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Wirbel um 9-Euro-Ticket - Diese Probleme gibt es vor dem Start

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Von: Patricia Huber

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 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn
Bevor das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket an den Start gehen kann, müssen noch ein paar Probleme gelöst werden. © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

Mit dem 9-Euro-Ticket will die Bundesregierung Verbraucher entlasten und mehr Menschen zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs motivieren. Doch schon vor dem Start gibt es Probleme.

Berlin - Neun Euro bezahlen und damit den ganzen Monat lang mit dem Regionalverkehr kreuz und quer durch Deutschland fahren. Für Verbraucher klingt das wie der wahr gewordene ÖPNV-Traum - für die Organisatoren und Betriebe jedoch eher wie ein Alptraum. Denn bevor das von der Bundesregierung geplante 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket an den Start gehen kann, müssen noch zahlreiche zentrale Fragen geklärt werden.

9-Euro-Ticket: Wer soll das bezahlen?

Der wohl größte Problempunkt: die Finanzierung. Hier werden Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern hin und her geschoben. Der Bund hat zugesagt, den Ländern - die für den Nahverkehr zuständig sind – 2,5 Milliarden Euro Einnahmeausfälle zu erstatten und 1,2 Milliarden Euro für den pandemiebedingten Rettungsschirm zu bezahlen. Insgesamt erhalten die Länder also 3,7 Milliarden Euro Hilfen.

Es gibt jedoch zwei große Knackpunkte. Zum einen warnte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer, Risiken beim 9-Euro-Ticket dürften nicht auf die Länder übertragen werden - für den Fall, dass die Mindereinnahmen die Summe der Bundesanteile von insgesamt 3,7 Milliarden Euro übersteigen. Deswegen müsse es bei den geplanten Änderungen des Regionalisierungsgesetzes eine „Nachschusspflicht“ des Bundes geben.

Der andere Knackpunkt: Die Länder wollen 2022 zusätzliche Regionalisierungsmittel von 1,5 Milliarden Euro - um die stark gestiegenen Energie-, Bau- und Personalkosten im öffentlichen Personennahverkehr ausgleichen zu können. Der FDP-Politiker Volker Wissing lehnt die Forderung nach einem Ausgleich für höhere Energiepreise ab. Er verweist darauf, dass auch die Länder und der Nahverkehr von Entlastungen profitierten, beispielsweise von der geplanten befristeten Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Die Kostenfrage bei Bund und Ländern ist also noch nicht endgültig geklärt.

9-Euro-Ticket: Wo wird es erhältlich sein

Außerdem ist noch nicht ganz klar, wie Verbraucher an das Ticket kommen sollen. Anfangs war geplant, das Ticket lediglich online zu verkaufen - auch um die Digitalisierung voranzutreiben. Doch schnell wurde klar: Menschen ohne Internet-Zugang wären damit ausgeschlossen. Daher soll das 9-Euro Ticket sowohl am Automaten, als auch auf einer bundesweiten Ticketplattform erhältlich sein, erklärt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in einer Pressemitteilung.

9-Euro-Ticket trotz Monatskarte: Profitieren auch Abo-Kunden?

Für treue Bahn-Kunden, welche beispielsweise ein Monatsticket Abo haben, stellt sich die Frage, ob sie nun die großen Verlierer sind. Doch für Abonnenten soll es laut VDV einen „Treuebonus“ geben. Abokunden sollen sich um nichts kümmern müssen. Das 9-Euro-Monatsticket soll verrechnet werden - über eine Verringerung des Bankeinzugs oder eine Erstattung. Andernfalls war die Befürchtung, dass viele Kunden ihre Abos kündigen könnten. Auch für Semestertickets soll es eine Lösung geben.

Sorgt das Schnäppchen-Ticket für überfüllte Züge?

Das Ticket soll am 1. Juni starten, das ist ein Mittwoch - am Wochenende darauf ist Pfingsten. Das macht es möglich, für ein langes Wochenende mit dem Regionalexpress für 9 Euro zum Beispiel von Berlin aus an die Ostsee zu fahren, das ist dann deutlich günstiger. Oder man fährt statt mit einem erheblich teureren ICE oder IC mit einer oder mehreren Regionalbahnen von A nach B.

Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte bereits vor übervollen Zügen auf touristisch beliebten Strecken. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann sagte der „Rheinischen Post“, dafür müssten mehr Züge bestellt werden. VDV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte, falls es zu übervollen Zügen komme, sei es schwierig, zusätzliche Züge anzubieten. „Mit diesem Umstand werden Bund und Branche gemeinsam umgehen müssen.“ Es gebe schlicht nicht mehr Kapazitäten.

Bahn Gewerkschafts-Chef rechnet mit Chaos: „Überlastung des Systems bis hin zum Stillstand“

Der Vorsitzende der Bahn-Gewerkschaft EVG, Klaus Hommel, warnte am Mittwoch vor Chaos durch das 9-Euro-Ticket: „Ich rechne mit Räumungen überfüllter Züge und wegen Überlastung gesperrten Bahnhöfen.“ Kein Bahn-Unternehmen sei bislang ausreichend auf den zu erwartenden Andrang der Kunden vorbereitet. Hommel erklärt, es würde sogar mit dem Super-Gau gerechnet: „Wir fürchten eine Überlastung des Systems bis hin zum Stillstand.“

Der VDV rechnet nach einer ersten vorsichtigen Schätzung damit, dass insgesamt 30 Millionen alte und neue Fahrgäste das Ticket nutzen, Ziel der Ampel-Koalition ist es, dass möglichst viele Autofahrer umsteigen, allerdings gilt das Ticket nun mitten in der Ferienzeit. (ph/dpa)

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