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Ins Bankschließfach gehört das Testament nicht, raten die Experten. Denn nach dem Tod kommen die Erben vielleicht nicht an den Inhalt des Schließfachs.

Enterbte müssen Beerdigung nicht bezahlen

München - Was ist beim Erben und Vererben zu beachten? Dutzende Leser holten sich Rat während unserer Telefonaktion. Hier eine Zusammenfassung interessanter Fragen:

Mit meinem verstorbenen Ehemann habe ich ein gemeinsames Testament errichtet. Wir haben uns gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und beim Tod des Letztversterbenden unsere beiden Kinder als Erben bestimmt. Kann ich jetzt nochmals alleine ein Testament errichten und meine Tochter als Alleinerbin einsetzen?

Wenn in dem gemeinsamen Testament mit Ihrem Ehemann nicht ausdrücklich eine Klausel enthalten ist, wonach der Überlebende von Ihnen die Schlusserbeneinsetzung der Kinder abändern darf, ist ein neues Testament unwirksam. Es bleibt also bei der Erbeinsetzung beider Kinder. Unabhängig davon können Sie jedoch zu Lebzeiten über Ihr Vermögen frei verfügen, zum Beispiel eine Immobilie verkaufen und den Veräußerungserlös für sich verbrauchen. Lediglich Schenkungen, die die Erbenstellung der Kinder beeinträchtigen würden, sind nicht zulässig, es sei denn, diese Schenkung wäre durch ein besonderes Eigeninteresse gerechtfertigt, zum Beispiel weil Sie dadurch Ihre Versorgung und Pflege im Alter absichern wollen.

Muss ich als enterbte Tochter die Kosten der Beerdigung meines Vaters zahlen oder mein als Alleinerbe eingesetzter Bruder?“

Nein, die Kosten der Beerdigung des Erblassers muss immer der Erbe tragen.

Ein Freund von mir möchte mich als Erben einsetzen. Wie hoch wäre mein Erbschaftsteuerfreibetrag? Welche Formvorschriften gelten für sein selbstgeschriebenes Testament und sollte er es in seinem Bankschließfach hinterlegen?

Sie hätten als Erbe einen Erbschaftsteuerfreibetrag von 20 000 Euro. Das Testament muss eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein. Daneben sollte es Datum und Ort der Erstellung enthalten. Eine Hinterlegung im Schließfach ist nicht anzuraten, da im Erbfall möglicherweise keiner zeitnah an das Testament herankommt. Besser ist, es so zu hinterlegen, dass ein Vertrauter es finden und bei Gericht abliefern kann – wozu im Übrigen jeder gesetzlich verpflichtet ist, der ein Testament nach dem Erbfall findet. Wenn er ganz sichergehen will, dass niemand das Testament verschwinden lässt und es im Erbfall eröffnet wird, kann er es beim örtlichen Amtsgericht gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr hinterlegen.

Mein Vater hat wieder geheiratet (Zugewinngemeinschaft) und ein Kind mit seiner neuen Frau bekommen. Daneben hat er noch ein nichteheliches Kind, zu dem er keinen Kontakt hat. Er meint, daher würde dieses auch nichts erben. Ist das richtig?

Beim Tod Ihres Vaters würden seine jetzige Frau zur Hälfte und Sie und die beiden anderen Kinder Ihres Vaters je 1/6 erben. Wenn das nichteheliche Kind nicht Erbe werden soll, muss Ihr Vater ein Testament machen. Der Pflichtteilsanspruch – das ist ein Geldanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, also 1/12 – bliebe dem nichtehelichen Kind aber. Allein die Tatsache, dass Ihr Vater keinen Kontakt zu dem nichtehelichen Kind hat, reicht nicht aus, diesem den Pflichtteil zu entziehen.

Ich habe 16 Jahre mit einem Lebensgefährten in seinem Haus zusammen-gelebt. Ich sei nach seinem Tod versorgt, versprach er mehrfach. Kurz vor seinem Tod errichtete er ein Testament, in dem er seine beiden Söhne je hälftig zu Erben einsetzte. Habe ich irgendwelche Ansprüche?

Erbrechtlich sicher nicht, da hätten Sie sich rechtzeitig durch einen notariellen Erbvertrag absichern sollen. Wenn sie in das Haus investiert haben, zum Beispiel im Zusammenhang mit Sanierungs- oder Verschönerungsmaßnahmen, wäre jedoch daran zu denken, Ihnen gegenüber den Erben Ausgleichsansprüche wegen des sogenannten Wegfalls der Geschäftsgrundlage zuzusprechen. Sie müssten dann nachweisen, dass Sie und Ihr Partner seinerzeit davon ausgingen, dass die Investitionen zumindest auch mit Blick auf ein zukünftiges Erbe erfolgten.

