"Entscheidend ist nicht Made in Germany"

- Berlin - Im Kostenstreit bei Daimler-Chrysler schlägt die IG Metall zurück. Marketing-Experten verteidigen den Schritt. Daimler-Chrysler müsse auch keinen Image-Verlust durch eine Verlagerung fürchten.

<P>Der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann wirft dem Management vor, die "sozialpartnerschaftliche Kultur des Unternehmens zu zerstören". Mit der Drohung, die Fertigung der C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlagern, wenn die Arbeitnehmer nicht Einbußen im Wert von 500 Millionen Euro hinnehmen, verabschiede sich das Unternehmen vom Prinzip der "einvernehmlichen Maßnahmen", sagte Hofmann dem Berliner "Tagesspiegel".<BR><BR>Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer verteidigte Daimler-Chrysler. Nur durch eine Verlängerung der Arbeitszeiten auf 40 Stunden könne die deutsche Fahrzeug-Branche ihre Konkurrenzfähigkeit sichern. "Nur so kann es gelingen, die Arbeitsplätze im Vergleich zu Osteuropa stabil zu halten", sagte Dudenhöffer. Vielfach seien die Beschäftigten in Osteuropa auch hoch qualifiziert. <BR><BR>Nach Berechnungen des Forschers der Gelsenkirchener Fachhochschule sind in den vergangenen 15 Jahren bereits rund 100 000 Arbeitsplätze aus der deutschen Automobilindustrie nach Osteuropa verlagert worden. Neben geringeren Lohnkosten lockten die Unternehmen dort vor allem niedrige Steuersätze, die etwa in Ungarn bei nur der Hälfte der deutschen Sätze lägen.<BR><BR>Organisatorisch sei eine Verlängerung der Arbeitszeiten für die Hersteller kein Problem. "Es geht derzeit vielmehr um eine Verlängerung der Maschinenlaufzeiten", sagte Dudenhöffer. Künftig müsse es möglich sein, die Produktionsanlagen 24 Stunden pro Tag an 365 Tagen im Jahr auszulasten.<BR>Der Verband der deutschen Automobilindustrie widersprach indes "der abwegigen Vorstellung, man könnte etwa die Fertigung in Niedriglohnländer verlagern und sich in Deutschland auf die Beschäftigung von Ingenieuren in der Forschung konzentrieren", so VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Kein Tabu sollte aber die Streichung von Pausen, Zuschlägen und einzelner Urlaubs- und Feiertage sein.<BR><BR>Bei einem Markenprodukt wie einem Mercedes-Pkw sind nach Einschätzung des Marketing-Experten Volker Nickel der gute Ruf und die Qualität wichtiger als der Herstellungsort: "Entscheidend ist nicht Made in Germany, sondern Made by Mercedes-Benz - darum geht es." <BR></P><P><BR> </P>

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