Energiesparen beim Bau: Staat zahlt mit

Telefonaktion: - Je höher die Energiekosten steigen, umso größer wird der Anreiz zum Sparen. Besonders viel Einsparpotenziale gibt es beim energiebewussten Bauen. Das Schöne: Der Staat zahlt dafür in vielen Fällen mit. Die Experten Inga Schauer von der KfW Förderbank, Matthias Schütt, Energieberater aus München, und Günther Hanke von der Energieberatung Oberbayern berieten unsere Leser über die Details.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Unser Zweifamilienhaus wurde Ende der 60er-Jahre gebaut. Jetzt wollen wir die Fassade und die Dachgeschossdecke dämmen und die Fenster erneuern. Wie wird das gefördert?

Ihr Vorhaben entspricht den Anforderungen für das sogenannte "Maßnahmepaket 4" aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW. Damit können Sie einen Zuschuss in Höhe von fünf Prozent der förderfähigen Investitionskosten bekommen, maximal 2500 Euro pro Wohneinheit.

Wir sind mehrere Eigentümer in einem Haus. Jetzt soll die Fassade gedämmt werden. Aber nicht alle Eigentümer wollen sich an den Kosten beteiligen. Was ist zu tun?

Für Ihr Problem sollten Sie Rechtsbeistand nutzen. Da die Fassade Gemeinschafts eigentum ist, müssen alle Mitglieder mit geplanten Sanierungsmaßnahmen einverstanden sein. Normalerweise gibt es dafür die sogenannte Teilungserklärung, die Bestandteil der einzelnen Kaufverträge sein müsste. Darin ist geregelt, wie mit dem Gemeinschaftseigentum umzugehen ist.

Was sollte man bei der Installation von Solarkollektoren beachten?

Optimal sind eine Ausrichtung nach Süden und ein Dachneigungswinkel von 35 Grad. Entscheidend ist auch der richtige Speicher im Keller. Es gibt zwei verschiedene Bauweisen von Kollektoren: Flachkollektoren und Röhrenkollektoren. Letztere haben einen höheren Wirkungsgrad, sind aber teurer. Sie sollten einen Fachmann hinzuziehen, um herauszufinden, was im konkreten Fall den meisten Sinn macht.

Sind Objekte, die zur einen Hälfte wohnwirtschaftlichen und zur anderen Hälfte gewerblichen Zwecken dienen, ebenfalls mit dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm förderfähig?

Förderfähig sind nur jene Investitionen, die sich auf den wohnwirtschaftlichen Teil des Gebäudes beziehen, und zwar im Verhältnis der Wohnfläche zur gewerblichen Nutzfläche.

Wir wollen ein Haus aus dem Jahre 1977 kaufen. Vom Vorbesitzer wissen wir, dass die Energiekosten ziemlich hoch sind. Wie können wir die senken?

Zunächst sollten Sie sich einen Energieberater suchen, der Ihr zukünftiges Haus checkt. Zum einen finden Sie so heraus, was im Einzelnen zu machen ist, um Kosten zu sparen, zum anderen können Sie möglicherweise den Kaufpreis drücken und kaufen nicht die Katze im Sack.

Früher hat man ja mit sechs Zentimetern gedämmt. Mein Bekannter meinte, das sei heutzutage nicht mehr üblich. Stimmt das?

Ja. Dämmdicken zwischen sechs und acht Zentimeter sind nicht mehr angebracht. Heute sind die gesetzlichen Anforderungen an die Energieeinsparung höher. Eine optimale Dämmstoffdicke liegt zwischen zwölf und sechzehn Zentimetern. Was konkret zu empfehlen ist, kann der Gebäudeenergieberater herausfinden. Einen solchen Berater in Wohnortnähe finden Sie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unter www.bafa.de. Dort sind die Berater nach Postleitzahlenbereichen gelistet.

Was gehört eigentlich zu einer Energieberatung, wie viel kostet so etwas, und hat man dann am Anschluss gleich den Energie-Pass in der Tasche?

Der Energieberater macht eine Bestandsaufnahme vom Zustand Ihres Hauses unter energetischen Gesichtspunkten. Er findet heraus, was geändert werden müsste und plant mit Ihnen die entsprechenden Maßnahmen. Die durchschnittlichen Kosten für eine solche Beratung liegen bei 300 bis 500 Euro für ein Einfamilienhaus. Der Energie-Pass ist nicht automatisch Resultat dieser Aktion. Aber Sie können ihn mit in Auftrag geben.

Kann man sich die Kosten für den Energieberater fördern lassen?

Ja. Für ein Ein- und Zweifamilienhaus gibt es vom BAFA einen Zuschuss von 175 Euro, für Mehrfamilienhäuser einen Zuschuss von 250 Euro. Den Antrag stellt der Berater, er bekommt auch das Geld und verrechnet es dann mit seinen eigenen Kosten.

Wir wollen einen sanierten Altbau kaufen und verlangen vom Verkäufer einen Energie-Pass. Worauf sollte man achten?

Es sollte auf jeden Fall ein bedarfsorientierter Energie-Pass sein. Das heißt, es handelt sich um einen theoretischen Bedarfswert, der aber bundesweit vergleichbar ist. Ein  verbraucherorientierter Pass orientiert sich dagegen am Verbrauch der vormaligen Nutzer in den letzten drei Jahren und muss nicht unbedingt Ihrem eigenen Verbrauchsverhalten entsprechen. Wenn Ihr Vorgänger beispielsweise den Winter über mit Mantel und Hut im Wohnzimmer saß, hat er wahrscheinlich Heizenergie gespart. Das muss ja nun nicht unbedingt Ihrem Wohnverhalten entsprechen.

