+
Umstritten: Die künftig vorgeschriebenen Energiesparlampen haben eine Reihe von Nachteilen.

Energiesparlampen im Test

Licht und Schatten

Energiesparlampen werden europaweit zur Pflicht. Doch wie umweltfreundlich sind sie wirklich? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Auch Tests kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Manchmal ist es eine Frage der Einstellung. Während die Stiftung Warentest auf die hohe Lichtausbeute abstellt und in "Test" zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis kommt, bilanziert Öko-Test einen Vergleich der künftig vorgeschriebenen Leuchtmittel mit einem vernichtenden Urteil: "Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zur Glühbirne."

Weniger Licht

Dabei weichen nicht nur die Urteile ab. Auch die Frage, was Licht und was Schatten ist, wird unterschiedlich gestellt: Die Berliner Stiftung Warentest hat bei den meisten Lampen über 80 Prozent Stromersparnis getestet. Die Frankfurter Öko-Tester sehen das anders: Die wenigsten Birnen zwischen 10 und 12 Watt können es in ihren Augen mit einer 60-Watt-Glühlampe aufnehmen.

Das entspricht auch dem subjektiven Gefühl vieler Verbraucher. Das hat einen objektiven Grund: Von den Herstellern gemessen wird das Licht das nach allen Seiten abgegeben wird. Dabei schneiden Energiesparlampen gut ab. Doch in der Praxis richten viele Lampen das Licht (etwa durch einen Schirm), wobei Gasentladungslampen (um solche handelt es sich bei Energiesparlampen) klar im Nachteil sind. Das räumt indirekt auch "Test" ein: "Relativ schlecht schneiden Reflektor-Lampen ab", heißt es da. Osram bestätigte Öko-Test darüber hinaus, dass eine Sparlampe, wenn man sie nur um wenige Grad dreht, völlig andere Lichtwerte bringen kann.

Unter dem Strich kommt auch Ökotest zu einer Ersparnis. Doch beziffert die Zeitschrift diese lediglich auf 50 bis 70 Prozent. Eine Lampe, der Testverlierer "Swiss Lights Classic 68", verbrauchte sogar mehr Strom als die vergleichbare Glühbirne.

Daneben weist die ökologisch orientierte Zeitschrift auf Umweltnachteile hin, die bislang in der öffentlichen Diskussion keine gewichtige Rolle spielten:

In den Sondermüll

Ein gravierender Nachteil der Stromsparlampen ist ihr Gehalt an hochgiftigem Quecksilber. Deshalb gehören diese auf keinen Fall in den Hausmüll. Sie müssen als Sondermüll beseitigt werden.
Wenn Energiesparlampen - was vorkommen kann - zerbrechen, wird dies zum noch größeren Problem. Denn die Schadstoffe müssen vorsichtig aufgekehrt (nicht staubsaugen) in eine Tüte verpackt und ebenfalls als Sondermüll entsorgt werden.

Elektrosmog

Laut Öko-Test verbreiten Energiesparlampen neben dem Licht elektromagnetische Felder - auch Elektrosmog genannt. Die Werte liegen deutlich über denen, die für strahlungsarme Bildschirme vorgeschrieben sind. Erst ab einem Abstand von mehr als einem bis eineinhalb Metern sinken die Werte "auf ein tolerierbares Maß". Auch das Licht sei von geringerer Qualität. Öko-Test nennt Energiesparlampen einen "biologischen Risiko-Faktor".

Begrenzt haltbar

Dass Energiesparlampen jahrelang halten, kann sein, muss aber nicht. Das ergaben in der Tendenz beide Tests. Denn viele Birnen fielen vorzeitig aus. Nur eine Energiesparlampe von Megaman hielt die vollen 33 000 Stunden, mit der zum Vergleich getesteten Glühbirne mit. Birnen dieser Marke erwiesen sich auch in "Test" als die haltbarsten. Fast alle überlebten 210 000 Schaltzyklen. Alle gestesteten Birnen verloren aber systembedingt im Lauf des Test an Leuchtkraft. Einige hatten schon nach weniger als 2000 Stunden mehr als 20 Prozent ihrer Wirksamkeit eingebüßt, andere hielten über 15 000 Stunden durch. Hier erwiesen sich die teureren Markenlampen gegenüber Billigangeboten deutlich im Vorteil.

Gute ab zehn Euro

Eine Erklärung für die unterschiedlichen Gesamtaussagen der beiden Tests findet sich auch in der Auswahl der getesteten Lampen. Während das Feld bei Öko-Test bei einem Chinaprodukt für 94 Cent (Note ungenügend) beginnt und bei 9,45 für eine Schweizer Entwicklung - gebaut in Thailand - (Note ungenügend) endet, beginnt Test bei 1,33 Euro und endet bei 30 Euro. Fast alle von Test mit gut benoteten Lampen rangieren aber in einer Preisregion von 10 Euro oder darüber. Daher ist es gar nicht verwunderlich, dass in Öko-Test keine Lampe besser als befriedigend abschnitt.

Bei den drei Modellen, die in beiden Tests unter die Lupe genommen wurden, bekamen zwei in beiden Tests die gleichen Noten (eine befriedigend, eine ausreichend), eine Dritte, die bei der Stiftung Warentest befriedigend abschnitt, kam bei Öko-Test auf ein Ungenügend. Grund für die vernichtende Wertung war ein vorzeitiger Ausfall.

Martin Prem

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Wie gut ein Arbeitgeber bewertet wird, darüber entscheiden einer Umfrage zufolge vor allem Vergütung und Jobsicherheit. Karrierechancen oder die Vereinbarkeit von …
Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Frankfurt/Main (dpa) - Kunden der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect haben am Samstag über Stunden hinweg ihre Geldkarten nicht benutzen können. Ursache dafür waren …
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Berlin (dpa) - Der Verband der Auslandsbanken rechnet wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Tausenden neuen Stellen am Finanzplatz Frankfurt.
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?
Banken dürfen keine Geschäfte mit Terroristen oder Geldwäschern machen. Für Informationen nutzen sie Datenbanken wie World-Check. Doch die soll auch Unbescholtene als …
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?

Kommentare