Energiekosten belasten Bürger so stark wie seit 15 Jahren nicht

- Berlin - Die Bundesbürger müssen für Energie so tief in die Tasche greifen wie nur in wenigen anderen EU-Staaten. Die Preise für Strom, Gas und Kraftstoffe lägen im europäischen Spitzenfeld, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Johann Hahlen, zur Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs 2006 in Berlin. Von 1991 bis 2005 stiegen die Ausgaben der Haushalte für Energie stärker als das verfügbare Einkommen.

Für Energie mussten sie 59 Prozent mehr bezahlen, das Einkommen erhöhte sich dagegen nur um 49 Prozent. Wer sich mit leichtem Heizöl wärmen wollte, müsste im August 2006 fast 80 Prozent mehr bezahlen als Anfang 2004. An der Zapfsäule erhöhten sich die Preise für Normalbenzin und Super von Januar 2004 bis August 2006 um 27 Prozent, bei Diesel um etwa ein Drittel. Superbenzin sei 2005 inklusive Steuern nur in den Niederlanden, Belgien und Großbritannien teurer gewesen, berichtete Hahlen.

Bei Diesel habe Deutschland auf dem dritten Platz gelegen, bei den Preisen für Strom auf dem vierten Platz. Industriekunden in Deutschland und Österreich zahlten der Statistik zufolge mit Abstand die höchsten Nettopreise für Erdgas in Europa. Die gestiegenen Energiepreise belasten die Bundesbürger so stark wie noch nie seit der deutschen Einheit. "Private Endverbraucher mussten von Januar 2004 bis August 2006 rund 28 Prozent mehr für Haushaltsenergie und Kraftstoffe ausgeben", sagte Hahlen. Die Verbraucherpreise seien im gleichen Zeitraum nur um rund drei Prozent gestiegen.

Die deutschen Strompreise liegen nach Angaben des Verbands der Elektrizitätswirtschaft nur im europäischen Mittelfeld. Nach einer Berechnung mit EU-Zahlen und einem Preisvergleich mit Kaufkraftstandards komme Deutschland für einen Drei- Personen-Musterhaushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr auf Platz 19 von 25 EU-Staaten. Für das Beispiel einer Maschinenfabrik mit etwa 300 Beschäftigten lande Deutschland auf Platz 16. Die Kernenergie ist in Deutschland weiter der wichtigste Energieträger für die Stromproduktion.

Die Atomenergie habe einen Anteil von rund 26 Prozent an der Stromerzeugung, sagte der Behördenpräsident. Die Bedeutung der Kohle sei in den vergangenen 15 Jahren deutlich gesunken. Der Anteil der Braunkohle ging nach seinen Angaben seit 1991 von 29 auf 25 Prozent zurück, der Anteil der Steinkohle von knapp 28 auf 22 Prozent. Erdgas steuert 11 Prozent bei. Der Anteil der Windkraft schnellte von praktisch null im Jahr 1991 auf 4,3 Prozent der Stromerzeugung hoch. Auch die Stromerzeugung aus Öko-Energieträgern wie Biomasse legte zu und verdoppelte sich auf 5,2 Prozent.

Die Wirtschaft sparte seit der Einheit mehr Energie ein als die privaten Haushalte. Die Energieproduktivität sei in der gesamten Wirtschaft seit der deutschen Einheit um knapp ein Viertel, in Haushalten nur um 15 Prozent gestiegen.

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