Eon: Spanische Regierung kündigt Widerstand gegen Übernahme an

- Madrid/Düsseldorf - Die Pläne des Energieriesen Eon zur Übernahme des spanischen Stromproduzenten Endesa stoßen in Madrid auf Widerstand. Regierungschef José´ Luis Rodriguez Zapatero habe Eon bereits mitgeteilt, dass er entschieden gegen das 29,1-Milliarden-Euro-Angebot sei, sagte eine Regierungssprecherin in Madrid. Der Endesa-Vorstand bezeichnete die Offerte als zu niedrig.

Der spanische Ministerpräsident äußerte bei einem Treffen mit Eon-Chef Wulf Bernotat seine Besorgnis über das Kaufangebot. Die spanische Regierung favorisiert eine Übernahme von Endesa durch den spanischen Konkurrenten Gas Natural, da dadurch ein nationaler Champion entstehen würde. Spanien halte es für unklug, die Kontrolle eines so wichtigen Sektors wie der Stromversorgung in ausländische Hände fallen zu lassen.

Dies habe Zapatero auch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gesagt. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, Merkel wolle das Vorhaben nicht kommentieren. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung.

Für Eon könnte die ablehnende Haltung Zapateros zum Problem werden, da die Regierung über eine "goldene Aktie" bei dem ehemaligen Staatsunternehmen verfügt und damit bis 2007 ein Veto-Recht hat. Allerdings will Spanien wohl nicht so weit gehen, von diesem Veto Gebrauch zu machen. Doch auch Endesa selber reagierte verhalten auf das Kaufangebot. Der gebotene Preis von 29,1 Milliarden Euro spiegele nach einhelliger Auffassung des Vorstandes nicht den wahren Wert von Endesa wider, hieß es in einer Stellungnahme.

Auch aus Deutschland Kritik an Plänen von Eon

Positiv sei jedoch zu bewerten, dass Eon nach einer Übernahme auf den Verkauf von Firmenteilen verzichten und die Strategie des Unternehmens weiterführen wolle, betonte das Management. Außerdem stelle das Angebot eine deutliche Verbesserung gegenüber der 22,7-Milliarden-Euro-Offerte von Gas Natural dar. Das Endesa-Management hatte nach dem feindlichen Übernahmeangebot des Konkurrenten Gespräche mit mehreren Interessenten geführt, darunter auch mit Eon. Es gebe jedoch keine Absprachen zwischen Endesa und den beteiligten Unternehmen, hieß es.

Auch in Deutschland meldeten sich kritische Stimmen. Der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnett sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", für die deutsche Industrie habe das Vorhaben fatale Folgen. "Die Übernahme des spanischen Konzerns ließe mehr Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt in weite Ferne rücken", warnte Marnette. Das Vorhaben sei ein Fall für die EU-Wettbewerbskommissarin.

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) warnt vor einer weiteren Verschlechterung der Wettbewerbssituation auf dem Energiemarkt und Nachteilen für die deutschen Verbraucher. "Der Markt verträgt keine Quasi-Monopolisten, weder national noch europäisch. Die Kunden brauchen die Wahl zwischen konkurrierenden Anbietern. Nur so kommen faire Preise zustande", sagte Manfred Panitz vom VEA.

Eon will mit der Übernahme des spanischen Konkurrenten Endesa zum größten Strom- und Gasversorger der Welt aufsteigen. Das neue Unternehmen würde mehr als 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern mit Strom und Gas versorgen und sowohl in Europa wie in Nord- und Südamerika präsent sein.

Gas Natural kündigte unterdessen an, es werde trotz des Gegenangebots an seinen Übernahmeplänen für Endesa festhalten. Allerdings sagte der Gasversorger nicht, ob er sein Angebot erhöhen will.

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