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Explodierende Strom- und Gaspreise: Energiekrise bedroht deutsche Unternehmen

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Von: Markus Hofstetter

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Die Gas- und Strompreise schießen europaweit in die Höhe, es fehlt an Nachschub. Erste Unternehmen legen Werke still, ein Studie sieht die Gefahr großflächiger Blackouts.

München - Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland wird mit Gas geheizt. Ihnen steht angesichts steigender Erdgaspreise ein Horrorwinter bevor, sie müssen hohe Heizkosten einkalkulieren. Wegen fast leerer Speicher drohen in der kalten Jahreszeit sogar regionale Versorgungsengpässe. Andere Länder wie Großbritannien trifft die Krise schlimmer.

Doch genau wie die Verbraucher sind auch Unternehmen von der Energiekrise betroffen, vor allem wenn sie in energieintensiven Sektoren tätig sein. So stoppte der US-Düngemittelhersteller CF Industries letzte Woche wegen gestiegener Erdgaspreise die Produktion in zwei britischen Werken. Aus dem gleichen Grund kündigte das norwegische Chemie-Unternehmen Yara International an, die Herstellung von Ammonium in Werken in einigen europäischen Ländern zu drosseln oder ganz herunterzufahren. Stark gestiegene Preise für Strom sowie Gas, Öl oder Kohle belasten nach Informationen von ntv auch deutsche Unternehmen wie die BASF und den Kupferproduzent Aurubis.

Eine Industrieanlage von BASF am Rheinufer in Ludwigshafen
Auch BASF treffen die hohen Energiepreise hart © Uwe Anspach/dpa/picture alliance

Energiekrise in Europa: Es könnte zu großflächigen Stromausfällen kommen

Es scheint auf absehbare Zeit keine Entwarnung zu geben. In seiner aktuellen Gasmarktübersicht sieht Goldman Sachs unter Verweis auf niedrige Speichervorräte, einem spärlich fließenden Nachschub und einer steigenden Nachfrage die Gefahr von großflächigen Stromausfällen im kommenden Winter, sollte dieser so kalt werden und lange dauern wie im vergangenen Jahr. Regierungen könnten demnach gezwungen sein, einzelne Industriezweige zu schließen.

Die Energiekrise trifft ganz Europa. Nicht nur Deutschland stöhnt über hohe Strompreise. So sind diese in Italien allein im letzten Quartal um 20 Prozent gestiegen, im Herbst könnte laut italienische Umweltminister Roberto Cingolani weitere 40 Prozent hinzukommen. Italien hat zudem die staatlich regulierten Gaspreise erhöht und weitere Preiserhöhungen angekündigt. In Spanien hat sich der Strompreis im ersten Halbjahr sogar verdreifacht.

Energiekrise in Europa: Windflaute lässt Kohlverstromung wieder steigen

Erschwerend kommt hinzu, dass Teile Europas zuletzt von einer ungewöhnlichen Windflaute betroffen waren, auch Deutschland. Das Statistische Bundesamt meldet, dass hierzulande im ersten Halbjahr 2021 die Stromeinspeisung aus Windkraft um 21 Prozent geringer war als im Vorjahreszeitraum. Die Kohle dagegen erlebt ein Revival. Mit plus 35,5 Prozent verzeichnete der Strom aus Kohlekraftwerken den höchsten Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Kohle machte damit 27,1 Prozent der insgesamt eingespeisten Strommenge aus.

Die steigende Kohleverstromung führt zu einem Teufelskreis. Denn weil Braunkohlekraftwerke besonders viel CO2 ausstoßen, zog auch der Preis für CO2-Emissionszertifikate an, was wiederum alle Arten fossiler Energieerzeugung verteuert.

Energiekrise in Europa: Aufschwung wird ausgebremst

Doch nicht nur die steigenden Energiekosten treffen die europäischen Unternehmen. Der Aufschwung nach der Corona-Krise wird auch durch Versorgungsengpässe gebremst, zum Beispiel bei Mikrochips.

Die ganze Entwicklung hat auch Folgen für die Verbraucherpreise, die unaufhaltsam steigen. Angesichts der hohen Inflationsrate schlagen sogar Politiker Alarm*.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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