Stunde der Wahrheit im Metall-Tarifstreit naht

Sindelfingen - Er bleibt zäh, der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie. Am Freitag wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft nun einen neuen Lösungsversuch starten.

Im Tarifstreit für die bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie naht am Freitag die Stunde der Wahrheit. Im möglichen Pilotbezirk Baden-Württemberg ringen die Verhandlungsführer von der Gewerkschaft IG Metall in der fünften Gesprächsrunde noch einmal mit den Arbeitgebern um eine Lösung. Sollte sich dabei keine Annäherung abzeichnen, droht Deutschlands Schlüsselbranche der erste groß angelegte Arbeitskampf seit zehn Jahren. Bisher gibt es nur Warnstreiks.

Südwestmetall-Chef Rainer Dulger zeigte sich aber vor der Fortsetzung der Gespräche in Sindelfingen bei Stuttgart optimistisch, dass ein Abschluss gelingt. “Ich gehe mit Zuversicht und dem festen Willen zur Einigung in die Verhandlung“, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber der “Frankfurter Rundschau“ (Freitag). “In den bisherigen Gesprächen haben wir in vielen wesentlichen Fragen eine substanzielle Annäherung erreicht.“ Es wäre daher “unverantwortlich und skandalös“, wenn es trotzdem einen Streik geben würde, sagte Dulger.

Am Mittwoch hatten die beiden Tarifpartner das Treffen nach einem fast 20-stündigen Sitzungsmarathon vertagt, ohne an den zentralen Knackpunkten echte Fortschritte erzielt zu haben, wie IG-Metall- Bezirksleiter Jörg Hofmann gesagt hatte. Er stellt auch klar, dass die Wende am Freitag hermüsse, um ein Scheitern der Verhandlungen noch abzuwenden und als Folge Urabstimmungen über einen unbefristeten Arbeitskampf zu verhindern. Zuletzt hatte es tagelange Streiks bei den Metallern im Jahr 2002 gegeben. Ein möglicher Ausstand könnte schon Pfingsten starten.

Die Arbeitnehmer wollen neben 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten auch die unbefristete Übernahme aller fertig ausgelernten Auszubildenden durchboxen und als dritte Forderung mehr Macht bei der Regelung von Leiharbeit erkämpfen. Die Arbeitgeber bieten bisher knapp 3 Prozent mehr Geld für 14 Monate.

Bei der Azubi-Übernahme und der Leiharbeit signalisierte Dulger vor den Gesprächen aber Kompromissbereitschaft. “Die unbefristete Übernahme möglichst vieler Ausgebildeter ist auch unser Ziel“, sagte er der “Frankfurter Rundschau“. “Und wir wenden uns auch nicht gegen faire Regelungen zur Zeitarbeit.“ Wichtig sei aber, dass Betriebe weiterhin flexibel handeln könnten.

dpa

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