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Energiekrise: Vorschlag zu Energie-Soli der «Wirtschaftsweisen» löst Debatte aus

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Steigende Heizkosten in Deutschland
Steigende Heizkosten © IMAGO/Revierfoto

Die «Wirtschaftsweisen» schlagen laut Medienberichten zur Finanzierung der Energiekrise befristet einen höheren Spitzensteuersatz oder einen Energie-Solidaritätszuschlag für Besserverdienende vor.

Berlin - Das hat am Dienstag eine breite Debatte ausgelöst. Über den Vorschlag des Sachverständigenrates, der die Bundesregierung berät, berichtete zuerst die «Süddeutsche Zeitung». Auch das «Handelsblatt» zitierte aus dem Jahresgutachten, das am Mittwoch vorgelegt wird. Ein höherer Spitzensteuersatz oder ein Energiesoli für Besserverdienende würden dazu beitragen, die «Zielgenauigkeit des Gesamtpakets aus Entlastungen und Belastungen zu erhöhen und zu signalisieren, dass die Energiekrise solidarisch bewältigt werden muss», heißt es laut den Berichten im Gutachten. Demnach werden zudem Steuerpläne von Finanzminister Christian Lindner (FDP) zur kalten Progression kritisiert. Außerdem solle die Atomkraft vorübergehend länger genutzt werden.

Die Bundesregierung hat zur Abfederung der hohen Energiekosten einen 200 Milliarden Euro umfassenden «Abwehrschirm» beschlossen, der aus Schulden finanziert wird .Der Bund der Steuerzahler kritisierte, die Gedankenspiele des Sachverständigenrats seien «hochgefährlich». Der von Lindner geplante Abbau der kalten Progression sei kein Steuergeschenk, sondern verhindere unzulässig steigende Einkommensteuer-Lasten.

Reinhold von Eben-Worlée, Präsident der Familienunternehmer, erklärte, die Einkommensteuer sei die Steuer des Mittelstands. «Nicht allein gutverdienende Angestellte und Beamte werden durch sie besteuert, sondern auch die Zigtausenden von Unternehmern, die gerade verzweifelt versuchen, ihre Firmen und damit Hunderttausende ihrer Arbeitsplätze durch die Energiekrise zu retten. Der Vorschlag der Wirtschaftsweisen, gerade jetzt den Mittelstand höher zu besteuern, ist eine Anleitung zur fiskalen Sterbehilfe.»

Dagegen kann sich SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert einen
Energie-Soli zur Gegenfinanzierung der Entastungspakte gut
vorstellen. Der Sachverständigenrat habe ja keine dauerhaften
Erhöhungen vorgeschlagen, sondern lediglich begrenzte
Gegenfinanzierungsmaßnahmen - und darüber müsse man
auch mit der FDP reden können, sagte er dem Fernsehsender «Welt».

Zustimmung kam auch von den Grünen. «Aus grüner Sicht ist eine höhere
Besteuerung der Topverdienenden sinnvoll, es ist allerdings kein
Geheimnis, dass es bis zu diesem Bericht keine ausreichende
Mehrheit für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes oder
sonstiger neuer Steuern gegeben hat», sagte die finanzpolitische
Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Beck, dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die FDP lehnte Steuererhöhungen strikt ab. «Wir werden keine Mehrbelastung vornehmen», sagte der stellvertretende Parteichef Johannes Vogel dem RND. So sei es im Koalitionsvertrag vereinbart. (dpa)

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