Entspannung auf Lehrstellenmarkt: Lage "besser als erwartet"

- Berlin/München - Vor mehr als einem Monat hat das neue Ausbildungsjahr begonnen, am 30. September endete das Berufsberatungsjahr. Anlass für die Bundesagentur für Arbeit, neueste Zahlen zu präsentieren und mit den Partnern des Ausbildungspaktes die Lage auf dem Lehrstellenmarkt zu beurteilen. Dort ist die Situation weniger angespannt als im Vorjahr. Grund für Euphorie gibt es dennoch nicht.

"Wir ziehen heute eine Zwischenbilanz und die ist besser, als alle erwartet haben", sagte der scheidende Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Der 2004 geschlossene Pakt habe die Erwartungen bislang erfüllt, beteuerte Clement - angesichts einer nur leichten Besserung: Zum Stichtag waren noch immer 40 900 Bewerber ohne Ausbildungsstelle - 3200 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der unbesetzten Lehrplätze ging um 700 auf 12 600 zurück. Entsprechend kleiner ist die rechnerische Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Sie verringerte sich um 2400 auf 28 300. Insgesamt haben Wirtschaft und Verwaltungen den Arbeitsämtern 471 500 Lehrstellen angeboten - 8,3 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Wie Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, verdeutlichte, hat sich die Ausbildungssituation in den Regionen unterschiedlich entwickelt. Während im Westen auf einen Lehrplatz 2,5 Bewerber kommen, sind es im Osten 13. In Bayern gab es rechnerisch für 100 Jugendliche 61 Ausbildungsstellen. Insgesamt stieg die Zahl der Lehrstellensucher im Freistaat im fünften Jahr in Folge auf 104 216. Im genau gegenläufigen Trend sank erneut die Zahl der gemeldeten Plätze auf 72 740. Alt kritisierte, dass noch immer jährlich 100 000 junge Menschen die Schule ohne einen Abschluss verlassen. Genauso viele hätten mangelnde Kenntnisse in den Schlüsselqualifikationen Deutsch und Mathematik, fügte Handwerks-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer an. Viele Bewerber seien "nicht ohne weiteres ausbildungsfähig", sagte Schleyer mit Blick auf 5000 freie Lehrstellen im Handwerk.Dort konnte die Ausbildungsquote von 10 Prozent gehalten werden, obwohl die Zahl der Beschäftigten um rund 180 000 zurückging. Neue Ausbildungsplätze wurden auch im Bereich der Industrie- und Handwerks-kammer geschaffen. Mit über 50 000 zusätzlichen Lehrstellen sei die Paktzusage (30 000) weit vor Jahresende deutlich übertroffen worden. Wolfgang Clement forderte dennoch eine "energische Nachvermittlungsaktion": "Die Wirtschaft muss noch eine Schippe drauflegen." Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass der auf drei Jahre ausgelegte Pakt bestehen bleibt. Er wolle sich auch persönlich weiter um die Verbesserung der Ausbildungssituation bemühen. In seinem "nächsten Leben": dem privaten.

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