Entspannung am Lehrstellenmarkt erwartet

Bilanz: - München -­ Die Vorzeichen waren alles andere als günstig: Mehr Schulabgänger, weniger Lehrstellen. Vier Monate nach Beginn des Ausbildungsjahres fällt die Bilanz jedoch positiv aus. Jedem ausbildungswilligen Jugendlichen in Bayern sei eine Stelle angeboten worden, sagte Arbeitsstaatssekretär Jürgen Heike (CSU).

Für 2007 erwartet Bayerns Staatsregierung eine Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt. Als Ursachen nennt Heike neben der guten Konjunktur den zunehmenden Rückgang der Schülerzahlen. Im vergangenen Jahr musste die Arbeitsverwaltung allerdings mit einem Bewerber-Rekord zurecht kommen. 109 000 Jugendliche in Bayern suchten einen Ausbildungsplatz, 4800 mehr als im Vorjahr. Ende September waren noch etwa 5300 Jugendliche ohne Lehrstelle. Durch die Nachvermittlung sank die Zahl auf 1860 Bewerber ­ ein Zuwachs von 210 Bewerbern gegenüber 2005.

Als unpopulär erwiesen sich erneut die sogenannten Einstiegsqualifikationen (EQJ). Mit diesem Angebot sollen Jugendliche auf eine Lehre vorbereitet werden. Ende des Jahres waren noch knapp 3700 EQJ-Plätze unbesetzt. Die Stellen seien keine Warteschleife wie von den Gewerkschaften behauptet, bekräftigte Heike. Mehr als 60 Prozent der EQJ-Absolventen bekamen einen Ausbildungsplatz. In München lag die Quote sogar bei über 80 Prozent.

Der Erfolg am Lehrstellenmarkt ist allerdings teuer erkauft. Mehr als 100 Millionen Euro gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Bayern 2006 für ausbildungsfördernde Maßnahmen aus. Die Staatsregierung stellte im Rahmen des Programms "Fit for Work" rund 19 Millionen Euro zur Verfügung. Damit konnten rund 8000 zusätzliche Lehrstellen in Bayern geschaffen werden.

Lücken in der Statistik der Bundesagentur kritisierte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages. Viele Jugendliche, die nach BA-Angaben eine Lehrstelle suchen, seien nicht ernsthaft interessiert, so Dörfler. Als Beispiel nannte er die Nachvermittlung: Von den 5300 Bewerbern, die Ende September noch ohne Ausbildung gemeldet waren, konnten nur 3500 eingeladen werden. Der Rest war nicht zu erreichen oder hatte bereits eine Stelle. Gerade mal die Hälfte der eingeladenen Bewerber erschien. "Jugendliche, die nicht ernsthaft einen Ausbildungsplatz suchen, müssen aus der Statistik genommen werden", forderte Dörfler.

Während Dörfler den Ausbildungspakt als Erfolg bezeichnete und eine Neuauflage befürwortet, erneuerten die Gewerkschaften ihre Kritik: "Der Ausbildungspakt ist eine Zusammenkunft von Lüftlmalern, die beschönigen und vertuschen", klagte Bayerns DGB-Vize Heide Langguth. Fast jeder zweite Bewerber habe sich bereits im vergangenen Jahr erfolglos um einen Ausbildungsplatz beworben. "Eine schöne Fassade kann nicht verdecken, dass das Haus insgesamt baufällig ist."

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