Energieriesen klotzen bei Investitionen

- Berlin - Die deutsche Energiebranche hat beim Energiegipfel im Bundeskanzleramt gewaltige Investitionen in Aussicht gestellt. 70 Milliarden Euro sollen in den kommenden sechs Jahren in die Erneuerung der Stromnetze und in die Energieerzeugung fließen.

Allein Deutschlands größter Stromerzeuger RWE versprach elf Milliarden Euro bis zum Jahr 2012. "Das ist nicht nur eine Menge Geld, sondern auch praktizierte Versorgungssicherheit", sagte RWE-Chef Harry Roels nach dem Treffen am Montagabend.

Was Roels allerdings verschweigt: Die Investitionen sind schon lange geplant und vor allem bitter nötig. "Der Netzausfall vor wenigen Monaten in Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, wie dringend die Investitionen sind", heißt es im Umfeld des Konzerns. RWE habe sich wie Konkurrent Eon in den vergangenen Jahren mit Aufwendungen für seinen Kraftwerkspark und die Netze zurückgehalten. Börsenexperten weisen darauf hin, dass dies auch am Druck der Kapitalmärkte liege, eine möglichst hohe Dividende auszuschütten. Eon und RWE wollen für 2005 Rekordsummen ausschütten.

Die Vorstandschefs von RWE, Eon, Vattenfall Europe und auch EnBW hätten sich bei dem Treffen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederholt für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke ausgesprochen. Merkel habe zwar die Diskussion abgeblockt, doch seien die Laufzeiten nicht vom Tisch, berichten Teilnehmer. "Das Thema wird uns bei dem nächsten Treffen im September wieder beschäftigen", hieß es. Bislang wollen Merkel wie auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) an dem von der Vorgängerregierung ausgehandelten Atomausstieg festhalten.

"Die Konzerne sind aber zuversichtlicher geworden, dass die Atomkraftwerke länger laufen werden", hieß es im Umfeld von RWE und Eon. Die Chancen dafür schätzen die Unternehmen mittlerweile bei über 50 Prozent ein. Das eindringliche Werben hat einen Grund, denn die Atomkraftwerke sind weitgehend abgeschrieben und fahren daher enorme Gewinne ein. Allein Biblis A soll RWE einen Gewinn von 300 Millionen Euro jährlich bescheren. Das Kraftwerk soll wie zwei weitere in der laufenden Legislaturperiode abgeschaltet werden. Für RWE-Chef Roels ein Grund mehr, für längere Restlaufzeiten für seine Gewinnbringer zu werben.

An der Börse sorgte der anhaltende Streit um die Kernkraftwerke gestern für einen Kursabschlag bei den Aktien von RWE und Eon. Profitieren konnten im Gegenzug die Aktien der Solarbranche. Die Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien wollen den Ausfall der Kernenergie "mit eigenen Kapazitäten ausgleichen" und rund 40 Milliarden Euro investieren. Für Solarworld-Chef Frank Asbeck ist diese Mammutaufgabe zu stemmen. "Die Investitionen könnten auch höher liegen", sagte er. Darüber hinaus könne Deutschland mit der Stromerzeugung aus Sonne und Windkraft auch unabhängiger von Energieimporten werden.

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