucherzentralen vor Ort, die Deutsche Energie-Agentur oder der Verband privater Bauherren.

Immobilienbesitzer können sich nur noch bis Monatsende zwischen beiden Ausweisarten entscheiden. Ab 1. Oktober wird der Bedarfsausweis Pflicht für Gebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, für die der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde. Auch wer staatliche Fördermittel für seine Immobilie bekommt, muss sich dann die teure Variante zulegen.

Immobilienverbände raten dazu, sich vorsorglich um einen günstigen Verbrauchsausweis zu kümmern, wenn klar ist, dass das Objekt in den nächsten zehn Jahren verkauft oder neu vermietet werden soll. Wichtig: Selbstnutzer brauchen gar keinen Energiepass. Das gilt auch für Besitzer denkmalgeschützter Immobilien.

Als erstes sind Eigentümer von Altbauten in der Pflicht, deren Häuser und Mietwohnungen bis Ende 1965 gebaut wurden. Sie müssen einen Energiepass seit 1. Juli immer dann vorweisen können, wenn sie neu vermieten oder verkaufen wollen und Interessenten danach fragen. Sonst droht ein Bußgeld von bis zu 15 000 Euro.

Ab 1. Januar 2009 müssen dann auch die Eigentümer neuerer Wohngebäude ab Baujahr 1966 gewappnet sein. Für Gewerbebauten und Geschäftshäuser ist der Ausweis ab 1. Juli 2009 obligatorisch. Bisher war ein Nachweis über die Energieeffizienz nur bei Neubauten vorgeschrieben.

Wer den Energiepass ausstellen darf

Diese Berufsgruppen dürfen den Ausweis ausstellen: Architekten, Innenarchitekten, Bauingenieure, Bautechniker, Gebäudeenergieberater im Handwerk und ausgebildete Energieberater ­ aber auch Schornsteinfeger, Maschinenbauer oder Elektrotechniker.Voraussetzung ist ein Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen im Studium oder zweijährige Berufserfahrung. Zusätzlich muss der Aussteller eine Fortbildung zum energiesparenden Bauen nachweisen.

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