Eon-Konzern krempelt Regionaltöchter um

München - Eon ordnet sein Endkundengeschäft in Deutschland neu. Damit will der Versorger Schlagkraft und Wettbewerbsfähigkeit steigern. Der Umbau der Regionaltöchter fordert die Belegschaft: Hunderte müssen umziehen, jeder zehnte Job fällt weg.

Der Energieversorger Eon kommt dem wachsenden Wettbewerbs- und Regulierungsdruck in Deutschland nicht aus. Das Unternehmen organisiert deshalb Vertrieb und Kundendienste in seinem Heimatmarkt neu, um sich effizienter aufzustellen, wie der Vorstandschef der Kernsparte Eon Energie, Klaus-Dieter Maubach, im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte. Davon betroffen sind sechs der sieben Regionalversorger unter dem Konzerndach, darunter Eon Bayern (siehe Kasten). Sie beschäftigen insgesamt 15 000 Mitarbeiter und beliefern sechs Millionen deutsche Haushalte mit Strom und Gas.

"Das ist eines der bedeutendsten Projekte bei Eon Energie seit mehreren Jahren", sagt Maubach. Zwei Jahre hatte das Management unter dem Arbeitstitel "Region" nach Sparpotenzialen geforscht und mit den Arbeitnehmern um deren Realisierung gerungen. Seit letzter Woche sind die Verträge beurkundet. Kommende Woche startet offiziell der Umbau, der sich über mehrere Jahre strecken wird. Der Vorstand hofft, dass niedrigere Kosten, Vorteile im Einkauf und eine höhere Vertriebsmarge auf lange Sicht eine Ergebnisverbesserung von mehreren 100 Millionen Euro pro Jahr einbringen.

Ein Kernelement von "Region" ist das Zusammenziehen von Vertriebsfunktionen der Regionaltöchter in München, wo auch die Zentrale von Eon Energie steht. "Dinge, die wir bislang bundesweit sechs Mal gemacht haben, wollen wir an einer Stelle bündeln", sagt Maubach. Dazu gehört die Produktentwicklung, die Preispolitik oder das Konzipieren von Marketing-Kampagnen. In der Vertriebsgesellschaft sollen 200 bis 300 Mitarbeiter beschäftigt sein. Die exakte Zahl hängt davon ab, wie viele Mitarbeiter der Regionaltöchter in die bayerische Landeshauptstadt umziehen werden.

Eine weitere Umbaumaßnahme betrifft kundennahe Dienstleistungen wie Abrechnung, Forderungsmanagement oder das Ablesen der Zähler. Diese werden ebenfalls aus den Regionalgesellschaften herausgelöst und zwei Servicegesellschaften mit Sitz in Hamburg und Landshut zugeordnet. Die Zahl der Standorte, die mit Kundendiensten betraut sind, wird infolgedessen von weit über 60 auf etwa 20 eingedampft. Anders als bei der Telekom, die im vergangenen Jahr 50 000 Angestellte in Tochterunternehmen ausgelagert hatte, werden die Eon-Beschäftigten mindestens bis 2012 nach Tarif bezahlt.

Dennoch wird die Belegschaft von dem Umbau hart getroffen - wie auch der Eon-Energie-Chef einräumt. "Wir werden die Zahl der Arbeitsplätze bei den Regionalversorgern über mehrere Jahre um etwas über zehn Prozent reduzieren", sagt Maubach. Im Gespräch sind bis zu 1800 Stellen. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nach Worten Maubachs aber nicht geben. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, indem freie Stellen nicht neu besetzt werden. Der Betriebsrat hat nach schwierigen Gesprächen zugestimmt.

Von vielen verbleibenden Mitarbeitern fordert Eon Flexibilität. "Die Zahl derer, die ihren Lebensmittelpunkt wegen eines Umzugs an einen anderen Standort verlegen müssen, wird zum 1. September etwa 500 betragen", sagt der Eon-Energie-Vorstand. Nach seinen Worten könnten es noch mehr werden. Betroffenen stünden aber Zuschüsse für Umzug und längere Fahrtkosten zu. In Härtefällen soll Mitarbeitern ein anderer Job an ihrem bisherigen Standort angeboten werden. Maubach: "Wir haben kein Interesse daran, jemanden aus dem Unternehmen zu drängen."

Der Eon-Konzern will sich mit dem Umbau für den Wettbewerb am deutschen Energiemarkt rüsten und der vorgeschriebenen Trennung von Netzgeschäft und Vertrieb nachkommen. Zudem reagiert der Versorger auf die harte Hand der Bundesnetzagentur, die seit 2005 Durchleitungsentgelte für Strom- und Gasnetze prüft. "In den ersten beiden Regulierungsrunden hat die Rentabilität unseres Netzgeschäfts deutlich nachgelassen", sagt Maubach. "Mit dem ,Region-Projekt sind wir deutlich besser aufgestellt."

Das Kerngeschäft

Eon Energie ist einer der führenden Energiedienstleister in Europa. Die Tochtergesellschaft des Eon-Konzerns erzeugt und vertreibt Strom sowie Gas. Rund 44 000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 32 Milliarden Euro. In Deutschland beliefert das Unternehmen seine Kunden über sieben Regionalversorger wie Eon Bayern oder Eon Hanse.

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