Wir haben ein Berliner Testament errichtet, fürchten aber Pflichtteilsansprüche unserer Kinder. Was sollen wir tun?

In der Tat: Berliner Testament bedeutet ja, dass der überlebende Ehepartner zunächst Alleinerbe ist. Die Kinder sind im ersten Erbfall enterbt und haben Pflichtteilsansprüche. Will man solche vermeiden, könnte man mit den Kindern bereits jetzt einen notariellen Pflichtteilsverzichtsvertrag schließen, mit oder ohne Abfindung. Man könnte im Testament auch festlegen, dass die Kinder beim Tod des zweiten Elternteils nur den Pflichtteil (statt des vollen Erbteils) bekommen, sollten sie im ersten Erbfall ihren Pflichtteil verlangen. Eine Entschärfung des Pflichtteilsproblems wird auch erreicht, wenn man bei einer lebzeitigen Schenkung an die Kinder mit diesen vereinbart, dass die Schenkung auf spätere Pflichtteilsansprüche anzurechnen ist.

Man hat uns geraten, unseren letzten Willen in Form eines notariellen Erbvertrages zu Papier zu bringen. Ist das vernünftig?

Vorsicht! Der Erbvertrag bindet, ohne Zustimmung Ihres Vertragspartners kommen Sie aus dem Versprechen nicht mehr heraus. Und mit dem könnten Sie sich nach Abschluss des Vertrags überwerfen. Erbvertrag also nur in Ausnahmefällen. Errichten Sie lieber ein Testament, das können Sie jederzeit ändern.

Ich habe meine Mutter jahrelang gepflegt. Nun hat sie am Ende ihres Lebens in gerade noch testierfähigem Zustand meine beiden Schwestern zu Erbinnen eingesetzt. Was kann ich verlangen?

Für die Pflegeleistungen in der Regel nichts, weil Sie dafür nur etwas bekommen, wenn Ihre Mutter kein Testament gemacht hat. Aber Ihnen steht natürlich der Pflichtteil zu. Bei den Pflegeleistungen ist zu empfehlen, dass Sie, wenn Sie über das Übliche hinausgehen, bereits lebzeitig irgendwie vergütet werden.

Entsteht bei der Übertragung eines bisher vermieteten Wohnhauses auf meinen Sohn Schenkungsteuer, wenn dieser das Haus künftig mit seiner Familie bewohnen möchte?

Die Grundstücksschenkung an den Sohn ist steuerpflichtig. Bei Grundstücksschenkungen an Kinder besteht auch dann keine Steuerbefreiung, wenn diese die Immobilie für eigene Wohnzwecke nützen. Eine Schenkungsteuer entsteht jedoch nur dann, wenn der steuerliche Grundbesitzwert der Immobilie den persönlichen Freibetrag in Höhe von 400 000 Euro übersteigt. Der Immobilienerwerb durch Kinder ist nur im Erbfall steuerfrei, sofern der Erblasser die Immobilie für eigene Wohnzwecke genutzt hat und das Kind unverzüglich eine Selbstnutzung vornimmt.

Ist es steuerlich zu empfehlen, Eigentumswohnungen unmittelbar den Enkeln zu übertragen?

Bei erheblichen Vermögenswerten kann es durchaus sinnvoll sein, durch einen sogenannten Generationensprung bestimmte Vermögenswerte unmittelbar auf die Enkel zu übertragen, da dadurch eine Mehrfachbelastung der Übertragungsvorgänge mit Schenkungsteuer vermieden bzw. reduziert werden kann. Dabei ist wichtig, dass die Enkel einen Freibetrag in Höhe von 200 000 Euro haben.

Meine Frau und ich besitzen eine Eigentumswohnung, die wir selbst bewohnen. Im Grundbuch stehen wir beide zur Hälfte als Eigentümer. Kinder haben wir nicht. Macht es für uns Sinn, ein Testament zu errichten.

Auf jeden Fall müssen Sie und Ihre Ehefrau ein Testament errichten, in dem Sie sich gegenseitig zu Alleinerben des Erstversterbenden von Ihnen einsetzen. Ohne Testament tritt nämlich die gesetzliche Erbfolge ein, das heißt, der andere Ehegatte wird nicht Alleinerbe, sondern er erbt zusammen mit den Verwandten des verstorbenen Ehegatten, die dann als Miterben auch im Grundbuch eingetragen werden. Durch die gegenseitige Erbeinsetzung in einem Testament wird dies verhindert. Das Testament können Sie einfach und schnell errichten. Einer von Ihnen schreibt handschriftlich den Testamentstext und unterschreibt ihn, der andere muss lediglich mitunterzeichnen.

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