Entscheidung per Kauforder: Märkte nahmen Bush-Sieg vorweg

- München - Auch wenn das Ergebnis offiziell nicht feststeht, haben die Märkte den Sieger der US-Präsidentenwahl gekürt: George Bush. In der Annahme, dass der neue Präsident der alte ist, blieben die Reaktionen milde. Nur bei längerer Unsicherheit über den Ausgang der Wahl würden die Finanzexperten kalte Füße bekommen.

<P>"Die Märkte unterstellen, dass George Bush gewonnen hat", erklärt Gerhard Schwarz, Leiter Anlagestrategie der HypoVereinsbank. Ein Sieg des Herausforderers John Kerry sei rechnerisch möglich. Er werde aber als eher unwahrscheinlich angesehen. Und das ermunterte die Börsianer.</P><P>Aktien</P><P>Der Dax stieg am Morgen nach der US-Wahl um fast ein Prozent auf 4073 Punkte. In den USA stieg der Dow-Jones-Index nach Handelsstart um 1,7 Prozent auf über 10 200 Punkte. "Wenn der Amtsinhaber wiedergewählt wird, weiß man, womit man zu rechnen hat. Es gibt daher die Tendenz zu einem Vertrauensvorschuss. Das könnte den Börsen auf Sicht einiger Tage einen moderat positiven Impuls geben", urteilt HVB-Experte Schwarz. Langfristig sei aber nicht mit einem nennenswerten Einfluss an den Börsen zu rechnen. "Die Investoren müssen nun ihre Portfolios kaum umschichten", heißt es auch in einer Analyse des Bankhauses Sal. Oppenheim. Die Bank hält am ehesten eine leichte Kurserholung im Pharmasektor für möglich, der von Gesundheitsreform-Plänen Kerrys belastet worden sei.</P><P>Ölpreis</P><P>Eine deutliche Reaktion auf den wahrscheinlichen Wahlausgang zeigte sich am Ölmarkt. Im asiatischen Handel stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl der Sorte WTI auf 50,35 Dollar - 73 Cent mehr als bei Handelsschluss am Vortag. Unter Bush dürfte die Lage im Irak angespannt bleiben. Und auch an der Energiepolitik der Vereinigten Staaten wird sich kaum etwas ändern, während Kerry auf Sparmaßnahmen und alternative Energien Wert gelegt hätte.</P><P>Dollar</P><P>Der Dollarkurs kletterte gegenüber dem Euro zunächst um etwa 0,5 Cent. Kerry hätte die Wirtschaftspolitik stärker auf die Binnenkonjunktur ausgerichtet, was möglicherweise eine schwächere Dollar-Entwicklung bedeutet hätte, meinte HVB-Stratege Schwarz. Die WestLB prophezeite für den Tagesverlauf eine Abschwächung des Dollars, weil sich die Märkte wieder den fundamentalen Daten zuwenden würden. Und so kam es auch. Am Nachmittag gab der Dollar gegenüber dem Euro nach. Der Eurokurs stieg wieder auf 1,28 Dollar.</P><P>Anleihen</P><P>In der vergangenen Amtszeit von George Bush sind im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz der USA riesige Defizite entstanden. An den Rentenmärkten wurde darauf spekuliert, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Der Bund Future lag zeitweise fast 0,3 Prozent im Minus bei 116,37 Punkten.</P><P>Stärkere Erschütterungen der Märkte könnte es allerdings geben, wenn die Entscheidung der Wahl mehrere Wochen dauern würde. Nichts hassen Investoren mehr als Unsicherheit. Das gilt auch für einen nachträglichen Überraschungs-Sieg Kerrys. "Dann müsste man mittelfristig sehen, wie sich seine Politik konkret darstellt", sagt Schwarz. "Im Wahlkampf wurde darüber gesprochen, dass man das Haushalts-Defizit halbieren will. Aber wie, hat noch keiner gesagt."</P>

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