Energiepreise: Warum der arabische Ölhahn nun klemmt

München - Verpufft. Weiter steigende Energiepreise waren das Ergebnis des Krisengipfels von Dschidda. Für viele Experten kam das nicht überraschend. Denn der arabische Ölhahn könnte dauerhaft klemmen.

Die erhoffte Signalwirkung des Öl-Krisengipfels vom Wochenende an die Rohstoffmärkte ist trotz der angekündigten Ausweitung der Fördermengen ausgeblieben. Die Ölpreise legten weiter zu. Experten bezweifelten, dass sich die Ausweitung der Öl-Liefermengen wie geplant umsetzen lässt. Zahlreiche Länder förderten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze.

Ein Barrel US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung kostete gestern Mittag 136,01 Dollar. Das waren 0,66 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August stieg zum Wochenstart um 0,64 Dollar auf 135,50 Dollar. Unterdessen hofft der ADAC zumindest mittelfristig auf sinkende Kraftstoffpreise. In nächster Zeit sei aufgrund der Urlaubssaison aber kaum mit Preissenkungen an den Tankstellen zu rechnen. Zum Wochenstart lagen die Benzinpreise erneut leicht über 1,50 Euro, die Dieselpreise knapp darunter.

Mehrere arabische Golfstaaten hatten auf dem Öl-Krisengipfel in Dschidda ihre Bereitschaft signalisiert, mehr Öl zu fördern als bisher. Gleichwohl wiesen die Förderstaaten die Schuld an den hohen Ölpreisen zurück und warnten vor hohen Erwartungen. Verantwortlich für die Preisexplosion beim Rohöl seien die steigende Nachfrage, hohe Steuern in Industrieländern und Spekulationen, hieß es.

Der Rohstoffexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts Instituts (HWWI), Klaus Matthies, hegt Zweifel, dass sich die Fördermenge des weltweit größten Anbieters Saudi-Arabien rasch spürbar ausweiten lässt. "Ich sehe es eher als Bemühen, denn als ernsthafte Absicht, weil die Mittel fehlen", sagte er. Neue Produktionsanlagen könnten aufgrund des technischen und finanziellen Aufwands nur mittel- und langfristig hinzukommen. Eine Ausweitung der weltweiten Öl-Förderung hält auch der Energieexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gernot Klepper, für kaum umsetzbar.

Weiter steigende Preise erwartet der RWE-Manager Fritz Vahrenholt. Beim nächsten Aufschwung werde der Preis auf 250 Dollar steigen und der Benzinpreis in Deutschland dann 2,50 Euro pro Liter erreichen, sagte er.

"Wir wissen, dass alle Staaten der Ölförderländer am Anschlag produzieren", sagte er. Selbst wenn Saudi-Arabien noch etwas zulegen könne, entspreche das "gerade mal dem, was China in einem Jahr zusätzlich verbraucht. Wir finden ein Barrel Öl und verbrauchen drei", meinte Vahrenholt. Er forderte deshalb ein Umdenken der Politik. Braunkohle und Erdgas könnten zu Benzin verarbeitet werden, um die Mobilität zu sichern. Für die Stromerzeugung bedeute das ein "Ja zur Kernenergie".

Der Öl-Krisengipfel ist nach Einschätzung des Chefstrategen der Bank SEB, Klaus Schrüfer, zwar keine Enttäuschung, "die zum Teil recht vagen Absichtserklärungen großer Förderländer zur Produktionsausweitung kann man aber nicht als Durchbruch bezeichnen", sagte er. "Die Signale für höhere Ölförderung werden den Ölmarkt nicht merklich entlasten." Auch seiner Ansicht nach gibt es kaum verfügbare Kapazitäten.

Die Förderländer sind nach Ansicht von Matthies allerdings auch nicht sorgenfrei: "Saudi-Arabien macht sich Gedanken um die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten." Denn die Abnehmerländer investierten inzwischen verstärkt in alternative Energien, um unabhängiger zu werden. Gleichzeitig hätten die Öl-Exporteure ein Interesse daran, dass die USA und Westeuropa nicht in eine Rezession abrutschen, da sie selbst viel Geld dort investiert hätten. 

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