Wir planen, Sanitär installationen vornehmen zu lassen, Fenster und Fußböden zu erneuern und das Dach zu dämmen. Wie kann das gefördert werden?

Dafür können Sie beispielsweise ein Darlehen aus dem KfW-Programm "Wohnraum Modernisieren" in Anspruch nehmen. Die Dachdämmung kann mit einem Kredit aus der Variante "Öko Plus" - höchstens 50 000 Euro pro Wohneinheit ­, die anderen Maßnahmen können mit der Variante "Standard" - höchstens 100 000 Euro pro Wohneinheit - finanziert werden.

Kann man für einen Anbau auch Förderdarlehen bekommen?

Sofern es sich um einen wohnwirtschaftlich genutzten Raum handelt, ja. Der darf jedoch nicht größer sein als 20 Prozent der bereits vorhandenen Wohnfläche. Infrage kommen für Wohnflächenerweiterung entweder Darlehen aus dem KfW-Programm Wohnraum Modernisieren, Variante "Standard" oder "Öko Plus". Geht es bei dem Anbau jedoch lediglich um eine Garage, ist keine Förderung möglich.

Wo muss man eigentlich die KfW-Fördermittel beantragen?

Die KfW-Darlehen werden immer bei der Hausbank beantragt. Die Beantragung der Zuschüsse hingegen erfolgt direkt bei der KfW. Notwendig ist dafür ein Sachverständigen-Gutachten, aus dem hervorgeht, dass Sie mit Ihren geplanten Maßnahmen tatsächlich Neubau-Niveau erreichen beziehungsweise darüber hinaus Energie einsparen. Wichtig ist: Der entsprechende Antrag muss immer vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Im Nachhinein geht nichts mehr.

Für die Fertigstellung unseres Neubaus suchen wir noch nach günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Das geplante Volumen reicht nicht. Kann man dafür Fördermittel in Anspruch nehmen?

Für die Fertigstellung eines Rohbaus können keine KfW-Fördermittel zum Einsatz kommen. Diese Fördergelder müssen immer vor Beginn des ersten Spatenstichs beantragt werden. Ihre Bank hätte das bereits in die Beratung einbeziehen müssen.

Welche Förderung kommt infrage, wenn wir an unserem 30 Jahre alten Einfamilienhaus Fassade und Dach dämmen?

Dafür können Sie Darlehen aus dem KfW-Wohnraum programm Modernisieren "Öko Plus-Variante" nutzen. Sollten Sie sich jedoch entschließen, beispielsweise noch die Kellerdecke zu dämmen, dann erfüllen Sie die Bedingungen für das "Maßnahmepaket 4" des KfW-Co2-Gebäudesanierungsprogramms. Dieses Förderdarlehen kann gewährt werden bis maximal 50 000 Euro pro Wohneinheit und hat derzeit einen Zinssatz von 2,52 Prozent effektiv bei einer Laufzeit von 20 Jahren. Bei 30-jähriger Laufzeit beträgt der Zins 2,68 Prozent effektiv. Erreichen Sie gar mit Ihren Maßnahmen Neubau-Niveau, können Sie einen Tilgungszuschuss von fünf Prozent des Zusagebetrages erhalten. Das heißt, Ihnen wird dieser Betrag nach Durchführung Ihres Bauvorhabens als Schuld erlassen.

In unser Haus soll eine Wärmepumpen-Anlage installiert werden. Ist das förderfähig?

Die Wärmepumpen-Anlage kann im Rahmen des Wohnraum-Modernisierungsprogramms "Öko Plus-Variante" finanziert werden, mit höchstens 50 000 Euro pro Wohneinheit. Der Zins beträgt derzeit bei 20-jähriger Laufzeit und zehnjähriger Zinsbindung 3,49 Prozent effektiv.

Wie und wo fängt man am besten an, wenn man ein altes Haus hat, welches viel Energie verbraucht?

Wenn Sie beispielsweise eine Komplett-Sanierung anstreben, um Neubau-Niveau zu erreichen, sollten Sie einen Architekten oder Gebäudeenergieberater zu Rate ziehen. Der kann Ihnen sagen, welches Niveau Ihr Haus jetzt hat, was gemacht werden muss, um das Niveau zu verbessern. Empfehlenswert ist dabei, ganzheitlich vorzugehen, damit Einspareffekte beispielsweise nicht durch undichte Fenster wieder verloren gehen.

Wir benötigen für die Komplett-Sanierung unseres Hauses kein Darlehen. Kann man trotzdem einen Zuschuss beantragen?

Ja. Es gibt die Zuschuss-Variante der KfW für umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen. Erreichen Sie Neubau-Nniveau nach EnEV, können Sie einen Zuschuss von zehn Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 5000 Euro je Wohneinheit beantragen. Unterschreiten Sie die Neubauwerte um 30 Prozent und mehr, beträgt der Zuschuss 17,5 Prozent, höchstens 8750 Euro pro Wohneinheit.

Weitere Informationen:

www.kfw-foerderbank.de www.energieberater-oberbayern.de www.energieberatung-muenchen.info www.bafa.de

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