+

E.on-Boss fordert Zuschuss für Hartz-IVler

Hamburg/Berlin - E.on-Chef Johannes Teyssen fordert angesichts steigender Stromkosten von der Bundesregierung einen Zuschlag für Hartz-IV-Empfänger. Die Politik sei schuld an den gestiegenen Preisen.

Die Mehrkosten für den Strom würden vom staatlichen Drängen hin zu erneuerbaren Energien verursacht, sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energieversorgers “Spiegel Online“.

Die Ökostrom-Umlage, die alle Verbraucher über ihre Stromrechnung bezahlen, könne im kommenden Jahr von derzeit knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde auf mehr als fünf Cent steigen, sagte der Konzernchef. Das bedeute Mehrkosten von bis zu 50 Euro pro Jahr und sei für Menschen mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem.

“Hartz-IV-Empfänger bekommen die Verteuerung ihrer Heizkosten in voller Höhe erstattet“, sagte Teyssen. Für die Strompreise gelte dies dagegen nicht. “Es sind politische, nicht unternehmerische Entscheidungen gefallen, die Strom teurer machen“, sagte Teyssen mit Blick auf den Atomausstieg und die angestrebte Energiewende. Die Bundesregierung könne nun nicht behaupten, damit nichts zu tun zu haben.

50 Fakten über Hartz IV

50 Fakten über Hartz IV

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, sieht dagegen keinen Grund für eine Belastung des öffentlichen Haushaltes. “Der Schwarze Peter darf jetzt nicht den Falschen zugeschoben werden. Der große Teil der Wirtschaft profitiert von den übermäßigen Umlagebefreiungen. Es ist frech, nun zu fordern, der Staat solle die dadurch erhöhten Preise bei den Verbrauchern ausgleichen“, sagte Höhn. Der richtige Weg sei ein Abbau von Subventionen.

Die neue Linken-Vorsitzende Katja Kipping hält den Vorschlag von Teyssen zumindest zeitweise für eine mögliche Lösung. “Die Forderung ist als Übergangslösung zu unterstützen“, sagte sie der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. “Der bessere Weg wäre jedoch, die Energie-Multis würden endlich Sozialtarife einführen“, sagte Kipping.

Nach Gerichtsurteil drohen weitere Preiserhöhungen

Deutschlands Strom- und Gaskunden drohen nach einem Gerichtsurteil auch Preiserhöhungen an einer weiteren Front. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte am Mittwoch in 19 Pilotverfahren entschieden, dass die Bundesnetzagentur in der Vergangenheit den Anlagenwert der deutschen Strom- und Gasnetze zum Nachteil der Netzbetreiber zu niedrig kalkuliert habe.

Sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, könnten die Netzbetreiber die höheren Kosten auf die Verbraucher umlegen. Allerdings kann die Bundesnetzagentur dagegen noch Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Banken in London erwägen Verlagerung von Jobs
Wenn Großbritannien die EU verlässt, welche Geschäfte werden Banken dann noch von London aus machen können? Mehrere Geldhäuser sorgen sich deswegen - und spielen mit dem …
Banken in London erwägen Verlagerung von Jobs
Früherer VW-Chef Winterkorn vor Abgas-Untersuchungsausschuss
Berlin/Wolfsburg - Winterkorn kommt - aber sagt er auch etwas? Grüne und Linke glauben, dass kaum ein Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss mehr über den Diesel-Skandal …
Früherer VW-Chef Winterkorn vor Abgas-Untersuchungsausschuss
Grüne Woche wird eröffnet - Bund stellt Tierwohlsiegel vor
Berlin (dpa) - Begleitet von Debatten über mehr Tierschutz wird heute in Berlin die Agrarmesse Grüne Woche eröffnet. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) gibt am …
Grüne Woche wird eröffnet - Bund stellt Tierwohlsiegel vor
Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch wieder etwas vorgewagt. Der Dax nahm erneut Tuchfühlung zur Marke von 11.600 Punkten …
Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte

Kommentare