E.ON-Chef: Vattenfall-Pannen werfen falsches Licht auf Atomkraft

Hamburg - Der Vorstandschef des Energiekonzerns E.ON, Wulf Bernotat, hat die Informationspolitik des Konkurrenten Vattenfall nach den Pannen in dessen Atomkraftwerken in Krümmel und Brunsbüttel kritisiert.

Die Vorfälle seien "sehr ärgerlich, weil sie ein generell falsches Licht auf die Kernkraft werfen", sagte Bernotat dem Magazin "stern". Er verlangte eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse. Dazu sei man mit Vattenfall in "sehr intensiven und auch sehr ernsten Gesprächen". Nach allem, was er bisher wisse, habe aber zu keiner Zeit ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko bestanden. E.ON ist Miteigentümer der beiden Atommeiler, die von Vattenfall betrieben werden.

Bernotat warb trotz der Pannen erneut für eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke: "Kernkraft ist CO2-frei." Mit ihr könne man die Zeit überbrücken, bis die regenerativen Energien wirtschaftlich seien und es nur noch klimafreundlichere Kohlekraftwerke gebe, sagte der Energiemanager dem "stern". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will hingegen nach der Sommerpause mit allen Betreibern über sein Ziel reden, Restlaufzeiten von alten auf neue Meiler zu übertragen. E.ON prüft laut Bernotat den Neubau von Atomkraftwerken in England und Finnland. Der Bundesregierung warf er vor, den "Einstieg in eine ökologische Planwirtschaft" zu verfolgen.

Vattenfall hatte am Dienstag der Veröffentlichung einer Mängelliste zum Atomkraftwerk Brunsbüttel zugestimmt. Eine Klage gegen die Bekanntmachung werde zurückgezogen. Form und Zeitpunkt der Veröffentlichung standen zunächst nicht fest. Der Deutschen Umwelthilfe liegen nach eigenen Angaben Inhalte der Liste vor, die am heutigen Mittwoch in Berlin veröffentlicht werden sollen. Während Krümmel seit den Pannen vom Netz ist, liefert Brunsbüttel seit zwei Wochen wieder Strom.

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