E.ON-Chef Teyssen warnt vor Überforderung der AKW-Betreiber

Berlin - Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energiekonzerns E.ON, Johannes Teyssen, hat vor einer finanziellen Überforderung der Betreiber von Atomkraftwerken (AKW) gewarnt.

“Man kann den Lastesel nicht erst schlachten und ihn dann weiter tragen lassen wollen“, sagte Teyssen der Zeitung “Die Welt“ (Montagausgabe) vor dem Hintergrund der Diskussion über die Finanzierung der Energiewende.

Die Kernkraft sei für die nächsten zwei bis drei Dekaden als Brückentechnologie gedacht gewesen, als “Lastesel der Gesellschaft, der die notwendige Zeit überbrücken und darüber hinaus die Rechnung ganz wesentlich bezahlen sollte“, sagte der E.ON-Chef. Komme es jetzt zu einem früheren Aus einzelner AKW, dann führe das zu ganz massiven Ergebnis- und Bilanzbelastungen für die Betreiber der Atommeiler.

“Wir werden uns nicht entziehen, sondern den Karren auch auf dem alternativen Landweg - wenn am Ende wirklich gewollt - mitziehen“, fügte Teyssen hinzu. “Aber wer unsere Investitionen in eine andere Energiezukunft fordert, muss uns dazu auch finanziell die Möglichkeit erhalten.“ Viele der aktuell diskutierten “Turboszenarien“ machten den Betrieb der Kernkraft schlicht unrentabel, sagte Teyssen. Deswegen müsse klar sein: “Wer keine Brücke will, kann auch keine Brückenmaut fordern, jedenfalls nicht von uns.“

Der E.ON-Chef verwies darauf, dass die alternativen Energien auch Nachteile hätten: “Der Klimaschutz kann nicht so schnell vorangebracht werden, da in zehn Jahren bestimmt noch kein europäisches Supernetz für grüne Stromimporte etwa aus Nordafrika funktioniert.“

Gebraucht würden viel mehr Gas- und einige weitere Kohlekraftwerke sowie leistungsfähige Netze. Der CO2-Ausstoß werde zwangsläufig höher sein, und Deutschland werde seine Klimaziele in den kommenden zehn Jahren nicht erreichen. dapd

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