EON: Bayerische Werke auf der Verkaufsliste

München / Düsseldorf - Ausverkauf beim Stromriesen Eon. Um das Kartellamt zu beschwichtigen, will der Konzern Teile seiner Netze und Werke verkaufen - auch in Bayern. Wer einsteigt und was mit den Mitarbeitern geschieht, ist noch unklar.

Der Eon-Aufsichtsrat hat die Pläne des Konzernchefs Wulf Bernotat zur Abgabe des Hochspannungsnetzes und des Verkaufs von Kraftwerkskapazitäten abgesegnet. Das teilte der Energiekonzern am Mittwoch in Düsseldorf mit. Auf der Verkaufsliste stehen unter anderem das Kohlekraftwerk in Zolling (Kreis Freising) mit rund 100 Mitarbeitern und einige Anlagen der Konzern-Tochter Eon-Wasserkraft mit Sitz in Landshut. In den betroffenen Werken entlang des Inns arbeiten über 120 Menschen.

Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller zeigte sich besorgt und betonte, die bayerischen Standorte dürften durch den Verkauf nicht gefährdet werden, dafür werde sie sich mit Nachdruck einsetzen. Eine direkte Handhabe habe der Freistaat bei den Verkaufsverhandlungen allerdings nicht.

Werks-Schließungen seien nicht Inhalt des Beschlusses des Aufsichtsrats, kommentierte ein Eon-Sprecher diesbezügliche Spekulationen und verwies darauf, dass es noch viel zu früh sei, darüber zu reden. Bis Ende Mai wird der Konzern eine Verpflichtungszusage bei der Europäischen Kommission einreichen. Diese entscheidet dann voraussichtlich im Herbst 2008 darüber, ob der Verkauf des Übertragungsnetzes und von 4800 Megawatt Kraftwerksleistung ausreicht, um den Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu fördern. Nur so könnten die derzeit laufenden Kartellverfahren gegen Eon eingestellt werden.

"Es ist nicht klar, wo die Reise hingehen wird", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Eon-Energie, Martin Cegla, gegenüber unserer Zeitung, von daher sei die Stimmung unter den Mitarbeitern derzeit nicht die beste. "Es gibt noch tausend Fragezeichen" meint Cegla. Unter anderem sei vollkommen unklar, wer als Käufer in die engere Auswahl kommen könnte.

Die Kandidaten reichen von Finanzinvestoren und Pensionsfonds über den britischen Netzbetreiber National Grid bis zum Münchner Allianz-Konzern. Sogar der russische Energieriese Gazprom und der spanische Baukonzern Acciona, der sich im vergangenen Jahr eine harte Übernahmeschlacht mit Eon um den Stromversorger Endesa geliefert hatte, wurden ins Spiel gebracht.

Die Bundesregierung will jedenfalls verhindern, dass die Netze in unliebsame ausländische Hände fallen. Insofern wäre die Allianz, spekulierte unlängst die "Financial Times Deutschland", ein willkommener Käufer. Erste Gehversuche im Energiesektor hat der Versicherungskonzern hinter sich: Ende 2007 übernahm der Münchner Konzern von RWE den Windpark Büttel in Schleswig Holstein.

Am Ende der Debatte könnte eine nationale oder europäische Netzgesellschaft stehen, glaubt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Das wäre ein positiver Schritt für mehr Wettbewerb." Zugleich fordert sie eine europäische Regulierungsbehörde, die für alle Länder einheitliche Regelungen schaffe.

Wer die Netzgesellschaften betreiben und in welchen Händen sie liegen könnten, lässt sie offen. Aber eines schließt die DIW-Energieexpertin aus: "Heuschrecken werden wir nicht bekommen." Denn die Netze werfen, seitdem die Bundesnetzagentur sie überwacht und den Unternehmen die Durchleitungsentgelte vorschreibt, nur noch schmale Renditen ab.

Das mag ein weiterer Grund gewesen sein, warum Eon sich doch zum Verkauf entschloss. Das angebotene Strompaket wird auf rund zehn Milliarden Euro geschätzt, wobei ein Großteil nicht gegen Bargeld, sondern gegen Anlagen im Ausland getauscht werden soll. 

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